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Donnerstag, 6. Dezember, Alter: 4 Jahre » Zurück

Von: Ester Then

Studium im Ausland – Teil 6: Ungarn

Multikulturell in Ungarn

Nach vielen Jahren der Unterdrückung durch den Kommunismus öffnete sich für Ungarn das Tor zur Selbstbestimmung. Allmählich folgte die Integration in Europa. Seit dem 1. Mai 2004 gehört Ungarn zur EU. Damit sind die letzten Grenzen für ein Auslandstudium gefallen.

Ein Koffer steht auf dem Gelände der Hochschule. Darauf kleben verschiedene Aufkleber. Einer steht auch für Ungarn.

Seit Ungarn in der EU ist, muss kein Reisepass mehr eingepackt werden. (Foto: Felix Birkner)

Zwei Studenten, die diese Chance genutzt haben, sind Eduard Habt und Benjamin Rübner. Im letzten Semester studierten sie noch Medien-, Sport- und Eventmanagement an der Management Akademie Riesa. Doch in ihrem fünften Semester wagten sie den Sprung ins Ungewisse. Die beiden besuchen zurzeit die "International Business School" (IBS) in Budapest. "Die IBS genießt international einen sehr guten Ruf. Studenten aus 60 Ländern kommen hier unter einem Dach zusammen, was mich neugierig gemacht hat", erklärt Benjamin seine Wahl. "Aus Deutschland sind noch zirka 20 bis 25 Leute da, ansonsten ist fast jedes europäische Land vertreten", erzählt er weiter. Auch Studenten von anderen Kontinenten besuchen die Hochschule, oftmals aus ärmeren Ländern. Von dort jedoch nur solche, "mit dem nötigen finanziellen Hintergrund", weiß Eduard. Denn die IBS ist eine private Universität. Für die deutschen Studenten übernimmt das Erasmus Stipendium die Studiengebühren."Deshalb ist die Zahl der Plätze auch auf drei begrenzt", so die Studentenbetreuerin für Auslandsangelegenheiten Marion Dienerowitz. Wer nach Ungarn will, sollte sich also frühzeitig bewerben.

Leben in Budapest

Bei einem Studium in Budapest empfiehlt es sich, schon ein bis zwei Wochen vor Studienbeginn eine Wohnung vor Ort zu suchen. Sonst muss man schon 500 - 600 Euro monatlich für 65 m² einplanen. Ungarn hat den Ruf noch recht billig zu sein. Den Eindruck hatte Eduard allerdings nicht. "Der Einkauf im Supermarkt ist teurer und qualitativ minderwertiger als in Deutschland." Budapest ist eine Großstadt und damit auch kein billiges Pflaster. Das bekommen von allem die Einheimischen zu spüren. "Die Metrostationen werden bewohnt von zahlreichen Obdachlosen und man kann keine Minute an der Haltestelle stehen, ohne das man angebettelt wird", erzählt Benjamin von seinen Erfahrungen. Der Unterschied zwischen Arm und Reich ist deutlich zu spüren. "An der IBS dagegen zeigen die Studenten gern was sie haben. Der Parkplatz der Studenten ist geprägt von hochklassigen Autos, neue BMW Modelle, die so nicht einmal auf dem Dozentenparkplatz zu finden sind", berichtet Benjamin.

Die Budapester werden teils als etwas eingebildet empfunden, während außerhalb der Großstadt die Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Ungarn berühmt sind. Es lohnt sich also auch das Umland zu entdecken, das viele landschaftliche Sehenswürdigkeiten aufweist. In Budapest selbst gibt es ebenfalls viel zu sehen. Kein Wunder also, dass die beiden Studenten "Sightseeing", als eine ihrer Hauptbeschäftigung während der  Freizeit angaben. Wer Großstädte nicht gewöhnt ist, sollte auch daran denken, dass ihn chaotische Straßenverhältnisse und weite Entfernungen erwarten. Dafür nimmt man am besten die U-Bahn oder Métro, wie sie in Budapest heißt. Sollte man doch irgendwo Schwierigkeiten haben, so kann man gerne fragen. Fast alle Ungarn können nämlich Englisch oder Deutsch.

Studium an der IBS

Die  IBS ist eine Partnerschule der Oxford Brookes University. Die Unterrichtsprache ist Englisch. Benjamin weiß, dass er in England oder den USA sicher besser Englisch gelernt hätte, "aber die Vorlesungen haben mich auf jeden Fall weiter gebracht und ich bereue keine Minute es gemacht zu haben", bestätigt er. Aus ihren Erfahrungen können Benjamin und Eduard berichten, dass die Unterrichtstage in der Regel kurz sind oder der Unterricht an manchen Tagen gar ausfällt. Der Selbststudienanteil und die Vorbereitung sind dagegen erheblich. Ein Grund dafür ist, dass sie zirka alle zwei Wochen eine Arbeit schreiben. Das Niveau der Fächer ist stark vom Modul abhängig. Die Gesamtnote setzt sich aus verschiedenen Leistungen zusammen. Während des Semesters werden Mitarbeitsnoten und Präsentationsnoten vergeben sowie Hausarbeiten geschrieben. Vieles wird in multikulturellen Gruppen erarbeitet. Zum Abschluss folgt noch eine schriftliche Prüfung, die allerdings nur 60 Prozent ausmacht. Zum Bestehen sind nur 40 Prozent nötig. "Das Bewertungssystem erlaubt es, dass eigentlich jeder das Studium bestehen müsste", meint Eduard.

In medialer Hinsicht ist die Hochschule auch bestens ausgestattet. "Die Technik ist wirklich super und entspricht den westeuropäischen Standards. An der Uni hat jeder Raum fest installierte Beamer oder Flatscreens", lobt Benjamin. Die Hochschule genießt in vielen Unternehmen einen sehr guten Ruf für ihre Ausbildung. Ein Semester dort studiert zu haben, erhöht also durchaus die Chancen für einen guten Arbeitplatz nach dem Studium.

Freizeit

Die studienfreie Zeit ist knapp bemessen, da viel für die Uni getan werden muss. Doch lohnt es sich immer, die Stadt und die Umgebung besser kennen zu lernen. Außerdem bietet das Erasmusprogramm dort Partys für die Studenten an. Abschließend bestätigte Eduard: "Meine Erwartungen an multikulturelle Erfahrungen wurden erfüllt."



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