Von: Thomas Kestawitz
Uni Münster untersucht Verhältnis von Weblogs und Journalismus
Web 2.0 im Fokus der Wissenschaft
Seit neue Formate es Nutzern ermöglichen, Inhalte unkompliziert im Internet veröffentlichen zu können, ist eine Diskussion entbrannt. Es stellt sich die Frage nach der journalistischen Qualität dieser Inhalte. Wissenschaftler der Universität Münster versuchen jetzt darauf eine Antwort zu geben.
Mit der Verbreitung schneller Internetverbindungen nach der Jahrtausendwende ging auch die Entstehung einer Reihe neuer interaktiver Techniken und Dienste im Netz einher. Damit verbunden etablierte sich eine geänderte Nutzerwahrnehmung des Internets. Konsumenten wurden zunehmend auch Produzenten von Inhalten. Neben Texten werden nun immer öfter auch Fotos, Videos oder Audio-Formate in sogenannten Vlogs und Podcasts veröffentlicht. Der Computerbuch-Verleger und Internet-Pionier, Tim O'Reilly, gab diesem Phänomen eine Namen: "Web 2.0" ist das Schlagwort der Branche und beschreibt eine "neue Phase des Internets", so O'Reilly. Eine Art Bürgerjournalismus hat sich entwickelt und eine intensive Debatte über das Verhältnis von Weblogs und Journalismus ist in Gang gekommen. Konkurrieren sie sich, oder ergänzen und integrieren sie sich?
Weblogs werden zunehmend relevanter
Dieser Frage ist das Institut für Kommunikationsforschung der Wilhelms-Universität Münster auf den Grund gegangen. Ausgewertet wurden die Ergebnisse verschiedener empirischer Untersuchungen, die eine wissenschaftlichen Einblick in das Verhältnis von Weblogs zum professionellen Journalismus erlauben. Dass Weblogs zunehmend an Relevanz gewinnen, zeigen die Zahlen der weltgrößten Blog-Suchmaschine "Technorati". Sie erfasste im Oktober 2006 rund 57 Millionen Weblogs. Man geht davon aus, dass sich die Anzahl bereits aller fünf bis sieben Monate verdoppelt. Aber aufgrund der großen thematischen Bandbreite von Weblogs, stehen nur thematisch spezialisierte Websites zur Debatte. Diese spezifischen Blogs machen nur einen kleinen Teil der so genannten Blog-Sphäre, also der Gesamtheit aller Weblogs, aus. Etwa ein Drittel der befragten Blogger bevorzugt über das eigene Leben und persönliche Erfahrungen zu berichten, also in Form eines Tagesbuchs.
Es konnte gezeigt werden, dass thematisch spezialisierte Weblogs keine Konkurrenz zum traditionellen Journalismus darstellen. Obwohl bei verschiedenen Befragungen etwa zwei Fünftel der Blogger angaben, über journalistische Berufserfahrung zu verfügen, wollen nur ein Drittel der Autoren dieser Blogs ein Massenpublikum erreichen. Bei der Redaktionsleiterbefragung 2006 schlossen 95 Prozent der Befragten aus, dass Weblogs den klassischen Journalismus verdrängen werden.
Die Blog-Suchmaschine "Technokrati" verzeichnete bei herausragenden Nachrichten-Ereignissen auch einen Anstieg der Blog-Beiträge pro Tag. Weblogs reagieren also eher auf Massenmedien als umgekehrt. Ihre Fähigkeit zur Skandalisierung und Aufdeckung von Misständen ist daher nur gering. Als Fazit der Studie lässt sich eine eher komplementäres Verhältnis von Weblogs und Journalismus formulieren, da Blogger sich mit der professionellen Organisation einer Redaktion nur schwer messen können. Eine kontinuierliche, thematisch vielfältige und aktuelle Berichterstattung wird also weiterhin vorwiegend von Berufsjournalisten gestaltet werden.
