Von: Eric Mueller
Google veröffentlicht neuen Webbrowser "Chrome"
Verchromtes Surfen
Der Google-Konzern feierte gerade zehnjähriges Bestehen. Nachdem die Firma 1996 Internet-Suchgewohnheiten revolutionierte, nimmt sie nun unsere Surfgewohnheiten ins Visier. Die Beta-Version von Chrome steht bei Google zum Download bereit.
Internetbrowser gibt es viele. Google ist dabei immer omnipräsent: Ob durch die integrierte Suchapplikation im Firefox oder durch die Desktop-Suche. Das Unternehmen vermarktet so viele Internetseiten, dass der Surfer früher oder später ohnehin zum Suchgiganten gelangt. Zwar gab es ständig Gerüchte um einen "G-Browser", aber ein echter Bedarf bestand nicht. Stattdessen veröffentlichete Google andere kleine Anwendungen, wie GoogleMaps, Gmail, oder Picasa und weitete sein Informationsimperium immer weiter aus. Mittlerweile ist es aber doch an der Zeit. Google geht mit einem eigenen quellcode-offenen Browser an den Markt.
Browser klassisch gehalten
Chrome kleidet sich einfach. Die Oberfläche erinnert an die Google-Suchengine. Alles ist klassisch gehalten. Im Geschwindigkeitsvergleich schlägt der Browser aber den Internet Explorer 8 von Microsoft. Die Meinungen zum Vergleich Firefox und Chrome sind unterschiedlich. Viele Nutzer berichten, dass Chrome schneller sei. Andere behaupten das Gegenteil. Der medien-mittweida.de Geschwindigkeitssieger heißt Firefox.
Im Google-Entwicklerblog zu Chrome, hat der Konzern einige technische Features des Browsers gelistet. Es fällt auf, dass die meisten Features prinzipiell nichts Neues sind. Die Adressleiste vervollständigt die eingegebenen Adressen ähnlich wie der neue Firefox. Surfen mit Tabs ist möglich. In leeren Tabs zeigt das Programm die meistbesuchten Websites an, wie bei Opera. Die anonyme Surffunktion stellte selbst Konkurrent Microsoft gerade vor.
Keine Einbußen in der Geschwindigkeit
Sehr angenehm ist die Tatsache, dass nicht der Browser nicht abstürzt, wenn ein Tab Probleme hat, den Seiteninhalt zu laden. Die Tabs von Chrome arbeiten unabhängig voneinander. Jedes besitzt seine eigene Engine. Grund für diese Entwicklung sind die Google-Gadgets (Werkzeuge). Die meisten basieren auf Grundlage der Java-Script-Engine V8. Ein Browser hat schon einiges zu tun, wenn er ein solches Java-Gadget lädt. Das kann die Gesamtgeschwindigkeit des Surfens schnell in die Knie zwingen. Dadurch, dass aber alle Tabs bei Chrome isoliert voneinander arbeiten, sollen diese Geschwindigkeitseinbußen der Vergangenheit angehören.
Schon am ersten Downloadtag luden mehrere Millionen Nutzer Chrome herunter. Damit steht er an vierter Stelle im Browserwettkampf hinter Safari, Firefox und dem Internet-Explorer. Klar ist, dass Chrome sicherlich für einen weiteren Innovationsschub sorgt. Es wird aber nicht leicht, die Marktführer vom Thron zu stoßen. Immerhin kann Firefox auf eine große Community verweisen, die den Browser über Jahre hinweg mit Verbesserungen und Plugins zu dem machte, was er jetzt ist.
Sicherheitslücke für Nutzer
Google kann jedoch Microsoft mit der Entwicklung den Platz streitig machen, dass Textverarbeitung und Tabellenkalkulation im Browser implementiert sind. Die Programme sollen Word und Excel in nichts nachstehen und stehen einer breiten Masse zur Verfügung. Die Daten verwaltet Google zentral und der Nutzer kann sie von überall abrufen. Inwieweit sich das mit den Vorstellungen von Datenschutz verträgt, bleibt aber sehr fraglich.
Erfahrene Nutzer deckten schon die ersten Sicherheitslücken des Browsers auf. Auch die Nutzungsbedingungen musste Google schon ändern. Ein Blogger bemerkte, dass er sonst alle Rechte an einem, in der erwähnten Textverarbeitung, erstellten Dokument an den Konzern abtreten müsste. Google änderte dies umgehend und sprach von einem Versehen.
Bundesamt rät von Nutzung ab
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik rät sogar von der Nutzung des Browsers ab. "Google Chrome sollte nicht für den allgemeinen Gebrauch eingesetzt werden", sagte Sprecher Matthias Gärtner der Berliner Zeitung. Es sei problematisch, dass Google ein Produkt in der Testversion aufgrund seiner Marktmacht einer breiten, zum Teil technisch wenig versierten, Öffentlichkeit zugänglich mache.
Sicher erleichert der Browser Google die Surfgewohnheiten seiner Nutzer zu analysieren. Immerhin findet die Kommunikation zwischen Suchendem und Suchmaschinen-Giganten nicht mehr nur über die Google-Website und -Dienste statt. Fakt ist aber, dass Chrome ein Open-Source-Projekt ist und die Mitentwickler derartige Spionageschwächen entdecken und beheben. Außerdem befindet sich der Browser noch im Beta-Stadium, weshalb ihm die Kritiker die Sicherheitslücken noch verzeihen sollten. Wer Chrome also nutzt, sollte dies vorerst auf Testzwecke beschränken, bis eine Finale Version herauskommt. Selbst dann ist das Google-Produkt aber mit Vorsicht zu genießen.
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