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Montag, 14. Mai, Alter: 5 Jahre » Zurück

Von: Anja Zeutschel

Blooker Prize 2007 an herausragende Blooks verliehen

Blogs zwischen zwei Buchdeckeln

Der Lulu Blooker Prize 2007 ist heute an die besten Blooks vergeben worden. Gesamtsieger ist Colby Buzzell. "Blook" ist begrifflich die Verbindung aus "Blog" und "Book" und meint im Sinne des Blooker Prize Blogs, die als gedruckte Werke erschienen sind. In Deutschland sind sie wenig bekannt.

Blooks verbinden neue und alte Medien.

Was heute zwischen zwei Buchdeckel kommt, ist oft erstaunlich. (Foto: Pixelio.de)

Der Gesamtsieger des Lulu Blooker Prize heißt Colby Buzzell. Mit seinem Blook "My war: Killing Time in Iraq", was auf dem Blog "My War" basiert, gewann er in der Kategorie Non-Fiction. In der Kategorie Fiction wurde "The Doorbells of Florence" von Andrew Losowsky ausgezeichnet. Zudem erhielt Brian Fies' Comic "Mom's Cancer" eine Würdigung. Der Preis ist pro Kategorie mit 2500 US-Dollar dotiert. Für den Hauptgewinner gab es noch einmal 7500 Dollar zusätzlich.

Der "Blooker Prize" wurde 2005 von der Firma Lulu gegründet und im letzten Jahr erstmals an herausragende Blooks vergeben. Lulu ist ein Print-on-Demand-Anbieter. Der Name "Blooker Prize" ist an den großen britischen Literaturpreis "Booker Prize" angelehnt. Zum Wettbewerb darf jeder seinen Blook anmelden und einsenden, egal aus welchem Land der Autor kommt. Einzige Bedingung ist, dass die Blooks englischsprachig sein müssen. Ein Komitee wählt aus den Bewerbern jeweils die fünf besten für die Kategorien "Non-Fiction" sowie "Fiction" und die drei besten im Bereich "Web-Comics" aus. Danach entscheiden noch einmal fünf, zu "Richtern" ernannte, unabhängige Personen über den jeweiligen Gruppensieger und über den Gesamtgewinner. In diesem Jahr war Paul Jones Vorsitzender der Jury. Er arbeitet als Dozent für Journalismus und Massenkommunikation an der Universität von North Carolina. Ebenfalls zur Jury gehörte Nick Cohen, der als Kolumnist für den "Observer" tätig ist. Hinzu kommt Julie Powell, die 2006 den Blooker Prize in der Kategorie Non-Fiction gewann und als Gesamtsiegerin ausgezeichnet wurde. Neben ihr entschieden auch Arianna Huffington, Mitbegründerin der Huffingtonpost, und Rohit Gupta mit über die Gewinner des Blooker Prize.

Blooks sind ...

Unter dem Begriff "Blooks" sind verschiedene Varianten zu verstehen. Die englische Version von Wikipedia liefert dazu eine umfangreiche Erklärung. Danach existiert das Wort bereits seit den 90er Jahren und ist von Mindell Dubansky, einem Bibliothekar, eingeführt worden. Damals wurde es als Abkürzung für "looks like a book", zu deutsch "sieht aus wie ein Buch", benutzt. Gemeint sind damit Imitate von einem gebundenen Buch oder mehreren Büchern, die nebeneinander stehen. Diese Art von Blooks wurde bereits im 16. Jahrhundert hergestellt. Mittlerweile werden Blooks hauptsächlich als gedruckte Weblogs verstanden. Desweiteren gibt es noch Bücher von oftmals bekannten Autoren, die von vornherein als Blogs angelegt waren, und Bücher, die aus Online-Kolumnen oder Kunstprojekten entstanden sind.

Bücher als Blogs

Die Internetvariante von literarischen Werken funktioniert recht einfach. Der Autor veröffentlicht ein Kapitel als Post auf seinem Blog. Jeder Leser hat dabei die Möglichkeit, sich das Blook wie bei herkömmlichen Blogs als RSS-Feed zu abonnieren und Kommentare zum Kapitel zu hinterlassen. Das allererste Blook dieser Art war hackoff.com von Tom Evslin und startete im September 2005. Es handelt sich um einen Krimi, der zur Zeit der großen Internetblase um das Jahr 2000 herum spielt.

