Von: Gerrit-Daniel Neuhaus
Studium im Ausland - Teil 4: Kambodscha
Eine andere Art des Lebens
Im vierten Teil unserer Serie beschäftigen wir uns mit Kambodscha. 2001 wurde in der Hauptstadt Phnom Penh das Department of Media & Communication gegründet. Hier bietet sich Medienstudenten die Chance ein Auslandspraktikum in einem vollkommen uneuropäischen Kulturkreis zu absolvieren.
Kambotscha liegt in Südostasien und grenzt an Laos, Thailand und Vietnam. Es zählt zu den Ärmsten der Welt und wurde durch die Schreckensherrschaft der roten Khmer nachhaltig geschädigt. Knapp 30 Jahre nach dem Sturz des Pol Pot Regimes befindet es sich noch immer im Schockzustand und Wiederaufbau.
"Es geht vielen Menschen sehr schlecht. Ich wusste als Europäer oft nicht wie ich darauf reagieren soll. Auch wenn man als deutscher Student nicht wirklich viel Geld hat, ist man dort reich“, gibt Nicole Aleithe, Medientechnikerin der Hochschule Mittweida, zu. Nicole hat von März bis Juni diesen Jahres ihr Auslandspraktikum in Phnom Penh absolviert und ergänzt im nächsten Satz: "Es war die beste Erfahrung meines Lebens. Die Menschen sind trotz allem sehr freundlich, fröhlich, zuvorkommend und ehrlich.“
Die Erfahrungen, die man in Kambodscha jenseits der spannenden Geschichte des Landes sammeln kann, sind in der Tat reichlich und mannigfaltig. Angefangen bei den Menschen, über die höchst eigentümlichen Verkehrsregeln bis zu den kulinarischen Besonderheiten, lässt sich in Kambodscha so einiges Erleben. Es gibt zwar Ampeln und Rechtsverkehr, das ist aber auch die einzige Gemeinsamkeit die unsere Verkehrsregeln mit den kambodschanischen haben. Letztendlich gilt auf den Straßen nämlich das Recht des Stärkeren. "Alles was größer ist als dein Untersatz hat Vorfahrt und ansonsten darfst du fahren wie du möchtest. Das erfordert vollste Konzentration, weil dir jederzeit aus jeder Richtung etwas entgegenkommen kann“, beschreibt Nicole die anarchischen Verhältnisse auf den Straßen mit scherzhafter Stimme.
Bei der Essensfrage lässt sich Nicole schnell begeistern. "Fried Bananas sind mein absoluter Favorit." Ansonsten sind die Essgewohnheiten der Kambodschaner sehr unterschiedlich zu den deutschen. Zum Frühstück gibt es statt Brot mit Butter und Marmelade, Nudelsuppe, mittags und abends kann man zwischen diversen Reisgerichten mit manchmal unidentifizierbaren Beilagen wählen. Wer zwischendurch mal Hunger bekommt und sehr experimentierfreudig ist, kann zwischen gebratenen Heuschrecken oder frittierte Spinnen snacken. "Gebratene Heuschrecken sind sehr lecker", überrascht Nicole im Gespräch.
Stipendium, Preise und Unterkunft
Wessen Interesse die Eigenheiten dieses Landes jetzt geweckt haben sollten, der fragt sich sicherlich wie sich ein Praktikumsaufenthalt in Kambodscha finanzieren lässt. Das erste Problem stellen sicherlich die Flugkosten dar. Da hilft der DAAD (deutscher akademischer Auslandsdienst) weiter. Wer sich rechtzeitig bewirbt, das heißt in etwa ein halbes bis dreiviertel Jahr vorher, dem wird in den meisten Fällen ein Flugkostenzuschuss gewährt. Hierzu muss man diverse Bescheinigungen einholen, die in der Regel leicht zu beschaffen sind. Das Visum erhält man direkt am Flughafen.