Mittweida goes Web 2.0
Trotz der Tatsache, dass Deutschland unter den zehn untersuchten europäischen Länder das Schlusslicht bei der Weblog-Nutzung bildet, gibt es zahlreiche Mittweidaer Medienstudenten, die sich in diesen Formaten engagieren. Unabhängig von diversen Hochschulprojekten unterhalten sie derartige publizistischen Websites.
Ein Projekt dieser Art ist "denQer - das Mediennetzwerk" des Mittweidaer Vereins Bewegte Bilder. "denQuer" ist eine Plattform für den Mediennachwuchs Deutschlands. Es wird über Trends und News aus den Medien berichtet und audio-visuelle Nachwuchsprojekte vorgestellt. Zusätzlich wird der Nutzer mit einem Podcast über die Medienbranche und neue Mediennachwuchs-Projekte informiert. Das Team besteht aus Medienschaffenden verschiedenster Medienbranchen, wie Grafikern und Webdesignern, und Medienstudenten der Hochschule Mittweida. Mit sieben festen und vier freien Redakteuren hat dieser Weblog am ehesten den organisatorischen Aufbau eines journalistischen Mediums. Somit zeugen auch die Inhalte von redaktioneller Qualität.
Ein sehr provokant anmutender Weblog, namens "medienschlampen.com", wird von Medienstudenten des Jahrgangs 2005 betrieben. Man möchte über aktuelle Geschehnisse und Klatsch rund um das Studium fernab von offiziellen Hochschulmedien berichten. Dies garantiert eine gewisse Freiheit der Meinung, aber noch lange keine Ausgewogenheit und Vollständigkeit. Wer klassischen und objektiven Journalismus erwartet, ist hier definitiv an der falschen Adresse, was auch die Macher ausdrücklich betonen. Der Unterhaltungs- und Informationswert ist deshalb jedoch nicht zu unterschätzen.
Im Gegensatz zu diesen Kollektivformaten ist Alexander Hausmann alleiniger Betreiber seines "Farbkleckse-Blog". Ebenfalls Medienstudent in Mittweida veröffentlicht er Artikel zum Thema Medienproduktion im Bereich Desktop-Publishing. Mit Links auf Online-Werkzeuge, Tutorials oder einfach nur gut gestaltete Websites zeigt er, was es für Möglichkeiten gibt. Auch über Entwicklungen und Tendenzen im Bereich von Design und Gestaltung hält er seine Leser auf dem Laufenden. Diese nicht immer journalistischen Ansprüchen genügenden Publikationen sind jedoch sehr informativ und bieten sowohl für Anfänger als auch Profis viel Wissenswertes.
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Alt. Sehr alt. Das Thema is sowas von längst überall durchgekaut. "Weblogs werden zunehmend relevanter." Wow. Erzähl mir was neues. Eine Menge Studien haben schon festgestellt, dass die meisten Blogs Tagebücher sind. Und diese, die hier angeführt wird, geistert schon seit mindestens dem 12.3. (!) (http://www.medienrauschen.de/archiv/2007/03/12/kurz-knapp-452007/) durch die Bloggerwelt. Für ein aktuelles Internetmedium ein Armutszeugnis, finde ich.
Die Diskussion, ob Blogger nun Journalisten verdrängen, ist zwar längst müßig, aber wenn die Frage schon aufgeworfen wird, sollte sie wenigstens auch wirklich erörtert werden, nicht nur mit irgendwelchen für sich allein diffus wackeligen Befragungszahlen. Dazu hätte man nicht mal seinen eigenen kopf anstrengen müssen. Denn in der angeführten Studie steht ne ganze Menge mehr Zeug dazu, sogar interessantes.
Zum Schluss: Erst richtig zu sagen, die meisten Blogs seien privat und tagebuchartig und dann als Beispiele für Blogs aus Mittweida ausnahmslos Themenblogs oder eben "Kollektivformate" anzuführen, ist dramturgisch wenig sinnvoll und logisch nicht ganz nachvollziehbar.