Von: Helen Kaiser
Ein Interview mit Torsten Liebig über seine Studienzeit in Mittweida und seinen Beruf als Webdesigner
"Wissen hat erst dann Relevanz, wenn man es anwendet"
Torsten Liebig studierte von 2000 bis 2006 Medienmanagement an der Hochschule Mittweida. Heute arbeitet er als Webdesigner und -developer. Medien-Mittweida.de sprach mit ihm über seine Studienzeit, die damit verbundenen Erfahrungen und über seine derzeitige Tätigkeit.
Über Ihr Studium haben sie gesagt: "Retrospektiv muss ich sagen, dass mir Mittweida sehr gut gefallen hat und mich auch für das Arbeitsleben recht gut vorbereitet hat - besser als reine Universitätsstudiengänge, bei denen es meines Erachtens an dringend notwendiger Praxis mangelt." Haben Sie sich deshalb für ein Studium in Mittweida entschieden?
Um ehrlich zu sein: Ein Studium in Mittweida war damals recht naheliegend. Ich hatte in einem Austauschjahr in den USA erste journalistische Erfahrungen mit der dortigen Schülerzeitung gemacht. Noch während der Abiturzeit habe ich in der AG Internet unseres Gymnasiums meine kreativ-gestalterische Seite entdeckt. Damit war es dann klar, dass ich "was mit Medien" studieren wollte. Ich komme ursprünglich aus Rochlitz, also war Mittweida für mich auch geographisch das Naheliegendste. Die Studienangebote der Hochschule klangen gut, so dass ich mich nur noch zwischen Medienmanagement und -technik entscheiden musste. Die Wahl für Medienmanagement fiel mir dann recht leicht, da mir die technische Richtung zu problemlösungsorientiert und damit zu wenig kreativ fordernd erschien. So begann ich im Jahr 2000 mein Studium. Diese Entscheidung habe ich bis heute nicht bereut.
Wie verlief Ihr Studium in Mittweida? Welche Erfahrungen haben Sie gesammelt?
Uns Diplom-Medienmanagern stand im fünften Semester noch das gesamte Semester für das Praktikum zur Verfügung. Ein Glücksfall, weil ich durch die Praktika gelernt habe, wofür ich studiere. Bis zum Praktikumssemester war für mich das Studium eher wie Schule: hingehen, interessant finden, Prüfungen schreiben, fertig. Welchen Wert das Wissen hat, das man gelehrt bekommt, habe ich erst im Praktikum gelernt: Ich war gefordert, Entscheidungen zu treffen und eigene Sachen auf die Beine zu stellen. Durch diese Herausforderungen ist all das Wissen erst relevant für mich geworden: Auf einmal habe ich nicht mehr für Prüfungen gelernt, sondern um besser Entscheidungen treffen und gute Arbeit abliefern zu können, die auch Kritik problemlos standhält. Wissen hat erst dann Relevanz, wenn man es anwendet. Das muss ich Mittweida auch zu Gute halten: Man ist immer wieder gefordert, das Wissen in Projekten anzuwenden. Als Belegarbeit mussten wir ein Mal eine Multimedia-CD für die Schmiedeinnung in Chemnitz produzieren. Damit macht man die Arbeit auf einmal nicht mehr für die Professoren, die eine Note abgeben, sondern für eine Organisation, die mit einer öffentlichkeitswirksamen Präsentation ihre Kunden erreichen will. Wenn man seine Arbeit dann auf einmal gegenüber der Innung anstatt gegenüber dem Professor verantworten muss, ist das herausfordernder. Dafür ist das Erfolgserlebnis umso größer, wenn man als Folgeauftrag gleich noch die Innungswebseite relaunchen darf, weil die Belegarbeit so gut war. Durch den Praxisbezug bekommt man immer die Möglichkeit, sich zu verwirklichen.
Wie ging es nach Ihrem Studium weiter?
