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Donnerstag, 8. November, Alter: 3 Jahre » Zurück

Von: Maria Horschig

Studium im Ausland - Teil 3: Finnland

"Finnland ist für alle interessant, die etwas Außergewöhnliches erleben wollen"

In unserer Serie "Studium im Ausland" stellen wir heute Finnland vor. Du erfährst alles über finnische Partnerhochschulen, welche Fächer relevant für Medienstudenten sind, was du bei einem Studium an einer finnischen Hochschule beachten musst und wie Mittweidaer Studenten ihr Auslandssemester erlebt haben.

In deinem Koffer für das Studium in Finnland solltest du das Handtuch für die Sauna nicht vergessen. (Foto: Felix Birkner)

"Finnland ist für alle interessant, die etwas Außergewöhnliches erleben wollen", meint Heike Friedrich. Heike hat an der Business School in Tampere International Business studiert und erklärt, was für sie den Reiz des Landes im kalten Norden ausmacht: "An Finnland hat mich zum einen die Kultur und die Schönheit der Natur fasziniert und zum anderen die zurückhaltenden, ehrlichen und herzlichen Menschen, die einen ganz eigenen Charme haben."

Vorbildlicher Bildungsstandard und ausgezeichnetes Bildungssystem

Spätestens seit der Pisa-Studie ist bekannt, dass das Bildungssystem Finnlands eines der besten der Welt ist. Der Bildungsstand gilt zudem als einer der höchsten, was unter anderem an der Analphabetenrate von null Prozent und der hohen Lesebereitschaft ersichtlich wird. Der Frontalunterricht ist dort weniger verbreitet als in Deutschland. "In Finnland findet mehr Selbststudium statt und es gibt mehr Workshops. Außerdem gestalten die Lehrer ihren Unterricht spontaner", erklärt Robert Wierzbicki, Professor für Onlinemedien an der Hochschule. Er war als Gastprofessor mehrmals an der Art und Media School in Tampere. 

Was Du bei der Planung für dein Semester in Suomi (Finnland in Landessprache) unbedingt beachten solltest: Die Semesterzeiten unterscheiden sich von denen in Deutschland. Das Wintersemester beginnt bereits im August und endet im Dezember. Das Sommersemester geht von Januar bis Mai. Da man nicht später kommen kann "sollte man sich für Finnland auf das Wintersemester konzentrieren", empfiehlt Marion Dienerowitz, Studentenbetreuerin im Auslandsamt der Hochschule. Da das schon im Dezember endet, kann man alle Prüfungen in Mittweida mitschreiben.

Die Hochschule Mittweida hat Partnerhochschulen in Tampere, Joensuu, Turku, Kuopio, Varkaus, Jyväskylä und Vaasa. Relevant für Medienmanager sind an den Ammattikorkeakoulut (Fachhochschulen)  zum Beispiel Fächer wie International Business, Management oder Marketing in Jyväskylä, Turku, Varkaus, Joensuu und an der Business School in Tampere. Die Medientechniker finden passende Studiengänge wie Media Arts oder Elektrotechnik in Jyväskylä, Turku, Varkaus, Kuopio und an der School of Art and Media und der School of Engineering in Tampere. "Vaasa ist eine interessante Hochschule, aber hier ist der Partnervertrag noch nicht verlängert", informiert Marion Dienerowitz. Welche Fächer speziell ins Studium passen, findest ihr im persönlichen Gespräch mit Marion Dienerowitz heraus.

Study Guides und Tutoren für die Neuankömmlinge

Alle Hochschulen bieten den zukünftigen Austauschstudenten "Study Guides". Darin sind so gut wie alle Fragen beantwortet, von der Anreise über die Anmeldung bei den Behören vor Ort bis hin zu allen relevanten Telefonnummern. Darüber hinaus erhalten ausländische Studenten während der Zeit in Finnland einen persönlichen Betreuer als Ansprechpartner zur Seite, der zum Beispiel bei Behördengängen hilft. "Die Tutoren organisieren gemeinsam viel für die Austauschstudenten, zum Beispiel Ausflüge nach Stockholm und St. Petersburg oder Studentenpartys. Man fühlt sich nie alleingelassen", berichtet Heike. "Ich hatte eine sehr hilfsbereite Tutorin die alles notwendige für mich organisiert hat“, erinnert sich Achim Meyer, der in Joensuu International Business studiert hat.  Yvonne Oeser war an der Art and Media School in Tampere und hat Interactive Media studiert: "Wir hatten zwei finnische Tutoren für unsere ganze Klasse. Sie haben sich große Mühe gegeben, uns soviel wie möglich zu zeigen und uns den Aufenthalt so schön wie möglich zu gestalten."

Die Finnen sind eher zurückhaltend und schüchtern. "Man kommt mit finnischen Studenten in Kontakt, man muss es aber wollen", meint Achim.  Entscheide Faktoren sind zusätzlich, ob die Austauschstudenten eine eigene Klasse bilden oder ob ihr zusammen unterrichtet werdet. "Die Seminargruppen waren familiär klein und das Verhältnis von Finnen und Austauschstudenten ausgewogen. Es wurde viel in gemischten Gruppen an Projekten gearbeitet", berichtet Heike. Ganz unterschiedlich war es bei Yvonne: "Ich bin eher weniger mit den finnischen Studenten in Kontakt gekommen. Unsere Klasse bestand aus lauter Ausländern. Es kam dann eher zum Smalltalk mit den finnischen Studenten."

Die Lebenshaltungskosten in Finnland sind etwas höher als in Deutschland und betragen monatlich durchschnittlich rund 600 Euro (inklusive Miete) für einen Studenten.  Für die Miete müssen zirka 200 bis 300 Euro eingeplant werden, je nachdem wie luxuriös es sein soll, auch mehr. Alle Informationen, wo und wie du dich häuslich machen kannst, findet Du auf der jeweiligen Hochschulseite.

In Finnland geht es informeller zu

Mit Englisch kommt man in Finnland sehr gut durch den Alltag, wenn du Glück hast, spricht auch jemand Deutsch. Die Finnen wissen selber wie schwer ihre Sprache ist und freuen sich daher auf jeden Fall, wenn Ausländer versuchen Finnisch zu sprechen, auch wenn es noch so holprig klingt. In Finnland geht es etwas informeller als in Deutschland zu: So spricht man sich viel häufiger mit dem Vornamen an (auch die Lehrer!) und geht auch mal in Jogginhosen zur Arbeit. Im Studentenführer der Nordkarelischen Hochschule Joensuu heißt es: "Bei der der Kleidung ziehen wir meistens (wenn auch nicht immer) das Bequeme dem Schicken vor."

Auf die Frage, ob sie ein Auslandsstudium in Tampere empfehlen können, antworten beide Mädels mit einem klaren "Ja". Achim: "Von der Organisation und dem technischen Ablauf des Studiums her kann man Joensuu absolut empfehlen. Trotz 60 000 Einwohnern fühlt es sich aber sehr klein an und über das Studium hinaus kann man nicht wirklich viel machen." Heike jedenfalls ist seit ihrer Zeit "absoluter Finnland-Fan". Und selbst nach einem längeren Aufenthalt hat sich das Land für sie "etwas Geheimnisvolles" bewahrt, das Lust auf mehr macht.



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