Von: Thomas Horn
Rohölpreis klettert unaufhaltsam zu seinem bisherigen Rekordwert
Öl – teurer geht’s immer
Mitte September erreichte der Preis für ein Barrel Rohöl der amerikanischen Leitsorte WTI den höchsten Stand aller Zeiten. Mittlerweile stieg er bis Ende September sogar noch stärker und setzt mit einer Notierung oberhalb von 84 Dollar je Barrel seine rasante Steigerung fort.
Die schwachen Vorgaben aus den USA spiegelten sich sofort in dem Ölpreis wieder. Der dramatisch niedrige Dollar, die stark zurück gegangenen Rohölreserven, neue Hurrikan-Befürchtungen und der herannahende Winter führen zu einer enormen Nachfrage des größten Ölverbrauchers der Erde. Auswirkungen dessen sind die Verknappung des Rohstoffes am Weltmarkt und seine anschließende Teuerung.
Macht der OPEC
Dies ist aber nur eine Seite der Medaille. Denn es gibt auch andere, weit weniger bekannte, aber dennoch sehr wichtige Einflussfaktoren für den Ölpreis. Zum einen haben die OPEC-Staaten auf ihrer letzten Zusammenkunft am 11. September in Wien eine Erhöhung der täglichen Förderquoten von 26,7 Millionen Barrel um 500 000 Barrel festgelegt. Dies wurde jedoch allgemein von den Industrieländern als viel zu gering eingeschätzt, um die hohe Nachfrage zu befriedigen und den Ölpreis zu stabilisieren. Die internationale Energieagentur (IEA) kritisierte die Erhöhung als zu gering.
Zum anderen spielt die schwierige Lage der Hauptförderländer eine große Rolle. Die geopolitischen Verstrickungen und bedrohliche Krisengebiete machen Förderung und Transport immer schwerer. Besonders der Irak als ölreiches Land kann bei weitem nicht seine eigentlichen Ressourcen ausnutzen. Auch der ungelöste Atomkonflikt mit dem Iran und die Waffenfinanzierung des Iran mit Ölgeld machen einen unkomplizierten Ölhandel schwierig.
Spekulationen verteuern Öl versteckt aber am wirksamsten
Noch viel schwerer, aber und momentan wohl auch am bedeutsamsten, sind die spekulativen Käufe an den Rohstoffmärkten. Auffällig ist nämlich die außergewöhnlich hohe Korrelation des Ölpreises mit dem Kurs des US-Dollars. Spekulanten setzen auf Naturereignisse wie einen Hurrikan, der die Preise und ihre Gewinne in die Höhe schießen lässt. Außerdem setzen sie auf den natürlichen Effekt der Verknappung der Rohstoffe. Je weniger Öl gefördert wird oder noch gefördert werden kann, umso stärker steigt nach den Marktgesetzen auch der Preis. Spekulanten wissen um diese Effekte und heizen den Trend nur noch an.
Ebenso verschwiegen wird oft die Tatsache, dass die großen Ölförderländer die Abwertung des Dollars durch die einfache Steigerung des Ölpreises wieder ausgleichen. Da der Dollar gegenüber dem Euro momentan enorm schwach ist, werden diese Preissteigerungen in Europa nicht so stark gespürt. Wäre der Euro jedoch schwächer als der Dollar, würden die Preise für Heizöl und Benzin in Deutschland spürbar teurer werden.
China und Indien kaufen alles auf
Die Rohölimporte Chinas lagen 2006 um 19 Prozent höher als ein Jahr vorher und ein Ende des Wirtschaftswachstums ist nicht in Sicht. Mit seinem riesigen Hunger nach fossilen Energieträgern weist es auch wie Indien langsam die alten Industrienationen in ihre Schranken. Vor diesem Hintergrund nehmen sich die knappen US-Reserven noch dramatischer aus. Es ist damit zu rechnen, dass die Amerikaner massiv zukaufen müssen, um über den Winter zu kommen und somit das ohnehin schon knappe schwarze Gold noch knapper werden lassen. Für Ende diesen Jahres und Anfang kommenden Jahres sagen Analysten eine weitere Verknappung des Angebots voraus. Vor dem Hintergrund beschränkter Fördermengen und geringer Reserven muss man damit rechnen, dass der Ölpreis auch mittelfristig auf diesem enorm hohen Niveau bleibt.
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