Ist man erstmal in Phnom Penh gelandet wird man schnell merken, dass es sich wirklich billig leben lässt. Je nach dem ob man auf einen Fernseher, eine eigene Dusche oder gar eine Klimaanlage Wert legt, erhält man eine Unterkunft für ein bis acht Euro. WAm Ende habe ich ein Zimmer mit eigenem Bad und Fernseher für acht Dollar pro Nacht bezogen, man kann aber auch deutlich billiger wohnen", erklärt Nicole.
Jetzt muss man eigentlich nur noch Essen. Ein warmes Gericht ist auf den vielen Märkten der Stadt schon für 3000 Riel zu haben. Das ist die inländische Währung und entspricht in etwa 60 Cent. Außerdem gibt es auf den Hauptstraßen Phnom Penhs ein reichliches Angebot an Imbissständen, die für wenig Geld Fruchtshakes, gebackene Bananen, Baguettes und andere Köstlichkeiten anbieten. Wer es etwas schicker mag, der kann sich auch in einem der vielen Restaurants verköstigen lassen. Solange man bei der Suche nach einem passenden Lokal die touristischen Plätze meidet, wird man schwer ein Essen für mehr als zwei bis drei Euro finden. "Je länger man in Kambodscha lebt, desto mehr Geld spart man", resümiert Kirstin Wille ihren dritten Kambodschaaufenthalt, den sie von Juli bis September 2007 absolvierte, um Research für ihre Diplomarbeit zu betreiben.
Das studentische Leben
Das Bildungsniveau der Kambodschaner ist, verglichen mit unserem westlichen Standard eher gering. Allerdings sind die Studenten sehr ehrgeizig, wissbegierig und aufgeschlossen. "Deswegen lernen die kambodschanischen Studenten letztendlich sogar schneller als die deutschen", glaubt Kirstin. Hierfür bietet die Royal University of Phnom Penh (RUPP) ihren 6 196 Studenten den richtigen Platz. Das Department of Media and Communication wurde im Jahr 2001, mit der Mission kreative, effektive und kritische Journalisten auszubilden, ins Leben gerufen. Seitdem werden in Kambodschas einzigem, vierjährigen Bachelor Studiengang im Fachbereich Medien angehende Medienmanager ausgebildet. Um dies zu ermöglichen haben die Studenten die Möglichkeit Audio- und Videotechnik über Projektscheine auszuleihen. "Ich würde die Technik der Universität zur Consumer bis unteren Profiklasse zählen. Um die Grundbegriffe der audiovisuellen Berichterstattung zu lernen reicht das völlig aus", schätzt Nicole die Ausstattung ein.
Die Aufgaben, welche die deutsche Studentin während ihres Praktikums an der R.U.P.P. übernommen hat, waren mehr von lehrendem als von lernendem Charakter. So war sie beispielsweise für die Ausgabe der Technik oder die Produktion einer DVD mit studentischen Erstlingsfilmen zuständig. "Außerdem habe ich Studenten bei der Filmproduktion geholfen. Beim Treatment schreiben, beim Drehen und vor allem beim Schnitt habe ich ihnen unter die Arme gegriffen."
Was bleibt dann eigentlich hängen?
Im Großen und Ganzen gib es sicher bessere Möglichkeiten sich fachliches Wissen anzueignen, als ein Auslandspraktikum in Kambodscha. Es gibt aber kaum eine bessere Möglichkeit einmal über den europäischen Tellerrand hinauszuschauen, als sich mit einem komplett andern Kulturkreis und einer anderen Lebensweise auseinanderzusetzen.
Dieser Meinung ist auch Kirstin, die sich im Jahr 2005 für ein Auslandspraktikum in Phnom Penh entschied. "Als ich gesehen habe, dass sich damals jeder für ein Praktikum bei einem Riesenkonzern beworben hat, habe ich mich gefragt, ob ich das auch möchte und mich dagegen entschieden. Ich wollte meinen eigenen Weg gehen. Letztlich habe ich gelernt Dinge in einem anderen Kontext zu sehen und mich auf eine andere Art und Weise zu organisieren. Auf kambodschanische Art und Weise eben!"
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