Von: Josephine Döll


Hochschule Mittweida ehrt Walter Bruch
Ein Vermächtnis in Farbe
Walter Bruch wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden. Durch die Entwicklung des Farbfernsehsystems PAL zählt er noch heute, 18 Jahre nach seinem Tod, zu den herausragendsten Persönlichkeiten in der Medien- und Technikwelt. Mit einem Ehrenkolloquium begann gestern der Auftakt zum Walter-Bruch-Jahr.

Walter Bruch entwickelte 1959 das PAL-Farbfernsehsystem. (Foto: Ina Hampp, www.pixelio.de, Montage: Daniel Oestreich)
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Der Rektor der Hochschule Mittweida, Lothar Otto, eröffnete das Kolloquium zu Ehren von Walter Bruch. Anwesend waren zahlreiche Gäste, unter ihnen der Bürgermeister der Stadt Mittweida, Matthias Damm. In seinen einleitenden Worten hob Otto hervor, dass sich Bruch in Mittweida das Rüstzeug für sein späteres Leben als genialer Fernsehtechniker aneignete und stets von seinen Ideen überzeugt war.
Wer war Walter Bruch?
Walter Bruch wurde am 2. März 1908 in Neustadt an der Weinstraße geboren. 1928 nahm er das Studium der Elektrotechnik am Technikum in Mittweida auf. Im Jahr 1931 verließ er mit dem Prädikat "gut" das Technikum und arbeitete als Ingenieur. Schon während seines Studiums war Bruch ein engagierter und leidenschaftlicher Techniker. Seine Visionen und sein ungemeiner Umsetzungswille reizten ihn zu unermüdlicher Entwicklungs- und Forschungsarbeit. Bei den olympischen Spielen im Jahre 1936 in Berlin machte der Ingenieur erstmals auf sich aufmerksam. Mit einer von ihm mitentwickelten und bedienten Kamera war es erstmals möglich, Bilder live zu übertragen. Somit initiierte er mit seiner "Olympiakamera" die erste Freilicht-Live-Übertragung der Welt.
1959 entwickelte Walter Bruch das PAL-Farbfernsehsystem, auf dem bis heute modernste Fernsehtechnik basiert. Das PAL-Verfahren kam 25. August 1967 auf der Internationalen Funkausstellung erstmals zum Einsatz und wurde auf der ganzen Welt bekannt. Dafür reiste Bruch beispielsweise auch nach China, Brasilien und Argentinien. "Papa PAL", wie man ihn in dieser Zeit nannte, machte es möglich, dass heute in mehr als 60 Ländern sein Farbfernsehsystem eingesetzt wird. Für sein Lebenswerk erhielt er mehrfach Auszeichnungen, unter Anderem auch das Deutschen Verdienstkreuz. Im Alter von 82 Jahren starb Bruch am 5. Mai 1990 in Hannover.
Walter-Bruch-Jahr an der Hochschule Mittweida
Das Jahr 2008 steht ganz im Zeichen von Walter Bruch. Doch schon seit 1990 gedenkt man dem berühmten Absolventen an der Hochschule. Die erste Sonderausstellung zu Ehren Walter Bruchs wurde im März 1993 eröffnet. Seit Oktober 1994 befindet sich im Hauptgebäude der Hochschule eine Ehrentafel. Am 27. Mai 1995 wurde das Haus 3 in "Walter-Bruch-Bau" umbenannt. Von 2000-2002 gelang es der Hochschule große Teile seines privaten Nachlasses zu ausstellungszwecken zu übernehmen. Seitdem können zahlreiche Urkunden, Bilder, Bücher und Gegenstände seiner engagierten Bastlerarbeit besichtigt werden. Besonderer Stolz ist eine Nachahmung seiner Mittweidaer Studentenbude.
Das gestrige Ehrenkolloquium steht am Anfang des Gedenkjahres. Höhepunkt wird die Autobiografie Walter Bruchs "Eines Menschen Leben" sein, die am 15. Oktober dieses Jahres erscheinen soll. Auf 500 Seiten werden sowohl die Beziehung zwischen ihm, Mittweida und der Hochschule, als auch autobiografischen Daten aufgezeigt. Bruch hinterließ eine Reihe von zeitgeschichtlichen Dokumenten aus denen dieses Buch entstanden ist. Die Veröffentlichungsrechte seiner Lebenserinnerungen liegen bei der Hochschule Mittweida. Das Werk entstand in Zusammenarbeit der Arbeitsgruppe Hochschulgeschichte und dem Fachbereich Medien.
"Ein Leben in Farbe"
2004 arbeiteten Mittweidaer Medienstudenten an einem großen Projekt. Ziel war es ein Dokumentation zu verwirklichen, die Einblicke in die Fernsehgeschichte und das Leben Walter Bruchs gibt. Dazu standen den engagierten Studenten unveröffentlichtes Archivmaterial, das gesamte Privatarchiv der Familie Bruch, sowie ungesehene Tagebücher zur Verfügung. Durch die Befragung von Zeitzeugen, Familienangehörigen und Experten gelang es eine einstündige Dokumentation mit dem Namen "Walter Bruch – Ein Leben in Farbe" zu produzieren. Professor Peter Gottschalk und der Dekan Professor Hilmer standen den Studenten hilfreich bei und unterstützen die Realisierung des aufwändigen Vorhabens.
Walter Bruch wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden. "Er ist heute nicht nur ein Vorbild sondern auch ein Mann, der uns immer noch viel zu sagen hat", betonte Professor Domschke in seinen Ausführungen über das Erbe Bruchs.
Der Trailer zeigt Ausschnitte aus der TV-Dokumentation über das Leben von Walter Bruch. Unter den befragten Zeitzeugen sind unter anderem Peter Boenisch, ehemaliger Chefredakteur der Bild-Zeitung und Erfinder der Bravo sowie Pianist und Sänger Paul Kuhn. Weitere Ausschnitte sind auf der unten aufgeführten Website zu finden.
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