Von: Felix Scherer
Fraunhofer-Studie prüft Soziale Netzwerke
Privatsphäre mangelhaft
Millionen von Menschen pflegen ihre privaten oder geschäftlichen Kontakte mit Hilfe von Plattformen im Internet, in denen sie persönliche Profile anlegen. Die Untersuchung von Diensten wie studiVZ, myspace oder XING offenbart den unzureichenden Schutz dieser sensiblen Daten.
Studienautor Andreas Poller resümiert: "Von den getesteten Plattformen konnte keine vollständig überzeugen". Dabei handelt es sich um facebook, studiVZ, MySpace, wer-kennt-wen, lokalisten sowie die geschäftlich orientierten Portale XING und LinkedIn. Facebook erhält, als Einäugiger unter Blinden, die meisten guten Bewertungen. Besonders lobend wird hier die Zugriffskontrolle hervorgehoben. Am anderen Ende der Fahnenstange befindet sich lokalisten.de. Hier fehlt eine Zugriffskontrolle weitgehend, was zu schwerwiegenden Nachteilen für den Nutzer führt.
Vermeintliche Fake-Accounts gelöscht
Bei den Geschäftsplattformen setzt sich LinkedIn im Detailvergleich gegen XING durch. Einfachere Löschung der Mitgliedschaft und die Nutzung von Pseudonymen gaben hier unter anderem den Ausschlag. Aber: Als einziger Dienst im Test verschlüsselt XING die Daten komplett, die zwischen Browser und Portal ausgetauscht werden.
Negativ ist ebenfalls, dass zu umfangreiche Pflichtdaten bei der Anmeldung anzugeben sind und außerdem keine Pseudonyme akzeptiert werden. So fielen bei facebook zuletzt Nutzer einer Lösch-Aktion von Fake-Accounts zum Opfer, die auch im wirklichen Leben mit ungewöhnlichen Namen gesegnet sind. Eine fehlende Verschlüsselung des Kommunikationskanals sorgt besonders bei den geschäftlichen Portalen für Unsicherheit.
Unbedarfter Umgang mit vertraulichen Informationen
Bitter stößt weiterhin der nicht gewollte Schutz bestimmter privatsphärerelevanter Daten auf. Es existiert kein Schutzmechanismus für den Zugriff auf durch den Nutzer hochgeladene Datenobjekte. Zum Beispiel können Multimediadaten wie Bilder per Suchmaschine auch außerhalb der Plattform betrachtet werden.
In Zeiten, in denen spezialisierte Firmen Dossiers auf Grundlage der eigenen Spur im Netz erstellen, ärgert die unvollständige Löschung persönlicher Daten beim Abmelden von der Plattform. Poller: "Das kann für den Benutzer mitunter sehr peinlich sein. Aber auch Phishingbetrüger und Angreifer, die es auf Firmengeheimnisse abgesehen haben, freuen sich natürlich über solche Informationen. Denn damit können sie sich leichter das Vertrauen der Nutzer oder anderer Personen erschleichen."
Unbedarfter Umgang mit vertraulichen Informationen, unterstützt durch eine unausgereifte Technik, fördert die Schaffung des gläsernen Bürgers. Einige Empfehlungen zum Umgang mit den untersuchten Netzwerken finden sich in der Studie (siehe Link) unter Punkt 8.9 zusammengefasst. Dabei gibt das Fazit der Studie Hoffnung auf künftige Entwicklungen. Die Schwäche der einen Plattform deckt sich häufig mit der Stärke der anderen. Werden die guten Ansätze nun weiter entwickelt und in ein ganzheitliches Konzept eingefügt, kommt dabei die Idealplattform heraus.
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