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Freitag, 7. November, Alter: 1 Jahre » Zurück

Von: Daniel Strunz

Schon gesehen? Let's make Money

Der Film zur Krise

Ein Film, der die Schieflage im Finanzsystem zu erklären versucht und zur richtigen Zeit erschienen ist. Der neue Dokumentarfilm von Erwin Wagenhofer redet nicht nur mit Betroffenen, sondern spricht auch mit den Bad Guys der Branche.

Reiche Deutsche im armen Indien

Deutsche Bank: Let's make MONEY Indien Chennai (Foto: Allegro Film)

"Die beste Zeit zu kaufen ist, wenn das Blut auf der Straße klebt. Ich füge hinzu: auch wenn es dein Eigenes ist". Dieses Zitat entstammt den Worten von Dr. Mark Mobius, dem Indiana Jones der Finanzindustrie. Er leitet den "Templeton Emerging Markets Fund" und kann wohl mit Recht als Heuschrecke bezeichnet werden. Von ihm als Interviewpartner begleitet, erfährt der Zuschauer, wie die ehemaligen Entwicklungsländer, heute lieber als "Emerging Market" bezeichnet, den Fonds der Welt immer größere Renditen garantieren, den Arbeitern in Indien aber nichts übrig lassen. Mobius hat über 50 Milliarden Dollar zu verwalten und sieht es selbst nicht als seine Aufgabe an, Gedanken an Umwelt und Gesellschaft zu verschwenden. Sein Job sei es, vernünftige Renditen für die Anleger zu erwirtschaften.

Der österreichische Regisseur Erwin Wagenhofer zeigt dem Zuschauer relativ wertungsneutral, wie das große Geschäft mit dem virtuellen Geld aufgebaut ist. Nachdem er zuvor bereits mit der Lebensmitteldokumentation "We Feed the World" für viel Furore sorgt, könnte ihm nun ein besonderer Clou gelingen. So hat der Film es bereits in der ersten Filmwoche auf den zweiten Platz in der Arthouse-Filmhitliste der AG Kino-Gilde geschafft.

Die "Täter" kommen zu Wort

Der gut gekleidete Neoliberalismus, welchen unter anderem Mobius propagiert, findet in dem Film sein hässliches Gesicht. Wagenhofer zeigt dem Zuschauer die Ungerechtigkeit des Baumwollanbaus in Burkina Faso. Eines der ärmsten Länder der Welt, weil US-Subventionen den Baumwollanbau im eigenen Land ermöglichen sollen. "Sie betreiben Protektionismus und verlangen von uns Liberalismus", schimpft Francis Kologo von Sofi tex Burkina Faso.

Dass westliche Subventionen in eigene Agrarprodukte die afrikanische Wirtschaft zerstören, wussten wir schon, aber noch nie haben wir dies in so klaren Bildern gesehen. Auch die anderen im Film verdeutlichten Fakten sind dem interessierten Bürger längst dank der Globalisierungskritiker von Attac und Co klar, doch anders als sonst kommen eben nicht die Kritiker, sondern die "Täter" selbst zu Wort.

Wagenhofer gelingen traurige Aufnahmen der verdorrten Landschaft, ohne ins Kitschige oder gar Mitleidige abzurutschen. In Afrika bleibend, erläutert der Filmemacher die Wertschöpfung von Gold. Sehr traurig erscheint dabei der filmische Beitrag zum Goldschürfen in Ghana. Gerade einmal drei Prozent des Gewinns aus Gold bleiben im Land. Der Rest wandert in den reichen Westen ab, ohne dass dort irgendwelche körperliche Arbeit getätigt wird.

Eine Spirale aus Wirtschaftsmanipulationen

Doch nicht nur die Subventionen zerstören die Wirtschaftssysteme der Entwicklungsländer. Der ehemalige amerikanische Wirtschaftskiller John Perkins verrät im Film, wie Amerika seine eigenen ökonomischen Interessen durchzusetzen versteht. Die sogenannten Economic Hit Men verführen Entwicklungsländer dank gezinkter Prognosen zu überteuerten Infrastrukturprojekten, um diese in finanzielle Engpässe zu drücken. Sobald die Länder die amerikanischen Kredite nicht zurückzahlen können, wird eine Spirale aus Wirtschaftsmanipulation aufgebaut. Wenn sich die Regierung des Landes weigert, dem Druck nachzugeben, dann wird anschließend mit Killern nach dem Leben der Beteiligten getrachtet oder "noch schlimmer" die amerikanische Armee marschiert ein. Das zumindest behauptet John Perkins im Film über zum Beispiel den Panamakrieg und den Krieg im Irak.

Aber auch in Europa passieren Dinge, die dem vernünftigen Zuschauer großes Kopfschütteln bringen. In Spanien wurden riesige Hotelanlagen an der Costa del Sol gebaut, welche nur als Investitionsobjekt genutzt werden. Renditen von bis zu 30 Prozent für leerstehende Hotels und Wohnungen zeigen eine völlig degenerierte Wirtschaftsform und entbehren jeder Logik. Oder das Cross Border Leasing, also die Privatisierung von Staatseigentum und das dazugehörige Leasinggeschäft wie etwa bei der Wiener Straßenbahn.

Läuft im gut sortierten Programmkino

Der Film erklärt auch den finanztechnisch durchschnittlich gebildeten Zuschauern gut die Zusammenhänge der globalisierten Finanzwelt und sollte unbedingt angeschaut werden. Zu sehen ist dieser großartige Dokumentationsfilm in allen gut geführten Programmkinos.



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