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Montag, 12. November, Alter: 3 Jahre » Zurück

Von: Tobias Karth

Serie: Medien im Ausland - Teil 1

Spanische Journalisten erfinden Nachrichten

Unsere neue Serie befasst sich mit fragwürdigen Praktiken bei ausländischen Medien. Im ersten Teil befassen wir uns mit dem Nachrichtengeschäft in Spanien. Denn einer aktuellen Studie zufolge sind spanische Medien keineswegs unabhängig. Bei 83 Prozent der Nachrichten stammen die Informationen aus lediglich einer Quelle. Oft werden sogar falsche Berichte veröffentlicht.

spanische Zeitungen

Können die Leser spanischen Medien noch trauen? (Foto: Tobias Karth)

Die Studenten der Fachrichtung Kommunikationswissenschaften an der Universidad Camilo José Cela in Madrid untersuchten 270 Fernseh- und 300 Radionachrichten. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass pro Nachricht etwa 0,71 Quellen verwendet und keine weiteren gegenübergestellt werden. Oftmals, so heißt es, werden sogar falsche Informationen verwendet, teilweise mit subjektiven Wahrnehmungen verflochten und nicht nachrecherchiert. In 65 % der Fälle geben Journalisten sogar an, selbst Urheber der Nachricht zu sein. Weiterhin wird angegeben, dass lediglich 2 % der Nachrichten von Agenturen kommen. Informationen sind meist von interessierter Seite gesteuert, es handelt sich zum Beispiel um Angaben aus Pressemitteilungen und diese sind nicht selten politischer Natur.

Die Wahrheit schon mal verdrehen

Wie abhängig die Medien in Spanien sind hat die Vergangenheit häufig bewiesen. Die Nachrichten waren und sind stark von politischen Interessen beeinflusst. So ist es nicht unüblich, dass Journalisten Politik machen und dafür von Politikern begünstigt werden. Die Medien werden seit jeher als vierte Macht im Land bezeichnet. Ein beeindruckendes Beispiel für spanische Kommunikationspolitik ist die Tankerkatastrophe vor der Küste Nordspaniens im Jahr 2002. Der Öltanker "Prestige" war vor Galizien gesunken und Unmengen von Öl flossen ins Meer. Laut einer damaligen Aussage eines Journalisten der Regionalzeitung "La Voz de Galicia" war es erschreckend, wie systematisch Presse und Bevölkerungen mit Falschmeldungen durch die Regierung belogen wurden. Selbst als schon einige hundert Kilometer Küste mit Öl verseucht waren, erklärten Regional- und Zentralregierung es gäbe kein Problem und der Tanker wäre längst von der Küste weggeschleppt worden. Große Tageszeitungen wie "El País" oder "El Mundo" verließen sich auf diese falschen Informationen. Was zur Folge hatte, dass die lokale Zeitung "La Voz de Galicia" zum Verkaufsschlager in ganz Spanien wurde. Die Leser haben schnell gemerkt, dass man bei "La Voz de Galicia" fundierte Vor-Ort-Recherche betrieben hatte. Die "Großen" konnten mit dieser qualitätsvollen Art von Berichterstattung nicht mithalten. Leider hatte die differenzierte Darstellung der Zeitung monatelange Interview-Boykotts von Regierungsmitgliedern und das Ausbleiben von staatlichen Anzeigen zur Folge.

Ein weiteres Beispiel für die Verbandelung zwischen Medien und spanischer Politik sind die Attentate von Madrid am 11. März 2004. Hierbei starben rund 180 Menschen und fast 2 000 wurden verletzt. Nach den Anschlägen gab die Regierung sofort bekannt, die Untergrundorganisation ETA hätte diese Anschläge zu verantworten. Obwohl man wusste, dass Bekennerschreiben von islamistischen Terrorgruppen bereits vorlagen. So kam es dazu, dass unter anderem die Zeitungen "El País" und "El Periódico de Catalunya" direkt nach den Anschlägen vom damaligen amtierenden Regierungspräsidenten Aznar persönlich einen Anruf erhielten, indem er ihnen versicherte, dass die ETA der Täter sei. Ohne Nachrecherche erschien eine Vielzahl von Berichten und Sonderbeilagen. Ein Vergleich mit anderen Quellen erfolgte nicht. Diese Nachricht zog sich durch die gesamte Medienwelt. Eine Unverschämtheit, die viele Spanier an Praktiken während der Franco-Regierung erinnerte. So ist es nicht verwunderlich, dass unter Kritikern in Zusammenhang mit spanischen Medien der Begriff Franquismus häufig Verwendung findet. Am Ende war klar, die Ablenkung von den wahren Tätern war nur der Versuch die Beteiligung Spaniens am Irak Krieg auszublenden - drei Tage nach den Anschlägen waren im Land Regierungswahlen. Selbst nach der Aufdeckung der Lüge war der staatliche Rundfunksender Radio Televisión Española (RTVE) nicht bereit den Fehler einzugestehen und die ETA zu entlasten. Die damalige Regierung musste trotzdem Platz machen für eine Neue.



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