Blogs als Bücher

Das erste Buch, das auf einem Weblog basierte, erschien im Jahr 2002 von Tony Pierce. Er wählte dafür von seinem ein Jahr alten Blog einige Beiträge aus und vereinigte sie in einer Sammlung. Um für das gedruckte Werk einen Titel zu finden, veranstaltete er einen Wettbewerb unter seinen Lesern, die dazu Titel für das Buch vorschlagen sollten. Gewinner war Jeff Jarvis von "Buzzmachine". Er schlug "Blook" vor. Daher kommt nun der Begriff für gedruckte Blogs. Und der Lulu Blooker Prize zeichnet ausschließlich diese Art von Blooks aus.

Von Tony Pierce existieren zudem noch zwei weitere Blooks – "How to blog" und "Stiff", die beide ebenfalls Zusammenfassungen von Blog-Einträgen sind. Erfolgreich war auch das Buch "Straight Up and Dirty: The Life of a Young New York Divorcee" von der Amerikanerin Stephanie Klein. Es entstand aus ihrem Blog "Greek Tragedy".

Geringer Bekanntheitsgrad in Deutschland

In Deutschland sind Blooks wenig bekannt. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass es scheinbar keine wirklichen deutschsprachigen Blogs gibt, die diese Form der Veröffentlichung für sich entdeckt haben. Martin Spieles, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit beim S.Fischer-Verlag, äußerte gegenüber medien-mittweida.de, dass es im Verlagsprogramm zwar einige Autoren gebe, die auch berühmte Blogger seien, beispielsweise Matussek und Erik T. Hansen. "Aber diese verstehen sich auch in erster Linie als Autoren beziehungsweise Journalisten." Zudem gebe es laut Spieles "auch immer wieder Publikationen, die aus Internetprojekten entstehen, wie ‚Frag Mutti’ aus frag-mutti.de." Dies sei aber kein Blog, sondern eine Community.

Zu einiger Berühmtheit kam hierzulande nur das Buch "Let’s get bombed. Schöne Grüße aus Bagdad" von Salam Pax. Es basiert auf seinem Weblog "Where is Raed?", was er während des Irak-Kriegs mit Mitteilungen und Berichten aus der irakischen Hauptstadt füllte. In Deutschland war "Let’s get bombed" das erste Blook, welches auf dem Markt erschien. Es wurde 2003 nach dem Irak-Krieg vom Econ-Ullstein-Verlag publiziert. Auf Anfrage teilte der Programmchef des Verlags, Jürgen Diessl, mit, dass es derzeit allerdings keine Blook-Projekte gebe. "Ich persönlich halte wenig davon, Blogs zwischen zwei Buchdeckel zu klemmen, so wie ich auch keine Kinofilme auf dem Handydisplay sehen will", äußerte Diessl gegenüber medien-mittweida.de. Die Verkaufszahlen von "Let’s get bombed" sollen wohl auch nicht berauschend gewesen sein. Diessl sagte der Plattform jetzt.de, diese Tatsache habe ihren Ursprung darin, dass es im Internet alles umsonst gebe und dort auch aktuell lesbar sei. Die Buchform dauere allerdings Monate. Das Blog habe, so Diessl zu medien-mittweida.de, durchaus seine Daseinsberechtigung. "Aber es gehört ins Web, es ist persönlich und authentisch, wie ein Buch nicht sein kann, aber auch schnell, nicht gegengelesen, meist ohne Quellennachweis und – ohne echtes Konzept." Das seien für Econ als Sachbuchverlag "nicht die besten Voraussetzungen".

Trotz dieser Problematiken bezeichnete die Economic Times Blooks als die momentan weltweit am schnellsten wachsende literarische Form. Und häufig werden Blooks als "die neuen Blogs" oder die "Zukunft der Bücher" betitelt. Ob der Leser bald nur noch häppchenweise seine Lektüre per RSS-Feed zugeschickt bekommt und manchmal eine Sammlung der besten Beiträge eines Blogs als gedrucktes Werk erscheint, bleibt fraglich. Auf absehbare Zeit werden klassische Schriftsteller allerdings weiterhin "normale" Bücher mit Erfolg schreiben und verkaufen können.



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