Von: Robert Kern
Nicole Aleithe gibt Kambodschanern Nachhilfe in Sachen Fernsehen
"Alles, was größer ist, hat Vorfahrt"
Es klingt schon fast nach Entwicklungshilfe, wenn Nicole Aleithe ihre Arbeit an der Royal University Phnom Penh in Kambodscha beschreibt. Die Medientechnikstudentin aus Mittweida absolviert ein ganz besonderes Auslandspraktikum – eines unter Palmen.
Den Medienstudenten der Hochschule Mittweida wird empfohlen, ein Praktikum im Ausland zu absolvieren. Nicht jeder erfährt dabei einen solchen "Kulturschock" wie Nicole. Sei es das tropische Klima Indochinas, das Verbot von Mobiltelefonen der neuesten Generation oder gebratene Schlangen als kulinarische Spezialität - das Königreich Kambodscha erweitert den Horizont in jedem Fall. Aber es gibt auch Vertrautes: Die Medienstudiengänge der Royal University Phnom Penh sind denen in Mittweida sehr ähnlich. Nicole gehört zum "Department for Media and Communications" und unterstützt Lehrkräfte und Personal beim Aufbau eines Fernsehsenders. Für medien-mittweida.de schildert sie ihre Erfahrungen.
Wie bist Du eigentlich gerade auf Kambodscha gekommen?
Das war Zufall und großes Glück. Ich wurde gefragt, ob ich denn schon wüsste, wo ich mein Auslandspraktikum machen möchte. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch keinen blassen Schimmer. Ich hatte zwar ein paar Fernsehstationen angeschrieben, aber nur Absagen bekommen. Entweder sie wollten keine weiteren Praktikanten oder es kam gar keine Antwort. So war ich erstmal ziemlich ratlos. Über eine Mitarbeiterin der Hochschule erfuhr ich dann, dass eine Kommilitonin vor kurzem in Kambodscha war und mit der Royal University einen Fernsehsender aufgebaut hat. Das klang schon sehr einladend und passte zu mir. Über meine Eltern hatte ich einen Entwicklungshelfer in Indonesien kennen gelernt und mich deshalb ziemlich viel mit Südostasien beschäftigt. Natürlich findet man über Thailand und Indonesien viel mehr Informationen. Und so dachte ich mir, dass ich einfach mal anfragen werde. Mehr als "Nein" konnten sie ja nicht sagen. Ich war ziemlich überrascht als ich eine Antwort bekam: Die Hochschule konnte sich das sehr gut vorstellen und bis zur endgültigen Erlaubnis waren es nur noch ein paar kleinere Schritte.
Wie sieht dein Tag aus und was sind deine Aufgaben?
Am Anfang hatten die Studenten ein Seminar zur Produktion von Dokumentarfilmen und jeder sollte einen kleinen zwei- bis dreiminütigen Beitrag drehen. Ich half den Studenten, eine Idee zu entwickeln, ein Treatment zu schreiben und abzudrehen. Dann wurde das ganze geschnitten. Ich begleitete quasi alle Produktionsschritte. Ansonsten bin ich auch für die Vergabe der Technik zuständig. Auch einen Unterrichtsfilm über Medienethik in Kambodscha habe ich gemeinsam mit einem Mitarbeiter der Universität produziert.
Hast du den Eindruck, dass dein an der Hochschule Mittweida erlerntes Wissen eine gute Basis bildet?
Im Großen und Ganzen schon. Man hat eigentlich alles gelernt. Aber auch meine Erfahrungen, die ich während der Praktika bei einem kleinen Fernsehsender sammelte, haben mir unheimlich geholfen. Dieses praktische Wissen ist einfach unschätzbar wertvoll, weil man nicht bei Null anfängt und auf bekannte Situation aufbauen kann. Fernsehen ist eben wirklich etwas, das man Lernen muss und in dem man erst durch viel Erfahrung richtig gut wird.
Gab es auch knifflige Situationen, die du bewältigen musstest?
Einen "Power Cut Off" habe ich in Mittweida noch nie erlebt. Die Studenten und ich saßen im Schnittraum des Media Department, als plötzlich überall Piepsignale losgingen und mehrere Studenten zu fluchen begannen. Ich brauchte einen Moment um zu realisieren, dass der Strom weg war und die so genannten USP (unterbrechungsfreien Stromversorgungen) angesprungen waren. Ja und dann wartet man bis der Strom wieder da ist. Fühlt sich ein bisschen wie Hitzefrei auf Zeit an.
Was ist dir besonders positiv aufgefallen?
Beeindruckt haben mich die Menschen hier. Sie sind alle sehr nett und kümmern sich um einen. Es ist viel familiärer. So wurde ich zum Beispiel von Studenten nach Hause eingeladen und wir haben gemeinsam gekocht. Das war unglaublich. Ich habe viele neue Dinge kennen gelernt und das Essen war einfach fantastisch.
Gab es Dinge, die ungewohnt für dich waren?
Der Verkehr ist gewöhnungsbedürftig im ersten Moment. Es gibt Rechtsverkehr und auch Ampeln wie bei uns. Aber es fahren hier zum Beispiel viele Autos mit dem Lenkrad auf der rechten Seite. Scherzhaft sage ich manchmal, dass es nur zwei Regeln gibt. Alles was größer ist als dein Untersatz hat Vorfahrt und ansonsten darfst Du fahren wie du möchtest. Das erfordert aber manchmal auch vollste Konzentration, weil dir jederzeit aus jeder Richtung etwas entgegenkommen kann.
Und konntest Du Dir auch etwas im Land anschauen?
Ja, über Khmer New Year, das Neujahrsfest, hatte die Universität geschlossen und so hatte ich ein wenig Zeit über den universitären Tellerrand zu blicken. Ich war im Norden in der Provinz Ratanakiri und habe wundervolle Wasserfälle und einen Vulkansee bestaunt. Ich war in der Stadt Kratie, dort konnte ich Mekongdelphine beobachten. Sehr beeindruckend war auch die riesige Tempelanlag Angkor Wat - der Stolz der Kambodschaner. Es ist ein komisches Gefühl, wenn man bedenkt, dass die Anlage vor über 500 Jahren gebaut wurde und wie viel Steine und Arbeitskraft da drin stecken. Es ist eigentlich unbeschreiblich.
Alles in allem genieße ich die Zeit hier wirklich. Jeder Tag ist wie ein Abenteuer. Man lernt neue Menschen kennen, neues Essen, neue Philosophien. Man ist immer auf Achse. Ich habe eine wundervolle Zeit.
medien-mittweida.de dankt für das Gespräch.
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"Nicole im kambodschanischen Dschungel" hört sich viel exotischer und abenteuerlicher an als z. B. "Nicole in der touristisch gut erschlossenen Tempelanlage von Angkor What", nicht wahr?
Das wäre nicht weiter bemerkenswert, wenn Ihr Beitrag im Übrigen weniger klischeebehaftet wäre. Ist er aber nicht: Statt während ihres Praktikums selber etwas zu lernen, gab Frau Aleihte "Nachhilfe". Da es an der gastgebenden Hochschule scheinbar nichts für sie zu lernen gab, beschränkten sich ihre neuen Erkenntnisse laut Ihrem Beitrag auf Überlebenstechniken im kambodschanischen Straßenverkehr, das Aussitzen von Stromausfällen, Mekongdelphine und die ach so netten Kambodschaner.
War das wirklich alles, was sie aus diesem Praktikum mitnehmen konnte?