Von: Anja Zeutschel
Interview mit Anne Schulz
Die Medienlandschaft ist nicht vom Aussterben bedroht!
Anne Schulz war vor kurzem als Referentin auf den Bayrischen Jugendmedientagen in München an der Diskussion um "Medienberufe mit Zukunft" beteiligt. Sie ist Redakteurin und Ansprechpartnerin bei "aim" (KoordinationsCentrum Ausbildung in Medienberufen). www.aim-mia.de ist ein Beratungsportal für Aus- und Weiterbildungen im Medienbereich.
medien-mittweida.de sprach mit Anne Schulz über aim, ihre persönlichen Ziele bei aim und die Zukunft der Medien.
Welche persönlichen Ziele wollen Sie durch Ihre Tätigkeit bei aim erreichen?
Mir liegt sehr am Herzen, dass Berufssuchende gute Informationen finden. Berufsorientierung ist schwieriger denn je in Zeiten hoher Erwerbslosigkeit. Sehr viele neue Berufsbilder sind entstanden und Berufstätigkeiten wandeln sich. Darum muss man sich von Anfang an informieren. Und dazu wollen wir einen Beitrag leisten.
Wie hat sich die Nachfrage nach „aim“ in den letzten Jahren entwickelt?
In unserer Wahrnehmung hat sie sich neben der wachsenden Zahl von Fragen vor allem qualitativ entwickelt. Das heißt, die Fragen werden komplexer. Die jungen Menschen sind besser informiert, wenn sie zu uns kommen. Vor 10 Jahren waren das eher so Basics. Sie kamen und fragten „Was kann ich machen?“. Heute stellen die Leute tiefergehende Fragen. Und trotz unserem Schwerpunkt Nordrhein-Westfalen bekommen wir sehr oft bundesweite Nachfragen. Das liegt wohl daran, dass es in Deutschland vergleichbare Einrichtungen mit so einem starken Beratungsschwerpunkt nicht gibt.
Und worauf führen Sie diese qualitative Entwicklung zurück?
Sie hängt zusammen mit der Zunahme der Ausbildungsberufe und Studiengänge, aber auch mit der Professionalisierung der Berufsorientierung. Wesentlich mehr Informationsangebote sind vorhanden.
Und durch die Einführung der Studiengebühren sind die Studieninteressierten gezwungen, sich umfassender zu informieren, da sich eine falsche Studienwahl immer stärker finanziell niederschlägt.
Wie bleibt aim bei der rasenden Entwicklung der Medien überhaupt aktuell?
Wir haben innerhalb der 10 Jahre ein Netzwerk aufgebaut, einerseits von Expertinnen und Experten aus dem Bildungsbereich, andererseits von Unternehmen, die wir natürlich immer befragen können. Dort führen wir Interviews mit Personalentscheidern oder Leuten aus der betrieblichen Praxis: „ Welche Leute braucht ihr? Wie sollte Euer Nachwuchs ausgebildet sein?“ Dieses Wissen können wir dann mit denen teilen, die wir beraten.
Welchem Anspruch müssen junge Medienmachende in Zukunft gerecht werden?
Es hängt davon ab, in welchem Bereich man tätig ist. Eine Sache, die man vielleicht generell sagen kann: Es wird außerordentlich wichtig, den Markt und die zukünftigen Tendenzen zu beobachten. Wenn man im Medienbereich arbeiten will, muss man sich damit auseinandersetzen, wie die Medien in fünf oder zehn Jahren aussehen.
Obwohl es kein Patentrezept gibt, was können Sie dennoch jungen Medienmachenden mit auf den Weg geben?
Ich empfehle eine kluge Wahl der Erstqualifizierung, d.h. des Studiums, der Berufsausbildung. Außerdem ist es sehr wichtig schon frühzeitig in die Praxis einzusteigen, z.B. in Projekte wie im Hochschulradio, bei einer Hochschulzeitung oder -website. Empfehlenswert ist selbstverständlich außerdem, einmal in Medienbetrieben mitgearbeitet zu haben.
Welche Anforderungen müssen Studiengänge im Medienbereich erfüllen, um zukunftsfähige und qualifizierte Absolventen hervorzubringen?
Das ist natürlich wieder so allgemein nicht zu sagen. Wir haben allein in NRW 80 verschiedene medienspezifische Studiengänge.
Ich denke, dass in jedem Studienfach einzeln geschaut werden muss: Was lernen bei uns die Studierenden, auf welche Berufsfelder wollen wir sie vorbereiten, und welche theoretischen Kenntnisse und fachlichen Kompetenzen müssen sie für das jeweilige Berufsfeld mitbringen?
Eine Hochschule sollte Kontakte zur betrieblichen Praxis unterhalten. Aber sie braucht dennoch den Blick darüber hinaus. Das setzt natürlich auch engagierte Professorinnen und Professorenen voraus, die mit dem Blick auf heute und auf morgen handeln.
Gibt es Medienberufe, die gar keine Zukunft mehr haben?
Nein, das denke ich nicht. Es wird weiterhin eine hohe Mediennutzung geben. Sie steigt sogar. Es wird also auch zukünftig Leute geben, die diese Medien herstellen.
Aber die Mediennutzung verlagert sich. Tageszeitungen müssen perspektivisch mit einem gewandelten Nutzerverhalten klarkommen. Sie stellen schon jetzt auf Onlineangebote um. Die Beschäftigten müssen sich mit dem Wandel auseinandersetzen.
Aber das heißt nicht, wie immer behauptet wird: Die Zeitungen wird es nicht mehr geben, die Bücher sind tot. Das, so glaube ich, wird nie eintreten.
Beispielsweise solche Entwicklungen wie ebooks. Es hat sich als nicht realitätstüchtig herausgestellt. BücherliebhaberInnen wollen weiterhin ein Buch in der Hand haben und nicht so eine kleine Rechenmaschine.
Es wird sich viel verändern. Aber die Medienlandschaft insgesamt ist nicht „vom Aussterben bedroht“.
Stichwort "Globalisierung": Auf der Website von aim steht "aim blickt über die Grenzen". Was bedeutet das?
Wir beteiligen uns an europäischen Projekten. So gab es zum Beispiel ein Projekt, bei dem Auszubildende, die in der hiesigen Fernsehproduktion beschäftigt sind, in Italien erleben konnten, wie Fernsehen produziert wird.
Und wir beteiligen uns an europäischen Projekten, bei denen es um die Zukunft der Berufsberatung geht. Wir machen uns mit Partnern aus verschiedenen europäischen Medienstandorten Gedanken, wie man die neuen Anforderungen umsetzen kann.
Vielen Dank für das Gespräch!
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