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Dienstag, 11. November, Alter: 3 Jahre » Zurück

Von: Lisa Moessing

12. Medienforum Mittweida: Anne Roth über die Überwachung der Familie

Ein Leben unter Beobachtung

Im gestrigen Vortrag "Hide and Seek" erzählte eine besondere Frau über eine sonderbare Geschichte, die ihre Familie traf und immer noch beschäftigt. Unfassbar scheint dies, in einem Land wie Deutschland undenkbar, aber möglich, wie Anne Roth schildert.

Anne Roth

Anne Roth über Überwachung der eigenen Familie. (Foto:Sandra Müller)

Der Morgen des 31. Juli 2007 veränderte das Leben von Anne Roth komplett. An diesem Tag nahm eine Sonderkommission des Landeskriminalamtes Berlin ihren Freund Andrej Holm fest. Der Soziologe wurde verdächtigt, Mitglied der als terroristisch eingestuften "militanten Gruppe" (mg) zu sein und ein Jahr lang durch das Bundeskriminalamt (BKA) und die Bundesstaatsanwaltschaft überwacht. Wie sich ein Leben in totaler elekronischer Überwachung anfühlt und wie es sich seitdem für sie und ihre Familie veränderte, schilderte Anne Roth in ihrem Vortrag "Hide and Seek". Überwacht wurden Handys, Telefone, Emails und der Internetverkehr. Später gipfelte die Überwachung in Peilsendern an Autos, Videoüberwachung der Hauseingänge, Handyortung sowie verdeckten Ermittlern, die Anne Roth und ihren Freund sogar auf der Straße fotografierten.

Paradoxe Entgleisungen

Wie absurd sich diese Überwachung vollzog erklärte die 2-fache Mutter mit dem nötigen Ernst, aber auch mit einem schmunzeln im Gesicht. Für den Außenstehenden wirkt die Geschichte einfach nur befremdlich. Wie missverständlich sich das Verfahren gegen Andrej abspielte, zeigt das Beispiel des "schwarzen Beutels". Die Mutter des vermeintlich Tatverdächtigten gab Andrej den Beutel zum Verstauen der Akten. Als sie später in einem Gespräch am Telefon sagte: "Wir müssen uns über den Inhalt des schwarzen Beutels unterhalten", folgte eine Kettenreaktion ungeahnten Ausmaßes. Die heimlichen Zuhörer interpetierten den Inhalt als "terroristisches Material". Tage später platzen Polizisten in ein Familien Kaffeetrinken und durchsuchten die Wohnung erneut, auf der Suche nach den "schwarzen Beutel".

Kein Alltag mehr möglich

Für die Referentin war schnell klar wie sie darauf reagiert: "eine größtmögliche Öffentlichkeit darüber informieren." Seitdem bloggt sie auf annalist.noblogs.org und berichtet über den "eigenartigen Haftbefehl" gegen ihren Freund. Schließlich hätten ihn unter anderem seine intellektuelle Fähigkeit, komplexe Texte zu verfassen, ins Visier der Ermittler gebracht. "Der Alltag verschwindet völlig", musste die Referentin schnell feststellen. Die Überwachung, die bis heute andauert, zerstörte ihre Privatsphäre und veränderte ihr Verhalten nicht nur beim Telefonat mit Freunden. "Das Vorgehen gegen Terroristen ist terroristischer als deren Krieg selbst."



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