Von: Eric Birnbaum
Campus-Serie: "Hochschule mit Leidenschaft"
Neugierig leben!
Theologie, Psychologie, Publizistik und Philosophie – das ist zu viel für eine Person? Wenn jemand so neugierig leben will, wie Prof. Peter Gottschalk es tut, geht es sehr wohl. medien-mittweida.de sprach mit ihm.
Während des Studiums begann er seine journalistische Laufbahn als Chefredakteur für eine Studentenzeitung, genannt "Augi". Als Schüler schrieb er bereits für Lokalzeitungen. Über Themen wie diese: "Da ist ein alter, schöner Baum und dahinter wird eine Umgehungsstraße gebaut – ich ging dahin, fotografierte den Baum und schrieb seinen Nekrolog" - so beschreibt er seine damalige Arbeit. Nach abgeschlossenem Theologiestudium und Ordination erhielt er 1984 das Angebot, für die ZDF-Redaktion "Kirche und Leben" zu arbeiten. Das war sein Einstieg ins Fernsehgeschäft. Später ist Gottschalk Redakteur und Moderator beim ORB, dem heutigen RBB, und beim BR. 1996 erhielt Gottschalk schließlich das Angebot, bei arte zu arbeiten - wo er noch heute tätig ist.
Leidenschaft
Peter Gottschalk verwendet das Wort Leidenschaft nicht inflationär oft. Für ihn beschreibt dieses Wort mehr als nur ein Hobby oder einen Sport, den er gern zum Zeitvertreib ausübt. "Sicher, ich fahre gern Fahrrad, Ski oder und trainiere Judo, jedoch mache ich das, um mich fit zu halten." Leidenschaft bedeutet für Gottschalk, etwas mit völliger Überzeugung und Hingabe auszuüben. Auf die Frage, was er leidenschaftlich mache, antwortete Gottschalk: "Der ehemalige Bundespräsident Gustav Heinemann wurde mal gefragt, ob er Deutschland lieben würde. Er antwortete: 'Ich liebe meine Frau' – So ungefähr verhält sich das bei mir mit der Leidenschaft."
Hochschule ist Urlaub
Jedoch gibt es Dinge, die Gottschalk seit Jahren mit Begeisterung ausübt. Ein Beispiel ist die Lehrtätigkeit an der Hochschule Mittweida. Alle zwei Wochen lässt er sich beurlauben und nimmt rund 700 Kilometer Zugfahrt aus seiner Wahlheimat Straßburg auf sich, um den Studenten an der Hochschule einen Tag lang Grundkenntnisse im Bereich Film und Fernsehen zu vermitteln. Dazu zählen unter anderem das Storytelling, also das Erzählen von Geschichten, oder die Entwicklung neuer Fernsehkonzepte bzw. -formate. Gottschalk schätzt die Arbeit mit Studenten besonders, weil er es genießt, in einem Umfeld voller junger, kreativer Köpfe zu sein. "Da bleibe ich nicht stehen", so Gottschalk. Zum Abschluss des Moduls Film und Fernsehen werden die Projekte der Studenten Profis der Fernsehproduktion vorgestellt.
"arte als 'challenge'"
Gottschalk ist ein Sprachkünstler. Wer bereits in einem seiner Seminare saß und sich Filme in Originalsprache, in Englisch oder Französisch anschauen musste, kann dies bezeugen. Besonders reizvoll für Gottschalk ist es, in eine fremdsprachige Kultur zu ziehen und den Alltag mit einer anderen Sprache bestehen zu müssen. Durch seine Arbeit bei arte konnte er diesesn Weg gehen. Als Chargé de Programmes, also Verantwortlicher für Programme im Bereich Dokumentation, füllt er das arte-Programm in der Prime-Time. Er muss mit High-Quality-Produktionen dafür sorgen, dass in der Zeit von 21 bis 23 Uhr die Quote stimmt. "Das ist ein jahrelanger Prozess, von der ersten Idee eines Regisseurs bis hin zum Projekt, den ersten Previews und letztlich der gelieferten und programmierten Produktion. Aber es macht Spaß", so Gottschalk über seine Arbeit. Leidenschaft eben. Aber so würde er es nicht bezeichnen.
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