Von: Nico Geitel
Ungarische Gaststudenten berichten
"Immer Kartoffeln und Fleisch"
Die Hochschule Mittweida empfängt jährlich bis zu 1 000 Austauschstudenten. Die Ungarinnen Eszter Lajber und Eniko Lukacs sind für sechs Monate nach Mittweida gekommen und berichten für uns von ihren Eindrücken.
Die beiden Ungarinnen Eszter Lajber und Eniko Lukacs sind nun in Deutschland seit dem 4. September 2008. Sie entschieden sich für ein Auslandssemester, um die deutsche Sprache zu erlernen und um ihrem Lebenslauf eine Auslandserfahrung beifügen zu können.
Ankunft mit Überraschungen
An ihrer Heimatuniversität, der Dunaujvarosi Foiskola, erfuhren sie von der finanziellen Unterstützung des Erasmus-Programms. Mit einem Stipendium erhielten sie 2 000 Euro. So können sie sich den Aufenthalt in Deutschland leisten. Die Wahl nach Mittweida zu gehen, trafen beide nach den zur Verfügung stehenden Angeboten des Erasmusprogramms. Zur Auswahl standen auch Hochschulen in Finnland und der Slowakei, aber sie entschieden für die Hochschule Mittweida. Die Medienstudiengänge sind hier ähnlich dem Studium in Ungarn. Dort studieren Eszter und Eniko Veranstaltungstechnik im siebten Semester.
Gewohnt an das wärmere Klima in Ungarn, mussten sie bei ihrer Ankunft im September überraschend feststellen, dass in Deutschland die Temperaturen zehn Grad niedriger sind. Eszter erinnert sich: "Gleich in der zweiten Woche habe ich mich erkältet". Auch an der Hochschule staunten beide auch nicht schlecht. Hier haben sehr viele Studenten bereits ein eigenes Auto. In Ungarn wäre das undenkbar. Jetzt wohnen sie im Wohnheim und haben männliche als auch weibliche Mitbewohner.
Angenehmer Stundenplan
"Es war eine Umstellung für mich, da in Ungarn normalerweise Frauen und Männer getrennt wohnen", erklärt Eszter. Das Essen in der Mensa unterscheidet sich aber nicht grundsätzlich von dem was es in Ungarn zu essen gab, aber "es kommt mir vor, als essen die Deutschen immer nur Kartoffeln und Fleisch. Das gibt es in der Mensa fast jeden Tag", so Eniko. Beide lobten aber die Mensa-Card, die es an der Ungarische Universität nicht gibt.
Vor dem Semesterbeginn reisten Eniko und Eszter mit weiteren Gaststudenten durch Deutschland. Sie besuchten Berlin und waren auch auf dem Münchner Oktoberfest. Dann begann das neue Semester an der Mittweidaer Hochschule. Weil sie Ungarn noch auf Diplom studieren, müssen sie in Mittweida nur 16 Credits erreichen. "Wir hatten einen sehr angenehmen Stundenplan und sind in der Anfangszeit jeden Tag erst gegen 10 Uhr aufgestanden." Sehr interessant finden sie das Mittweidaer Modell. "Hier gibt es viel mehr Praxis und man hat größere Verantwortung in den Projekten", meinen sie.
Deutsche Mentalität
"Die deutschen Studenten sind sehr ehrgeizig und wollen ihr Ziel erreichen", erklärt Eniko. "In Ungarn sind die Studenten oftmals träge". Leider können Eniko und Eszter diesem Ehrgeiz nicht immer folgen. Während Eszter an der ungarisch-österreichischen Grenze aufwuchs und die deutsche Sprache gut beherrscht, lernte Eniko erst seit drei Monaten Deutsch. Für sie ist es manchmal schwierig Fachbegriffe zu verstehen, vor allem dann, wenn die Professoren sehr schnell sprechen.
Nicht immer trafen Eniko und Eszter auf Deutsche, die ihnen freundlich gesinnt waren. So seien die Verkäufer in Supermärkten manchmal unfreundlich, wenn sie nicht immer alles gleich verstehen. Über die Weihnachtszeit sind Eniko und Eszter nach Hause zu ihren Familien gefahren. Im neuen Jahr sind sie wieder in Mittweida und werden noch bis Mitte Februar bleiben. In Zukunft können sich die beide Ungarinnen vorstellen noch mal nach Deutschland zu kommen. "Ich würde gerne für zwei oder drei Jahre in Deutschland arbeiten, aber in der Heimat ist es doch am schönsten", erklärt Eszter.
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