Seit 2005, also schon vor meinem Diplomabschluss, bin ich freiberuflich tätig und arbeite projektbezogen unter anderem für die Chemnitzer Werbeagentur zebra, die viele ostdeutsche Großkunden betreut. Zebra kommt immer gern auf mich zurück, wenn es um Onlinethemen und -konzepte geht. Ansonsten arbeite ich für andere Agenturen oder Kunden, die sich im Internet öffentlichkeitswirksam präsentieren wollen. Durch das Studium kann ich marketingorientierte Onlinekonzepte entwickeln, und durch meine praktische Projekterfahrung diese auch selber umsetzen. Die praktischen Erfahrungen helfen mir dabei, mich vergleichsweise gut zu verkaufen: Als Studienabgänger haftet einem oft der Eindruck an, dass man zwar viel weiß, aber vom Arbeiten noch nichts weiß. Durch meine Referenzprojekte kann ich zeigen, dass ich schon Erfahrungen gesammelt habe und demzufolge auch Verantwortung übernehmen kann. Ich mag vor allem das eigenverantwortliche Arbeiten als Freiberufler - auch wenn das heißt, niemandem mehr fragen zu können, ob man etwas richtig oder falsch gemacht hat.
Welche Ziele möchten Sie in Zukunft erreichen?
Ich möchte gern für mehr Kunden nachweisbar sinnvolle und nützliche Webseiten beziehungsweise Onlineanwendungen konzipieren und erstellen. Der Grundstein dafür ist gelegt, als nächste Herausforderung sehe ich erst einmal größere Projekte mit mehr Beteiligten. Die globale Vernetzung von Information und Kommunikation im Internet hat meines Erachtens Potential, die Zivilisation ein gutes Stück voranzubringen - so wie der Buchdruck massive gesellschaftliche Veränderungen herbeigeführt hat. Diesen Prozess möchte ich gern ein Stück mitgestalten.
Gibt es etwas, das Sie jetzigen Medienstudenten mit auf den Weg geben möchten?
Ja, definitiv. Sie sollen machen. Einfach loslegen, die Angst vor der eigenen Angst überwinden. Ich habe mich nach dem Studium eigentlich nur über eins geärgert: dass ich erst nach dem Praktikum Verantwortung übernommen und Projekte selber auf die Beine gestellt habe. Ich glaube, viele Leute haben Angst vor Projekten, weil sie keine Erfahrungen haben. Aber wer hat die schon, wenn er beispielsweise direkt von der Schule kommt. Wenn man etwas werden will, muss man einfach irgendwann loslegen. Es hilft nichts, sich hinter seinem Erfahrungsmangel zu verstecken, weil man damit eben keine Erfahrungen sammelt. Die Leute, die wir bewundern, sind die, die uns mit ihren Erfahrungen schon längst voraus sind. In Mittweida hat man durch den Praxisbezug die Chance, Erfahrungen in Projekten zu sammeln. Das Schöne dabei ist, dass an studentische Projekte einfach nicht so hohe Erwartungen wie an professionelle Arbeit gestellt werden. Meine filmischen Arbeiten aus Mittweida zum Beispiel würde ich auch keinem Chef vorstellen - aber gelernt habe ich auch mit diesen trotzdem viel.
Wir danken Torsten Liebig für das interessante Gespräch.
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- Links:
Sie sollten den Versuch unternehmen sich über die Struktur unserer Hochschule zu informieren bevor Sie veröffentlichen !!! Ich empfehle Ihnen die die Webseite http://www.htwm.de/hsm/
"Heute existieren an der Hochschule sechs (6)Fachbereiche: Maschinenbau/Feinwerktechnik (1), Medien(2), Mathematik/Physik/Informatik(3), Wirtschaftswissenschaften(4) und Soziale Arbeit(5). " ????






Liebe Redaktion,
der ursprüngliche Hinweis von Prof. Pahlbusch ist im Text berücksichtigt. Sein Kommentar kann/sollte nun ebenfalls (wie auch dieser Hinweis) verschwinden.
Grundsätzlich: medien-mittweida bietet eine hervorragende Berichterstattung zum Jubiläum!
Vielen Dank und beste Grüße aus der Medienvilla
Ludwig Hilmer