Zu Favoriten hinzufügen


Donnerstag, 2. Oktober, Alter: 1 Jahre » Zurück

Von: Felix Scherer

Über 500 Fanclubs gegen neue Spielzeiten

Fußballfans laufen Sturm

Die Deutsche Fußball-Bundesliga GmbH (DFL) stößt mit ihrer TV-Vermarktung der 1. und 2. Bundesliga auf Kritik. Um für Kunden wie Premiere attraktiver zu erscheinen, wird mit geänderten Anstoßzeiten experimentiert. Frühe Sonntagsspiele sorgen für Frust bei den Fans.

Hoffenheim beim Freundschaftsspiel gegen den 1. FCK

Medienliebling Hoffenheim bei einem Freundschaftsspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern (Foto: Felix Scherer)

Nachdem das Kartellamt den Vertrag zwischen dem Vermarkter Sirius und der DFL platzen ließ, will die DFL jetzt selbst die Vermarktung in die Hand nehmen. Um der Ausschreibung der TV-Rechte ab der Saison 2009/10 mehr Attraktivität zu verleihen, wird beispielsweise an den traditionellen Spielzeiten gerüttelt.

556 Fanclubs versammelten sich

Auf ihren Transparenten stehen Slogans wie "Kein Kick vor Zwei!" oder "Sonntags 12.30? Ohne Uns". Sie legen Schweigeminuten bei Montagsspielen ein und wenn sie ihre unangenehmen Sprechgesänge laut ertönen lassen, dann bekommen die Zuschauer vor dem Fernseher dank Mischpult nur wenig davon mit. Es ist die Rede von aufgebrachten Stadiongängern, denen die Vermarktungspläne der DFL sauer aufstoßen.

Bislang haben sich 556 Fanclubs aus beiden Ligen (Stand 02.10.08) unter dem gemeinsamen Motto "Kein Kick vor Zwei! - Fußball findet im Stadion statt" versammelt. Sie wollen dem Protest Bilder und Worte verleihen. So wird unter anderem eine stetig wachsende Foto-Sammlung von erfolgreichen Aktionen aus den Fanblöcken zahlreicher Stadien präsentiert.

16 000 Unterschriften kamen zusammen

Durch einen offenen Brief von St. Pauli-Fans, unterstützt durch eine Online-Petiton, kamen bislang 16 000 Unterschriften zusammen (Stand 02.10.08). In der Botschaft an die DFL, Rechteverwerter und TV-Programmverantwortlichen werden humanere Anstoßzeiten und mehr Planungssicherheit gefordert. Die Fanorganisationen Bündnis Aktiver Fußball-Fans (BAFF), Pro-Fans und Unsere Kurve (UK) wollen in den kommenden Spieltagen über 250 000 Postkarten verteilen. Der Adressat ist bereits vorgedruckt: die DFL in Frankfurt.

Philipp Markhardt von Pro-Fans: "Es ist der Startpunkt vieler bundesweiter Protestaktionen. Wir wollen den Verantwortlichen der DFL zeigen, dass für uns Fans die Schmerzgrenze überschritten ist." Mathias Radowski von BAFF: "Wenn in Frankfurt Tausende von Postkarten ankommen, auf denen Fans ihren Unmut äußern, beachten vielleicht auch die DFL und Vereine die Fans mehr. Denn es sind die Fans und deren Emotionen, die den Fußball für Sponsoren und die Medien überhaupt attraktiv machen."

Auch Stadiengänger sind Pay-TV Kunden

Überraschend kommt in diesem Zusammenhang auch die Äußerung von Premiere-Sportchef Carsten Schmidt bei Spiegel-Online: "Wir hätten mit der jetzigen Spieltagsgestaltung hervorragend leben können." Er sieht die Verantwortung bei der DFL und hätte sich lieber eine fanfreundlichere Lösung gewünscht. Die Vereine scheinen die Veränderungen hingegen weniger dramatisch zu sehen. Allenfalls leichte Kritik ist zu beobachten. Ansonsten wird die Reform häufig als eine Frage der Gewohnheit gesehen. Andere europäische Ligen sollen für das Funktionieren der Zeiten bürgen. Und: Sollte die DFL-Strategie tatsächlich für höhere Einnahmen sorgen, profitieren die Vereine unmittelbar davon.

Die DFL wiederum scheint die Sorgen und Nöte der Fans nur am Rande wahrzunehmen. Eine eigene Berichterstattung über das Geschehen ist auf der Website nicht auszumachen. Ob sich das kulturelle Ereignis Fußball jetzt tatsächlich wie von einigen befürchtet in Richtung Fernsehsessel verlagert, wird die Zeit zeigen. Natürlich sind die Fernsehgelder eine notwendige Einnahme für die Sportindustrie. Kommerz gehört seit jeher zum Geschäft. Trikot- und Bandenwerbung, Merchandising und das TV-Geld sorgen überhaupt erst für die Finanzierbarkeit der Turniere. Allerdings scheint die Kommunikation mit der Fangemeinschaft nicht ernst genommen worden zu sein. Diese stellen immerhin auch noch eine große Zahl an zahlungsfreudigen Kunden, die sich Live-Sendungen ebenfalls im Pay-TV ansehen.



» Zurück


Felder mit einem * sind Pflichtfelder und müssen ausgefüllt werden.

Rechtlicher Hinweis:

Ihr Beitrag wird erst nach einer Freischaltung angezeigt. Wir sind dazu verpflichtet, Beiträge von außerhalb auf rechtliche Verstöße hin zu überprüfen, bevor sie veröffentlicht werden. Wir bitten um Ihr Verständnis.


Keine Einträge

Keine Einträge im Gästebuch gefunden.

Footer