Von: Antje Hashagen
Das Internet als Erweiterung des Gedächtnisses
Digitale Demenz
Die Möglichkeiten der digitalen Welt haben die Art und Weise des Umgangs mit Informationen grundlegend verändert. Diese Entwicklung bringt jedoch nicht nur Vorteile mit sich, sondern birgt auch Gefahren. Erste Forschungen befassen sich nun mit den Auswirkungen der digitalen Informationskultur.
Demenz beschreibt ein Krankheitsbild, das durch eine fortschreitende Einschränkung der geistigen Leistungsfähigkeit gekennzeichnet ist. Maßgeblich ist der Verlust bereits erworbener Fähigkeiten. Im Gegensatz dazu ist die Möglichkeit, sich über einen Sachverhalt schnell und umfassend zu informieren, dem Internet zu verdanken. Das digitale Netzwerk dient in dieser Hinsicht als externe Erweiterung des eigenen Gedächtnisses, frei nach dem Motto "Wissen heißt, wissen wo's steht".
'Copy&Paste' als Grund für Digitale Demenz
Genau hier beginnt der Umstand, welcher nun von Forschern wie Prof. Dr. Hubert Zimmer, Gedächtnispsychologe an der Universität des Saarlands, untersucht wird. Dies jedoch als digitale Demenz zu bezeichnen, ist nach der Ansicht des Professors "ein falsches Wort, weil das hieße, die Unfähigkeit sich an etwas zu erinnern." Seiner Ansicht nach handle es sich dabei jedoch nicht um Unfähigkeit. Bezeichnender sei, "dass der Versuch, sich an etwas zu erinnern, nicht gemacht wird". Er unterstützt in seiner Sicht sogar das eingangs erwähnte Motto, gibt jedoch zu bedenken: "Sie müssen natürlich in irgendeiner Form die Geräte, in die Sie alles speichern, auch bedienen können."
Eine ähnliche Auffassung vertritt Florian Rötzer, Chefredakteur des Online-Magazins Telepolis. Er sieht als Grund für die Entwicklung von digitaler Demenz und digitalem Alzheimer das "überall um sich greifende 'Copy&Paste'-Syndrom". Zudem versteht er das als Anhaltspunkt dafür, dass "Menschen zwischen eigenem und ausgelagertem, jederzeit verfügbarem Gedächtnis nicht mehr unterscheiden".
In Korea wird mehr noch als in vielen anderen Staaten auf digitale Technik gesetzt. Hier wird das Thema bereits medizinisch untersucht. "In den meisten Fällen wird digitaler Alzheimer von einem Mangel an Aufmerksamkeit aufgrund der vielen Informationsquellen verursacht", erklärt Prof. Yoon Se-chang vom Samsung Medical Center in Seoul. Da sich die Menschen inzwischen mehr auf die Informationssuche als auf das Erinnern verließen, "entwickelt sich die Gehirnfunktion des Suchens, während sich die Gedächtniskapazität vermindert", führt er weiter aus.
Digitale Abhängigkeit
Diese Entwicklung zeigt deutlich, welchen Stellenwert das Internet im Informationszeitalter bereits eingenommen hat. Umso verheerender sind die Auswirkungen, die ein Verlust der binär gespeicherten Daten zur Folge hätte. Täglich bedrohen nicht nur Viren und Würmer Datenbestände, sondern auch physikalische Gesetzmäßigkeiten. Mechanische Abnutzung oder optische Verschmutzung bilden eine Gefahr, welche den Menschen momentan nur zu selten, im Falle des Eintretens jedoch umso schmerzlicher bewusst wird.
Obwohl viele auf den Inhalt der zahlreichen Festplatten, CDs und DVDs in hohem Maße angewiesen sind, betreiben nur wenige Unternehmen und Privatpersonen eine regelmäßige Sicherung der Daten. Und auch diejenigen, die sich um entsprechende Backup-Routinen bemühen, werden immer wieder von der rasanten Entwicklung auf dem Markt der Datenträger überholt. Obwohl es noch vor wenigen Jahren zum festen Standard gehörte, sind heutzutage nur die wenigsten Rechner noch in der Lage eine Diskette zu lesen. Ebenso wird es als nächstes der CD ergehen, denn auch die Nachfolger der DVD stehen bereits in den Startlöchern.
Jedoch sind nicht nur die Datenträger betroffen. Datenformate teilen das Schicksal der ständigen Weiterentwicklung. Ein Dokument im heutigen Word-Format oder eine PDF-Datei haben mit ihren nur wenige Jahre alten Pendants nur noch die Bezeichnung gemein. Das interne Format, in dem die Daten abgelegt sind, ist mittlerweile ein völlig anderes. Sogar die Erstellung und Darstellung von Internetseiten haben sich in der letzten Zeit so stark entwickelt, dass es mit modernen Browsern auch hier bald zu Problemen kommen wird. Diese könnten beispielsweise mit älteren Websites nicht mehr kompatibel sein.
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