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Mittwoch, 16. April, Alter: 4 Jahre » Zurück

Von: Claudia Bracholdt

Kommentar zu Olympia 2008 in Peking

Ausgebrannter Geist

Das Feuer des olympischen Fackellaufs "kündigt die Olympischen Spiele an und vermittelt eine Botschaft des Friedens und der Verbundenheit der Völker". So heißt es in einer Infobroschüre des olympischen Museums.

Die olympische Fackel

Der olympische Fackellauf ist umstritten. (Quelle:pixelio.de, Foto:bhp, Montage: Sandra Scholz, Claudia Bracholdt)

Allerdings wird dieses Feuer derzeit nicht von Harmonie und Frieden begleitet. Ursprünglich gab es auch keine Fackelläufe vor Olympia. In der griechischen Antike gab es hierfür eigene Wettkämpfe. So reisten die Läufer zu den olympischen Spielen selbst lediglich mit Ölzweigkronen durch das Land und verkündeten das damals noch regelmäßig in Griechenland stattfindende Ereignis. Sie überbrachten gleichzeitig eine Friedensbotschaft, die kriegerische Auseinandersetzungen während der Wettkämpfe untersagten. Aus heutiger Sicht nicht mehr zeitgemäß.

Proteste bereits bei Olympia 1936

Die Idee des Fackellaufs griff erst Sportfunktionär Carl Diem vor Olympia 1936 auf - die Anordnung kam direkt vom Progapagandaminister Joseph Goebbels. Im Vorfeld kritisierten viele Länder Berlin als Austragungsort. Sie sahen die Ideologie der deutschen Reichsregierung als gefährlich an und verachteten die Diskriminierung der Juden. Adolf Hitler musste daraufhin eine von dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) geforderte Erklärung unterschreiben. Damit stimmte er zu, die Regeln der "Olympischen Idee" einzuhalten. Während des Fackellaufs kam es jedoch zu Protesten. In Prag gelang es Demonstranten sogar, die Flamme kurzzeitig zu löschen.

Auch 2008 kam es wieder zu Ausschreitungen. Vor einigen Tagen musste der Fackellauf in Paris aufgrund von Demonstrationen unterbrochen werden. Die Fackel kam daraufhin an einen geheimen Ort. Jedoch soll der Lauf unter allen Umständen weitergeführt werden.

Es stellt sich die Frage, was für einen Sinn die Fackel noch hat? Derzeit übermittelt sie jedenfalls nur Wut und Trauer. Das IOC möge nun argumentieren, dass die Idee von Frieden gegen alle Widerstände durchzusetzen ist. Aber die Demonstranten protestieren nicht gegen den Frieden. Und was ist dann eine Durchsetzung mit allen Mitteln wert? Im Moment lauten die Lösungen Abschirmung und Gewalt. Die ganze Zeremonie, des von hohen Idealen ausgehenden Fackellaufs, ist somit unglaubwürdig, wenn sich die Welt mit aller Macht daran klammert.

China bleibt das Problem

Es zeugt zwar von viel Courage, dass das IOC die Spiele als Chance für eine bessere Integration Chinas in der Welt ansieht und die olympische Idee verteidigt. Doch ist die Idee des Fackellaufes, während der Spiele keine kriegerischen Auseinandersetzungen zu dulden. Bei der heutigen politischen Lage ist dies weltweit unmöglich - aber friedliche Spiele in Peking veranstalten, wenn vor der Haustür ein Volksaufstand tobt?

Viele Organisationen und Politiker wehren sich gegen eine Verlegung der Spiele. China sollte sich öffnen. Doch was sich gerade abzeichnet, verspricht alles andere als eine friedliche Veranstaltung. Von den Protesten in Tibet will die chinesische Regierung offiziell nichts wissen. Sie lädt deshalb viele Journalisten ein, um China als Land des Lächelns zu präsentieren. Doch ausländischen Medien, die über Aufstände und Verletzung der Menschenrechte in China informieren, werden einseitige Berichterstattungen vorgeworfen. Interviewte Augenzeugen, die sich den internationalen Medien anvertrauen, kommen kurz darauf in Haft.

IOC steht vor schwieriger Entscheidung

Politische Äußerungen haben laut dem IOC bei olympischen Spielen nichts zu suchen. Doch diese Einstellung nutzt China derzeit gnadenlos aus. Natürlich müssen die Organisatoren abwägen, was die schlimmere Variante ist: China die Spiele zu entziehen oder am Land der Mitte fest zu halten? Aber wenn sich das IOC für China entscheidet, dann muss es ein Zeichen setzen. Und die chinesische Regierung sollte einsehen, dass sie mit ihrem derzeitigen falschen Lächeln nicht in der Mitte der Gemeinschaft der Nationen ankommen wird.

Und auch, wenn das olympische Feuer im Moment weiter brennt, vermittelt es nicht den olympischen Geist. Doch vielleicht entwickelt sich daraus ein neuer Gedanke. Das von den Orten, wo ein Fackelläufer vorbeikommt, mit offenen Augen dahin geschaut wird, wo der olympische Geist hoffentlich wieder entstehen kann.



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