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Dienstag, 15. Januar, Alter: 3 Jahre » Zurück

Von: Claudia Bracholdt

Streit um die Rechtmäßigkeit der Präsidentschaftswahlen

Kein Frieden für Kenia

Die Bilder von blutigen Kämpfen in Kenia sorgten weltweit für Erschrecken. Das Land wird vor allem von den Auseinandersetzungen zwischen den Kikuyu und Luo, den Volksgruppen von Präsident Kibaki und Oppositionsführer Odinga, erschüttert. Die Opposition wirft der Regierung Wahlbetrug bei den Präsidentschaftswahlen vom 27. Dezember 2007 vor.

Kenianisches Kind

Vor allem Kinder leiden unter den Konflikten in Kenia. (Foto:pixelio.de)

Es sind Mwai Kibaki und Raila Odinga, die durch ihren aggressiven Wahlkampf und ihren Streit um die alleinige Macht die Gemüter der kenianischen Bevölkerung aufheizten. Kibaki, der seit 1963 im Parlament sitzt, gehört der größten Volksgruppe in Kenia an, den Kikuyu. Odinga wird von den Luo unterstützt, die in Kenia das drittgrößte Volk bilden. Nachdem Kibaki bei den Präsidentschaftswahlen als Sieger hervorging, herrschen ethnische Unruhen im ganzen Land. Der Regierung wird Wahlbetrug vorgeworfen. Feindbilder werden von der jeweils anderen Volksgruppe geschaffen, während der Westen über Vermittler Versöhnung fordert.

Wahlbeobachter bestätigen Manipulationsverdacht
 
Die verschiedenen Wahlbeobachter, darunter Alexander Graf Lambsdorff (FDP), die sowohl die Parlamentswahlen, als auch die Präsidentschaftswahlen beobachtet haben, bestätigten, dass es dabei offensichtlich nicht mit rechten Dingen zugegangen sein kann. Unter den Wahlbeobachtern war auch eine 150-köpfige Delegation der EU.

Das Oppositionsbündnis um Odinga, einem wohlhabenden Geschäftsmann, hatte nach der Parlamentswahl die Mehrheit der Mandate. Die Anhänger des Bündnisses stellen sich nun die Frage, wieso ihr Kandidat in der am selben Tag stattfindenden Präsidentschaftswahl scheiterte.

Demokratie im Vielvölkerstaat


Beobachter überlegen, ob man einem Land wie Kenia die westliche Demokratie, die selbst in Europa Jahrhunderte gebraucht hat um sich zu entwickeln, einfach überstülpen kann. Schon die Mentalität der Kenianer unterscheidet sich stark von der im Westen. Weit mehr als die Hälfte der kenianischen Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. Die Bindung zum eigenen Volk ist stark. Wichtiger ist höchstens noch der Zusammenhalt im Dorf. So wird aus dem eigenen Volk ein Vertreter gewählt. Dieser nutzt die  Loyalität oft aus. Er verspricht den Anhängern ein besseres Leben ohne Armut, nur um sich ihre Stimmen zu sichern.

Doch trotz verschiedenster Irrungen und Vorfälle galt Kenia für den Westen bisher als ein relativ stabiles und friedliches Land im Vergleich zu Staaten wie Somalia oder Sudan, in denen es immer wieder Unruhen und Aufstände gibt. Seit 1963 gibt es ein funktionierendes Mehrparteiensystem und auch demokratische Institutionen.

Folgen für Tourismus und Wirtschaft


Mit jedem Tag, der von Unruhen und Kämpfen bestimmt wird, verschlechtert sich die wirtschaftliche Lage in Kenia. Schon jetzt spricht man von der schwersten Krise seit 25 Jahren. Die Zwistigkeiten wirken sich aber nicht nur auf Kenia, sondern auf große Teile Ostafrikas aus. So kamen zum Beispiel Handel und Verkehr nicht nur in Kenia, sondern auch in den Nachbarländern fast ganz zum Erliegen.

Reiseveranstalter warnen vor einem Besuch in der Region. Betroffen sind vor allem die großen Städte Kenias wie Mombasa oder die Hauptstadt Nairobi. Die Küsten des Landes und die Tourismusgebiete seien nicht von den Unruhen betroffen. Viele Reiseveranstalter bieten kostenfreie Umbuchungen an. 

Zahlreiche Tote und Flüchtlinge


Nach den Wahlen in Kenia sind bisher etwa 500 Menschen getötet worden, mehr als 250 000 Menschen sind geflohen. Der Chef der Afrikanischen Union, John Kufuor, erklärte vor Journalisten, dass sich sowohl Regierung, als auch Opposition bereit erklärt hätten, mit einer Vermittlergruppe an einer Lösung zu arbeiten. Jegliche Gespräche scheiterten bisher. Währenddessen toben die Straßenkämpfe weiter.



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