Von: Susann Riedel
"Das Ohr ist der Gewinner"
Trendmedium Hörbuch
Die Renaissance des Hörbuchs hält weiterhin an. Doch es gibt Probleme: Der Markt wird mit minderwertiger Qualität überschwemmt und die Herstellungsprozesse werden immer aufwendiger und teurer. So könnten sich laut Heike Völker-Sieber vom Hörverlag, circa 80 Prozent der Titel nicht selbst tragen.
Die Frage "Hörbuch und Hörspiel - Renaissance einer Kultur?" beschäftigte Experten der Hörbuchbranche am Dienstag in Leipzig beim Medientreffpunkt Mitteldeutschland. Sie verdeutlichten hierbei die problematische Entwicklung des Marktes, die trotz der eindeutig positiven Umsatzentwicklung auftritt. Die Hörbuchbranche kann auf ein erfolgreiches Jahr 2006 zurückblicken. Mit einem erwirtschafteten Umsatz von 150 Millionen Euro konnte ein Plus von rund 17 Prozent erreicht werden.
Der Nutzerkreis der 20 bis 40-Jährigen ist mit einem hohen Einkommen ausgestattet, sehr mobil und überdurchschnittlich qualifiziert. Qualität wird demnach groß geschrieben, doch verdrängen Billigprodukte immer mehr die aufwendigen Produktionen der Marktführer. "Man muss den Leuten erklären, warum das Hörbuch für 49,90 Euro hochwertiger ist als das Produkt für 5 Euro", so Heike Völker-Sieber. Dabei seien hauptsächlich die Preise für die Musikrechte sowie die Sprecherhonorare Ursache für die enormen Produktionskosten. Auch der Lizenzeinkauf von erfolgreichen Büchern ist sehr kostenintensiv. So erklärte Heike Völker-Sieber, dass "beim Vergabeverfahren der Rechte an Büchern mittlerweile aufwendig und teuer erstellte Presse-, Marketing- und Coverkonzepte vorgelegt werden müssen ".
Individuelle Mediennutzung
Grund für die weiterhin positive Ressonanz der Bürger ist nach Dr. Torsten Casimir, Chefredaktuer des Börsenblattes, "eine Auflehnung gegen den Dudelfunk". Und auch Michael Sagurna, langjähriger Medienbeauftragter des Freistaates Sachsen, beobachtet, dass das Radio zunehmend Hörer verliert, der Audiobereich aber hingegen gefragter ist als je zuvor. Zeitdruck und Mobilität zwinge die Menschen dazu mehrere Sachen gleichzeitig zu erledigen. So ist es von praktischem Nutzen, dass sich das Hörbuch überall und jederzeit konsumieren lässt. Dabei lauscht die Zielgruppe sowohl Sachhörbüchern, um den Wissenshunger zu stillen, als auch unterhaltsamen literarischen Werken. "Letztlich ist das Ohr der Gewinner", ergänzt Dr. Casimir.
Für die Zukunft sehen die Experten besonders den Vertrieb im Internet als ausbaufähig. "Der Downloadbereich im Internet hat noch sehr viel Potential, welches sich aber noch durchsetzen muss.", so Heike Völker-Sieber. Doch der digitale Lebensstil habe sich noch nicht etabliert. Gegenwärtig liegt der Downloadanteil von Hörbüchern bei rund 0,8 Prozent. Dabei sei eine Erhöhung auf 10 bis 25 Prozent durchaus realistisch. Begünstigt würde dies durch die mögliche Erweiterung der Zielgruppe der Internetnutzer. So seien diese im Durchschnitt 10 Jahre jünger als die Konsumenten der CD-Ausgaben.
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