Von: Oliver Schleicher
Die Niederlande unterstützen junge Journalisten
"Sie sind Opfer ihrer Zeit"
Die Niederlande überraschen in Zeiten der Wirtschaftskrise mit einer besonderen Art der Konjunkturhilfe. Es soll eine Finanzspritze für Jungredakteure geben. Die Reaktionen auf dieses Vorhaben sind zu meist positiv, aber es gibt auch skeptische Stimmen.
Vor zwei Wochen stellte der niederländische Minister für Bildung, Kultur und Wissenschaft, Ronald Plasterk, ein neues Konjunkturprogramm seines Ministeriums vor. In Zeiten der Wirtschaftskrise eigentlich nichts Besonderes. Aller Orten werden schließlich Konjunkturpakete geschnürt, um möglichst gut aus der wirtschaftlich schwierigen Zeit zu kommen.
Doch mit dieser Konjunkturhilfe werden keine neuen Verkehrsprojekte, Schulrenovierungen oder Spitzentechnologien unterstützt. Viel mehr handelt es sich um eine Finanzspritze für die niederländischen Printmedien. Das Hilfsprogramm soll insgesamt acht Millionen Euro umfassen. Im ersten Schritt kommt die Hälfte davon den Zeitungsverlagen zu Gute. Diese vier Millionen Euro werden als eine Art Ausbildungshilfe eingesetzt. Das Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft plant damit das Gehalt von 62 Jungredakteuren für zwei Jahre zu bezahlen. Umgerechnet auf die rund 30 niederländischen Tageszeitungen, wären das also circa zwei Redakteure pro Blatt.
Junge Journalisten sollen für Innovationen sorgen
Ronald Plasterk sieht in den jungen Journalisten eine große Chance für den kriselnden Zeitungsmarkt. Diese Gruppe von Journalisten soll die Redaktionen der Tageszeitungen verjüngen und ihren Beitrag zu den dringend benötigten Innovationen leisten. Warum das Ministerium nun die Berufseinsteiger mit staatlichen Finanzhilfen unterstützt, liegt in den Methoden des freien Marktes begründet. "Berufseinsteiger sind die Opfer ihrer Zeit", sagte ein Sprecher des Ministeriums laut sueddeutsche.de. Denn gerade eben diese Leute werden in wirtschaftlich schwierigen Zeiten meist als Erste entlassen oder es kommt gar nicht erst zur Einstellung. Mit dem Konjunkturprogramm schafft die Regierung nun einen wichtigen Anreiz. Dem muss nun noch das Parlament zustimmen. Das soll so schnell wie möglich geschehen, damit bereits nach der Sommerpause die ersten jungen Journalisten ihre Arbeit aufnehmen können, bezahlt vom Vater Staat.
Nicht nur positive Reaktionen
Die Reaktionen in Journalistenkreisen auf dieses Konjunkturprogramm sind größtenteils positiv. Thomas Bruning von der Niederländischen Vereinigung von Journalisten sieht in dieser staatlichen Unterstützung eine "positive Wirkung für die Zukunft der Zeitungen". Aber es werden auch negative Stimmen laut. Paul von Gessel, Chefredakteur des niederländischen Nachrichtenradiosenders "BNR Nieuwsradio", stößt es sauer auf, dass das Ministerium um Ronald Plasterk nur den Printmarkt unterstützt. Denn schließlich durchlebten "auch einige Radio- und Fernsehsender harte Zeiten". Arendo Joustra, Chefredakteur der politischen Wochenzeitschrift "Elsevier", geht noch einen Schritt weiter und spricht davon, dass dieses Programm "zu Wettbewerbszerrung führe".
Trotz der Bedenken handelt es sich bei diesem Plan sicherlich um eine interessante Idee, wie man die Zeitungen in der schwierigen Zeit unterstützen kann. Dem Printmarkt geht es in Deutschland ebenfalls schlecht. Von ähnlichen Hilfsmaßnahmen wie in den Niederlanden ist hier bisher aber noch nichts zu hören.
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