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Montag, 11. Mai, Alter: 3 Jahre » Zurück

Von: Oliver Schleicher

Wochenzeitungen überraschen mit steigender Auflage

Der Trend zum Hintergrund

Auch die neueste Auflagenstatistik der IVW zeigt deutlich auf, dass es den Tageszeitungen schlecht geht. Doch es gibt auch Gewinner: die wöchentlich erscheinenden Zeitungen. Liegt es an ihren tiefergehenden Inhalten?

Trotzt der Krise: Die Zeit (Quelle: wikipedia.de / Foto: Manfred Sauke)

Trotzt der Krise: Die Zeit (Quelle: wikipedia.de / Foto: Manfred Sauke)

Wochen- und Sonntagszeitungen wie "Die Zeit" und die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" trotzen der momentanen Krise im Printmarkt. Während gerade die regionalen Tageszeitungen mit schwindenden Verkäufen zu kämpfen haben, überraschen die Dickschiffe mit einem Aufschwung. "Die Zeit" erreichte nun im ersten Quartal 2009 die höchste verkaufte Auflage seit 18 Jahren. 505 765 Exemplare konnten die Hamburger absetzen.

Von solchen Zahlen können die Verleger von Regionalzeitungen nur träumen. Überall sinken die verkauften Auflagen, die der "B.Z." aus Berlin beispielsweise im ersten Quartal 2009 im Vergleich zum Vorjahr um 5,1 Prozent. Nur wenige Regionalzeitungen konnten diesem Trend entgegen wirken. "Der Tagesspiegel" und die "s:hz" aus Schleswig-Holstein verbuchen einen leichten Anstieg der verkauften Auflage.

Zu wenig Hintergrund und fehlende Aktualität

Es gibt sicherlich viele Gründe, warum es dem einen gut und den anderen schlecht geht. Einer könnte aber in der Struktur der verschiedenen Printerzeugnisse liegen. "Die Zeit" beispielsweise ist bekannt für ihren großen Umfang und die damit verbundenen langen Hintergrundberichte, Interviews und Kommentare. Das ist auch der Unterschied zu den Tageszeitungen, die meist nur als eine Art "Nachrichtenverkünder" fungieren. Tiefgehende Hintergrundberichte sucht der Leser gerade in den Lokal- und Regionalzeitungen meist vergebens. Die persönliche Meinung der Redakteure in Form von Kommentaren wird auch weiter reduziert.

An sich ist das nicht weiter problematisch, wenn es nicht das Internet gäbe, das immer mehr Menschen als Nachrichtenquelle Nummer Eins nutzen. Auf diversen Nachrichtenportalen kann man bereits am Vorabend schon die Neuigkeiten lesen, die es erst am nächsten Tag in die Zeitungen schaffen. Paradebeispiel ist hier die BILD-Zeitung mit ihrem Online-Ableger bild.de. Wer am Vortag die neuen Sensationsmeldungen auf bild.de liest, kann sich sicher sein, dass man die gleiche Story am nächsten Morgen auch in der gedruckten Ausgabe lesen kann. Oftmals sogar mit dem gleichen Titelbild sowie unverändert übernommenen Textpassagen. Aber warum dann noch eine Tageszeitung lesen?

Die Tageszeitung muss sich verändern

Das denken sich anscheinend viele Leser. Sie wenden sich von den Tageszeitungen ab und greifen vermehrt zu den dicken Wochen- und Sonntagszeitungen, die ihnen das geben, was das Internet nicht abdeckt. Nämlich Hintergrund. Während Spiegel-Online und Co. zwar in Sachen reiner Nachrichtenverbreitung schon längst die Nase vorne haben, mangelt es doch oftmals an ausführlichen, ausgeruhten und weiterführenden Artikeln.

Dieses Spektrum wird hingegen von der "Zeit" und anderen wöchentlich erscheinenden Zeitungen oder auch  Publikumszeitschriften wie dem "Spiegel" abgedeckt. Auch wenige überregionale Tageszeitungen schlagen in diese Kerbe. Beispielsweise die "Süddeutsche Zeitung", die gegenüber dem Vorjahr ihre Abonnentenzahl von rund 310 000 Kunden konstant halten konnte. Hintergrund scheint beim Leser anzukommen und könnte für die Tageszeitungen ein Mittel für den Weg aus der Krise sein. Der Medienexperte Mario Garcia dazu im "Wirtschaftsjournalist": "Die Erstinformation erreicht die Leser via Mail und Internet", die Zeitung müsse die Storys dann "weiterdrehen".



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