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Freitag, 4. Mai, Alter: 5 Jahre » Zurück

Von: Robert Kern

140 Jahre Hochschule Mittweida

Eine Zeitreise mit Rektor Lothar Otto

Ab Freitag, dem 4. Mai wird in Mittweida gefeiert, denn dann beginnen die Festwochen zum 140-jährigen Jubiläum der Hochschule. Rektor Lothar Otto gewährt medien-mittweida.de einen Einblick in die vergangenen Jahrzehnte und erläutert, welche Veränderungen in Zukunft auf die Hochschule zukommen.

Rektor der Hochschule

Prof. Dr. Ing. Otto, Rektor der Fachhochschule Mittweida (Foto: htwm.de)

Seit Carl Georg Weitzel am 7. Mai 1867 das "Technicum Mittweida" gründete, ist die kleine Lehranstalt enorm gewachsen und verzeichnet mittlerweile viele berühmte Absolventen. Dazu zählen Friedrich Opel, der Automobilhersteller, Walter Bruch, der Erfinder des Farbfernsehens und auch Hans Bahlsen – bekannt aus der Lebensmittelindustrie. Um die vielen Erfolge zu würdigen, sind während der Festwochen verschiedenste Ausstellungen und Veranstaltungen geplant. Der amtierende Rektor, Prof. Dr. Ing. Lothar Otto, verbrachte einige seiner Lebensabschnitte an der Hochschule. Im Gespräch mit medien-mittweida.de sprach er über das Jubiläum der Hochschule und den Wandel der Zeit.

Es wird sehr hektisch werden zur Festwoche: Absolvententreffen, Europawoche und diverse Ausstellungen sind vorbereitet. Auf welche Veranstaltung darf man sich am meisten freuen?

Ein großer Organisationsstab hat alles sehr gut vorbereitet, das Programm ist ausgezeichnet geplant. Ich denke, da wird eher weniger Hektik aufkommen. Wir hoffen, dass das Wetter weiter so schön bleibt und freuen uns auf unsere Gäste.

Der Höhepunkt ist natürlich die Sondersenatssitzung am 18. Mai. Diese dient insbesondere dazu, die 140 Jahre der Hochschule Revue passieren zu lassen. Gleichzeitig haben wir dort sehr viele Ehrengäste. Der nach dem weltberühmten Ingenieur benannte „Gerhard-Neumann-Bau“ der Hochschule wird zehn Jahre alt. Wir erwarten Clarice Neumann, seine amerikanische Ehefrau, welche den „Gerhard Neumann Preis“ für eine technische Innovation verleihen wird. Im Gedenken an den 1997 verstorbenen Absolventen wird auch das Gerhard Neumann Bild, das größtenteils durch Mitarbeiter der Hochschule gesponsert wurde, enthüllt. Neben diesem wird es noch viele weitere Höhepunkte geben.

Sie kennen die Mittweidaer Hochschule noch als "Ingenieurshochschule Mittweida", erlebten deren Neugründung 1969 als Student und starteten ihre Karriere an der Hochschule im Jahre 1985. Würden Sie mit uns eine "Zeitreise" wagen?

Natürlich. Ich habe sogar noch eher Bekanntschaft mit der Hochschule geschlossen, als Amateurfunker damals 1961. Die Funkstation der Hochschule ist ja eine der Ältesten Deutschlands. Elektrotechnik und die sich daraus entwickelnde Funktechnik spielten an der Hochschule schon seit Carl Georg Weitzel eine große Rolle. Das hat mich technisch sehr geprägt und die ganze Sache ins Rollen gebracht. Ich war 25 Jahre bei der deutschen Post bevor ich dann wieder nach Mittweida kam.

Zu meiner Studienzeit beschränkte sich der "Campus" auf drei Gebäude. Dazu kam noch die 1901 gegründete "Präzisionswerkstätten Mittweida Gmbh". Diese war dafür gedacht, Praktikanten auf das Studium vorzubereiten.  Das jetzige Haus sechs war das größte Wohnheim und das heutige Zentrum für Laserapplikation war einst unsere Mensa. Wirklich toll waren die Dielen darin: Wenn man sich vorne eine Suppe geholt hat, fehlte hinten immer die Hälfte, weil der Boden so schwankte. Wenn man da durchlief, fühlte sich das an wie auf See. Wir hatten also ganz andere Verhältnisse: wesentlich weniger Räume und Studenten, wir waren damals an die 1000 Lernende. Die Hochschule hatte rund 8.000m² Nutzfläche, heute sind das mehr als 26.000 m². Ich würde gern heute hier noch einmal Nachrichtentechnik studieren, denn die Möglichkeiten in naturwissenschaftlichen und anderen Studiengängen sind hervorragend. Man muss nicht in überfüllten Seminaren, Praktika oder Vorlesungen sitzen und kann sich das Wissen in allen Formen hautnah aneignen. Sei es der direkte Kontakt zum Professor oder Laboringenieur, die Nutzungsmöglichkeiten der Bibliothek oder die Netzkommunikation, die Lernangebote sind vielfältig und das macht sicher Spaß.

Die Hochschule wurde bei dem Besuch der Staatsministerin Frau Dr. Eva-Maria Stange besonders für die elitären Bereiche und die zügige Umsetzung des Bologna-Prozesses gelobt. Das neue Hochschulgesetz wird eine neue Entwicklung einläuten, wie sehen Sie die Zukunft der Fachhochschule Mittweida?

Es wird keinen radikalen Umbruch geben, wir sind jetzt schon sehr fortschrittlich in Mittweida. Wir haben einen flexibilisierten Haushalt und eine vorbildliche Buchführung. Bei der Umstellung auf einen Privathaushalt mit doppelter Buchführung müssen wir sorgfältig prüfen und überlegt vorgehen. Das ist die eine Herausforderung. Hinzu kommen die Umstellung der Inhalte und die Modulbildung – auch hier sind wir schon sehr weit. Von 28 Studiengängen sind 16 schon komplett akkreditiert. Der Rest sollte bis Mitte 2008 folgen.

Die gesamte Internationalisierung der Studiengänge ist sehr wichtig, damit die jungen Leute auch kompatibel studieren. Der Arbeitsraum ist heute eben nicht mehr nur Deutschland sondern schon mindestens europäisch geworden.

Eine weitere Neuerung, die ein großes Stück Arbeit bedeutet, ist die Gesetzgebung für das Hochschulwesen. Im Moment liegt diese in den Händen des Ministeriums oder der Bundesrepublik. In Zukunft wird jede Hochschule eine eigene Grundordnung gestalten müssen. Wenn das neue Gesetz kommt, muss die Grundordnung sehr intelligent gemacht werden. Wir wollen nicht, dass alles bürokratisiert wird. Dafür müssen wir mit der Studentenschaft und allen Mitgliedern der Hochschule in Arbeitsgruppen eine optimale Gesetzgebung schaffen, welche nur regelt, was geregelt werden muss. So erhalten wir uns viel Spielraum und Kreativität und die innere Triebkraft der Hochschule wird nicht gebremst. Ich blicke da sehr zuversichtlich in die Zukunft.

Wir danken Prof. Dr. Otto für das interessante Gespräch.

 



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