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Montag, 29. September, Alter: 3 Jahre » Zurück

Von: Eric Mueller

Kommentar zur täglichen Springer-"Blattkritik"

Bild dir deine Kritik

Die meisten staunten nicht schlecht, als die Bildzeitung meldete, dass sie ab sofort ihre Blattkritik öffentlich mache. Schnell stellte sich aber heraus, dass dies nur ein Versuch des "innovativen" Springerblattes ist, ihr Image aufzupolieren.

Steinmeier übt Bild-Blattkritik

Steinmeier übt erste öffentliche Bild-Blattkritik (Quelle: auswaertiges-amt.de / Montage: Eric Mueller)

Das Konzept besteht darin, dass täglich ein Prominenter oder ein höherrangiger Bildredakteur vor die Kamera treten soll und sich mit der jeweiligen Ausgabe kritisch auseinandersetzt. Die Blattkritik ist dann im Internet, für jeden zugänglich um 12 Uhr Mittags zu sehen.

Außenminister Steinmeier machte den Anfang

Den Anfang machte Außenminister und Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD, 52). Nachdem Bild-Chefredakteur Kai Diekmann den Sozialdemokraten gegen 8 Uhr morgens ermunterte, der Redaktion ordentlich was "um die Ohren zu hauen", packte dieser auch prompt seine Samthandschuhe aus und begann mit verbalen Streicheleinheiten.

Bevor er zu seinen persönlichen Tops und Flops kam, lobte er die gewagte Art von "Enthüllungsjournalismus in eigener Sache" und unterstrich den Mut und die Vorreiterrolle der Bild. Auch Diekmann konnte sich nicht verkneifen, die Innovativität der Bildzeitung nochmals dick zu unterstreichen. Welche Zeitung in Deutschland hat denn sonst einen Leserbeirat und eine extra eingerichtete Korrekturspalte?

Tops und Flops halten sich die Waage

In der Bildredaktion wird also Tacheles geredet. Das dies nicht immer spektakulär ist und sich recht langweilig gestaltet sei erstmal dahingestellt. Hauptsache, die Redaktion lernt auch was daraus und nimmt sich der so konstruktiven Kritik in Zukunft an. "Top" sei Hugo Müller-Voggs "kluger" Kommentar zur Finanzlage gewesen. Ebenso, obwohl nicht leicht für die SPD, die exklusiven Auszüge aus Kurt Becks Buch "Ein Sozialdemokrat", in denen nochmals deutlich würde "wie schwierig die letzten Tage für die SPD waren".

Als "Flop" bezeichnete er die Schlagzeile "Gift in Baby-Milch: Auch Nestlé betroffen!", die den Eindruck erweckte, dass auch Deutschland gefährdet sei. Obwohl im Artikel erwähnt wird, dass in Europa noch keine verunreinigte Milch entdeckt wurde. Hinsichtlich des "schmerzhaftesten Artikels der Ausgabe" fragte sich Steinmeier, ob die Frau, die ihrem Freund zum Geburtstag eine Motorradfahrt schenkte, bei der er ums Leben kam, nicht genug gelitten habe. "Was mag die jetzt fühlen", sagte er. Aber mal ehrlich: Das sind wir doch von Bild gewöhnt. Darüber wird jedoch kein Wort verloren. Freudig überrascht zeigte er sich hingegen über den "Gewinner des Tages"- Udo Lindenberg. Inhaltlich wäre diese Ausgabe also abgehakt.

Zeitung wird transparanter und leserfreundlicher

Die Bildzeitung wird also noch transparenter und leserfreundlicher. Sie stellt sich klein dar und kritikfähig. Dass das Blatt davon profitiert, sich mit dem Rivalen der Kanzlerin schmücken zu können und dieser nach der Geschichte um Kurt Beck ein wenig Öffentlichkeit gut gebrauchen könnte, ist natürlich nur eine Mutmaßung.

Eine witzige Anmerkung zum Thema machte auch der BILDblog. Dieser stellte dar, wie oft Steinmeier schon in der Bild zu einem Interview Gelegenheit bekam. 16 Mal durfte er sich interviewen lassen, ohne je in ein falsches Licht gerückt worden zu sein. Ja. Die öffentliche Blattkritik ist wirklich innovativ, zumindest als PR-Kampagne. Danke Bild-Zeitung. Danke Herr Steinmeier.



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