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Montag, 26. November, Alter: 4 Jahre » Zurück

Von: Tina Soltysiak, Dina Berger

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Erneut Überfall durch Neonazis in Mittweida

17-Jährige beweist Zivilcourage

Mittweida ist bundesweit wieder in die Schlagzeilen gerückt. Und wieder einmal bleibt ein fader Beigeschmack. Wie am Freitag bekannt wurde, gab es erneut einen Überfall durch Neonazis. Opfer diesmal: eine Sechsjährige und eine junge Frau, die dem Kind zu Hilfe kam.

Stipendiaten der Hans Böckler Stiftung demonstrieren am Ort des Überfalls auf der Lauenhainer Straße. (Foto: Florian Reinke)

Bereits am 3. November ereignete sich die Straftat auf der Lauenhainer Straße. Die 17jährige war zu Fuß unterwegs und beobachtete, wie mehrere junge Männer ein Kind herumschubsten. Dieses weinte bereits. Die junge Frau forderte die Männer auf, von dem Kind abzulassen. Daraufhin überwältigten die Männer die Jugendliche, warfen sie zu Boden. Während drei der Täter die Auszubildende festhielten, ritzte der vierte ihr mit einem skalpellähnlichen Gegenstand ein zirka fünf Zentimeter großes Hakenkreuz in die Hüfte. Der Versuch, ihr eine Rune in die Wange zu schneiden, scheiterte an der heftigen Gegenwehr des Opfers.
Laut Angaben der Jugendlichen müssten mehrere Personen die Tat beobachtet haben. Doch bisher meldeten sich keine Zeugen. "Es ist für mich unbegreiflich.  Fakt ist eins: Man kann an dieser Stelle einfach nicht wegsehen. Da hat jeder eine Pflicht und da muss jeder dazu beitragen, dass derartige Dinge hier nicht passieren", so Bürgermeister Matthias Damm im Gespräch mit 99drei Radio Mittweida.

Dennoch gibt es erste Fahndungserfolge. Das sechsjährige Mädchen konnte ausfindig gemacht werden und bestätigte die Aussagen der Jugendlichen. Es wurden Phantombilder der Tatverdächtigen angefertigt. Einer der Angreifer konnte bereits ermittelt werden.
Ein 19jähriger aus dem Raum Burgstädt soll nach Polizeiangaben die 17-Jährige mit festgehalten haben. Bei einer Wohnungsdurchsuchung konnten unter anderem Datenträger und einen Button mit dem Aufdruck "Sturm 34" sichergestellt werden.
Jedoch ist der Tatverdächtige weiterhin auf freiem Fuß. Das Amtsgerichts Chemnitz sieht den Tatverdacht als nicht ausreichend an und lehnte deshalb einen Antrag auf Untersuchungshaft ab.

Engagiertes Mittweida

Im Landkreis Mittweida sind rechtsextreme Übergriffe leider keine Seltenheit. Auf der Homepage von "AMAL - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt e.V." werden in einer Chronik rechte Aktivitäten erfasst. Für den Landkreis Mittweida sind allein in diesem Jahr bereits über 50 gelistet – den aktuellen Fall noch nicht mit einbezogen. Und die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich um noch vieles höher.

Doch die Stadt Mittweida ist redlich bemüht, ihrem zweifelhaften Ruf als das "neue braune Herz Sachsens" entgegenzuwirken. Der Landkreis Mittweida gehörte zu Jahresbeginn zu den Kommunen, deren Förderantrag zur Umsetzung eines lokalen Aktionsplans mit dem Motto "Stärkung von Vielfalt, Toleranz und Demokratie – gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus" vom Bundesfamilienministerium abgelehnt worden war. Daraufhin stellte der Landkreis das Geld selbst bereit: 100 000 Euro in diesem Jahr, weitere 100 000 Euro 2008. Mit dem Geld werden zahlreiche Projekte unterstützt. So beispielsweise das "Bündnis für Menschenwürde". Dahinter verbergen sich 35 Vereine und über 50 Privatpersonen, die über rechte Tendenzen aufklären, sich für mehr Toleranz gegenüber ausländischen Mitbürgern einsetzen. Sie organisieren unter anderem öffentliche Diskussionsforen und Gespräche mit Szenekennern. Am 9. November 2007 wurde das Bündnis für seine engagierte Arbeit mit dem "Sächsischen Förderpreis für Demokratie" geehrt.

Ein weiteres "Zeichen der Aktivitäten im Kampf für Demokratie und gegen Extremismus" setzt der Landkreis durch die Schaffung einer neuen "Stabsstelle zur Bekämpfung des Extremismus" im Landratsamt. Manfred Lindemann wird ab 1. Dezember die regionalen Aktivitäten im Kampf gegen Extremismus koordinieren und den Landkreis bei der Auswahl der zu fördernden Projekte im Rahmen des Lokalen Aktionsplanes beraten.

Gesprächsrunde bei Radio Mittweida

99drei Radio Mittweida veranstaltete am Sonntag Mittag aus aktuellem Anlass eine Gesprächsrunde. Bürgermeister Matthias Damm, Marcus Eick vom Bündnis für Menschenwürde, der Rektor der Hochschule Lothar Otto und ein Opfer mutmaßlich rechtsextremer Gewalt waren live im Studio zu Gast.

Zu selben Zeit versammelten sich spontan rund 30 Personen am Ort des Überfalls auf der Lauenhainer Straße. Die Stipendiaten der Hans Böckler Stiftung tagten im nahe gelegenen Kriebstein und entschieden sich mit Kerzen und Plakaten vor Ort ein Zeichen setzen und ihre Solidarität mit dem 17jährigen Opfer zu demonstrieren. Die Versammlung dauerte etwas länger als eine Stunde und verlief friedlich. Die Polizei rückte dennoch mit sechs Mannschaftswagen an, um diese nicht angemeldete Veranstaltung aufzulösen.


Gesprächsrunde bei Radio Mittweida

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