Von: Thomas Christmann
Studium im Ausland – Teil 5: Norwegen
Studieren in Norwegen ist teuer
Das Land der Fjorde und Seen bietet nicht nur Urlaubern gute Voraussetzungen, sondern eröffnet auch Medienstudenten die Möglichkeiten für ein Auslandssemester – die Hochschule in Gjovik bietet entsprechende Bachelor- und Masterprogramme an.
Fernab von Diskussionen über Studiengebühren, überfüllte Hörsäle und zum Teil demotivierte Professoren lernt Alexander Thoms, 23, derzeit die Studiengewohnheiten in Norwegen kennen. Denn der Medienmanagementstudent der Hochschule Mittweida verbringt seit August 2007 ein Auslandssemester in Gjovik. Die Gründe dafür sind vielseitig. "Jeder gewillte Student geht nach Spanien, Frankreich, Italien, Finnland, Südafrika oder Australien. Das ist mir zu langweilig und wegen der Sprachen auch keine Herausforderung mehr", sagt der 23-Jährige. Zudem kennt der gebürtige Magdeburger das Land und seine Natur schon aus einem langen Tourenurlaub vor drei Jahren.
Norwegen ist ein teures Pflaster
Damit ist Thoms, der in Gjovik seine Bachelorarbeit schreibt, dieses Jahr einer von nur zwei Medienstudenten, die ein Semester in Norwegen verbringen. Plätze stehen aber dreimal soviel zur Verfügung, bestätigt Marion Dienerowitz vom Auslandsamt der Hochschule Mittweida. Die Studentenbetreuerin würde auch gerne mehr vermitteln, es mangelt allein am Interesse. Das liegt für sie nicht zuletzt an den höheren Anforderungen im Gegensatz zu anderen Ländern. "Neben guten Englischkenntnissen müssen Studenten vor allem ein finanzielles Polster mitbringen", erklärt Marion Dienerowitz. Das kann Alexander Thoms nur bestätigen. "Ohne 3 000 Euro in der Hand braucht man eigentlich nicht damit rechnen, die knapp sechs Monate ohne größere Entbehrungen zu überleben", lautet sein Fazit. So kostet sein 13 Quadratmeter großes Zimmer im günstigen Wohnheim allein schon 340 Euro inklusive aller Nebenkosten wie Strom und Internet. Und durch die hohe Alkoholsteuer gibt es in der Gastronomie, beispielsweise in den Bars, einen halben Liter Bier auch nicht unter fünf Euro. "Um also entspannt zu leben und nicht stets krampfhaft auf das Konto schauen zu müssen, sollten schon 800 Euro im Monat eingeplant werden", schätzt Thoms ein.
Zu beachten sind auch die unterschiedlichen Semesterzeiten. In Norwegen dauert das Sommersemester von Januar bis Mai und das Wintersemester von August bis Dezember. "Wer Kälte nicht mag, sollte nicht im Wintersemester kommen. Teilweise sind bis zu minus 25 Grad möglich", betont der 23-Jährige. Im Gegensatz zu den frostigen Temperaturen und hohen Kosten, sind die Studienmöglichkeiten in Gjovik sehr gut. Vor allem für Medientechniker, aber auch für angehende Manager ist etwas dabei. So gibt es neben Bachelorstudiengängen wie Media Design, Media Management, Media Technology, auch Masterprogramme in Information Security und Media Technology. "Der Anspruch der Hochschule geht in die wissenschaftliche Richtung. Das ist schon eine kleine Herausforderung, aber bietet auch eine sehr gute Ausbildung", ist sich Marion Dienerowitz sicher. Nicht zuletzt besitze die Hochschule perfekt englischsprechende Professoren mit mehrjähriger Auslandserfahrung.
Starker Aspekt liegt im Servicebereich
Auch Alexander Thoms, der ausgewählte Vorlesungen in Englisch besucht, ist begeistert. "Als Bachelor einige Veranstaltungen aus einem Masterstudiengang zu belegen ist sehr sinnvoll, um zu erfahren was wirkliche Unterschiede in der Anlage, den Erwartungen und den Arbeitsmethoden der beiden Konzepte sind. Auch im Vergleich zu Mittweida", sagt er. Die Hochschulgebäude seien laut Thoms sehr neu und modern, die Ausstattung gut. Ein starker Aspekt liege im Servicebereich. Vom kostenlosen Drucken ohne irgendwelche Karten, Accounts oder Freischaltungen, über den ständig besetzten Schalter des Studentenwerkes mit unkomplizierter Hilfe, bis hin zur kostenlosen Nutzung des hochschuleigenen Arztes, wird alles geboten. "Gerade der Arzt ist wichtig, denn in Norwegen muss man trotz Auslandskrankenversicherung meist in Vorleistung gehen", erklärt der angehende Medienmanager aus eigener Erfahrung.
Unkompliziert ist auch die Integration in die Hochschule. Gleich zu Beginn des Aufenthaltes gibt es eine eigene Zugangskarte zu allen Gebäuden, die gleichzeitig auch als Studentenausweis dient. Zum besseren Kennenlernen, Feiern und Erleben bieten die Studenten aller Semester die ersten Wochen entsprechende Veranstaltungen an – auch "Fadder-Wochen" genannt. Die Betreuung über das gesamte Semester hinweg, übernehmen feste Studenten. "Die können immer gefragt werden und waren auch immer hilfsbereit", sagt der 23-Jährige. Darüber hinaus existiert ein Studienführer, der über das Wichtigste informiert.
Einheimische Studenten sind kontaktscheu
Die norwegischen Studenten sind ansonsten nicht alle kontaktfreudig. Auch Gruppenarbeit ist nicht unbedingt ihre Stärke. Ein forsches Voranschreiten, so Thoms, sei deshalb manchmal gewinnbringend. Ansonsten geschehe viel auf Einzelinitiative. Deswegen sollten ausländische Studenten auch versuchen, die norwegische Sprache in den Alltag einzubauen. "Das wird gern gesehen", bestätigt er. Und letztlich kann sich immer in Englisch unterhalten werden. "Die Sprache wird auch von der Hausfrau und Mitarbeitern am Postschalter besser gesprochen als von den meisten Studenten in Mittweida", gibt der Student offen zu.
Aber nicht nur das Studium ist in Norwegen empfehlenswert. So machte Alexander Thoms auch mehrtägige Wandertouren durch die einzigartige Landschaft und Natur. "Es gibt hier richtigen Schnee im Winter. Einfach ein Paradies für Wintersportler wie mich", freut er sich. Auch Reisen zu den nächstgelegenen Städten nach Oslo, Bergen, Hafjell und Lillehammer standen auf dem Plan. "Wer Leute und Land kennenlernen will, genießt durch ein Auto große Mobilität", ist sein Tipp. Und als kulinarische Besonderheit gibt es fast überall günstig Garnelen zu kaufen. "Die sind wahnsinnig lecker", bemerkt der 23-Jährige. Etwas gewöhnungsbedürftig ist allerdings der staatlich geregelte Ausschankstopp um 2 Uhr nachts. "Neben der hohen Alkoholsteuer ein großer Diskussionspunkt in Norwegen", sagt der Medienstudent.
Spätestens 2010 möchte Alexander Thoms nach Norwegen auswandern und nach einem Masterstudium dort arbeiten.
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