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Dienstag, 5. Mai, Alter: 3 Jahre » Zurück

Von: Ellen Schaller

Medientreffpunkt: Jugendschutz im Internet

Analysieren oder sperren?

"Jugendschutz im Internet – Eine Herausforderung für Sicherheitssysteme", war ein Thema beim Medientreffpunkt Mitteldeutschland. Eine Diskussion ohne Lösung – dafür ein bisher einmaliges Treffen von Fachleuten mit verschiedenen Ideen, den Jugendschutz im Internet zu verbessern.

Prof. Dr. Hartmut Warkus,Tobias Berlin und Prof. Dr. Gerhard Heyer

Prof. Dr. Hartmut Warkus, Tobias Berlin und Prof. Dr. Gerhard Heyer (Foto: Martin Glass)

Auf die Frage, warum der Jugendschutz im Internet nicht genauso gehandhabt wird wie bei "Kinderpornografie" mittels deutscher Sperrlisten, sind sich die Referenten größtenteils einig. Sabine Frank, Geschäftsführerin der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Dienst, steht dieser Überlegung sehr skeptisch gegenüber. "Die Internetsperren sollten nur Ultima-Ratio-Maßnahmen sein." So ein System verselbständige sich schneller als man schauen könne. Daher genieße sie solche Maßnahmen mit größter Vorsicht. Friedemann Schindler, Leiter von jugendschutz.net, ist ebenfalls dafür, nur bei absolut unzulässigen Inhalten Sperrungen vorzunehmen. Außerdem fände er es gut, wenn es beispielsweise an DSL-Geräten voreingestellte Kinder- und Jugendschutz-Filter gäbe.

Dies sieht Tobias Berlin, Projektmanager von Bigpoint, anders: "Auf dieser Grundlage würden sich Eltern und Lehrer nur noch mehr von Medienkompetenz entfernen." Sabine Frank schließt sich dem an, betont aber auch, dass es derzeit "unendlich viele Organisationen gibt, die sich mit der Schulung von Medienkompetenz befassen", aber durch den Föderalismus seien diese zersplittert und nirgends in Deutschland zentralisiert. Prof. Hartmut Warkus von der Universität Leipzig berichtet aus seiner Arbeit beim Verein Medienpädagogik e.V. Leipzig, dass es zwar viele Broschüren zu diesem Thema gibt, aber wenige sie tatsächlich wahrnehmen und verstehen.

Online-Spiele bestehen aus verschiedenen Bereichen

Tobias Berlin weist außerdem darauf hin, dass sich Online-Spiele auf mehrere Bereiche verteilen und es daher jeweils verschiedene Konzepte geben muss, um Jugendschutz gewährleisten zu können. So gibt es die inhaltliche Geschichte eines Spiels, verschiedene Internetplattformen für Chat, Community und Traffic. Hinzu kommt, dass Gamer oftmals wie im Online-Spiel World of Warcraft pro Clan Foren außerhalb des Spiels im Internet verbreiten, worauf die Spielentwickler- und Herausgeber gar nicht achten können und Inhalte kontrollieren können.

Neues Verfahren analysiert Textdaten

Einen Lichtblick bringt Professor Gerhard Heyer der Universität Leipzig in die Diskussion: Text Mining. "Die Hauptdaten, die sich im Internet befinden, sind Texte." Aus dieser Überlegung heraus hat er mit Kollegen ein Verfahren entwickelt, welches aus Texten Worthäufigkeiten filtert und den Kontext von Wörtern ableitet. Damit können Websites klassifiziert, Nutzerprofile, Trendanalysen und Social Networks analysiert werden. So stellt sich heraus, um welche Internetseite es sich handelt oder wer in einem Social Network die meist angesprochene Person ist und anhand der Nutzerprofilanalyse, was für ein Mensch hinter dem Profil steckt. Dass dieses Verfahren aber auch Probleme birgt, verschweigt Heyer nicht.  "Es ist ein statistisches Verfahren – und Statistik ist nie perfekt, wie jeder Mensch auch."

Trotzallem sind alle Anwesenden dem Verfahren sehr aufgeschlossen gegenüber. Schindler wünscht sich für die Zukunft eine Altersklassifizierung nach Inhalten wie Chats, Suchmaschinen und Social Networks. Dies wäre mit dem statistischen Wortanalyse-Verfahren Professor Heyers denkbar.



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