Von: Oliver Schleicher
AGF mit neuem Messverfahren
Fernsehquoten werden präziser
Mit einer neuen Messtechnik der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF) wird zukünftig auch die Nutzung von DVD- und Festplattenrecordern erfasst. Damit passt man sich den neuen Sehgewohnheiten an. Zum Jahresende sollen dann auch diverse Internetangebote dazukommen.
Am 1. Juli startet die Gesellschaft für Konsumforschung (GFK), die im Auftrag der AGF die Quoten erhebt, ihre Datenermittlung mit der neuen Messtechnik TC Score. Seit dem 8. Mai läuft die Einführung des neuen Systems, die auch erst zum Jahresende abgeschlossen sein soll, in den 5.640 Haushalten des Fernsehpanels. Mit dieser neuen Technologie ist es dann möglich, die Aufzeichnung und Wiedergabe von Programmen an DVD- und Festplattenrecordern bis zu drei Tage nach Ausstrahlung zu erfassen.
Doch dies ist nicht die einzige Neuerung. Denn ab Juli wird es auch möglich sein, neben dem Gastgeber bis zu 16 Gäste zu erfassen. Das alte System kann im Gegensatz dazu nur einen Gast in die Quotenmessung mit einfließen lassen. Laut Pressemitteilung der AGF eröffnet dieses neue Messverfahren die Möglichkeit, ihrem Prinzip des "follow the content" zu folgen. Die Philosophie dahinter ist, dass die "Erfassung der Nutzung von TV-Sendern verbreiteten Inhalten unabhängig vom Endgerät, Nutzungszeitpunkt oder Verbreitungsweg" erfolgen soll.
Messung der Quoten passt sich den neuen Sehgewohnheiten an
Es wird Zeit, dass die Quotenmessung der AGF endlich im 21. Jahrhundert ankommt. Denn vor allem das zeitversetzte Fernsehen mittels DVD- und Festplattenrecordern erfreut sich in Deutschland einer wachsenden Beliebtheit. Wer also beispielsweise eine Samstagabendshow erst fünf Minuten nach Beginn, zeitversetzt mit seinem Festplattenrecorder anschaut, wird mit der im Moment noch eingesetzten Messtechnik nicht als Zuschauer erfasst. Dieter K. Müller, Forschungsleiter von ARD-Werbung Sales & Services, sagte im Oktober letzten Jahres gegenüber update2.de, dass "die erfasste Fernsehnutzung wohl um ein bis zwei Prozent steigen" würde, sollte diese Nutzung in Zukunft erfasst werden.
Auch dass ab 1. Juli bis zu 16 Gäste erfasst werden können, ist ein Puzzlestück auf dem Weg hin zu realistischeren Einschaltquoten. Gerade bei Sportveranstaltungen kommt es häufig dazu, dass diese Ereignisse von größeren Gruppen vor nur einem Fernsehgerät verfolgt werden. Eine Umfrage des IFAK-Instituts zur letzten Fußball-EM ergab, dass 39 Prozent der Befragten die Spiele nicht nur Zuhause gesehen haben. 22 Prozent verfolgten die Begegnungen bei Nachbarn, Bekannten oder Verwandten. Diese fließen nun bis zu der Grenze von 16 Personen bei der neuen Technik in die Quotenmessung ein.
Internetangebote sollen dazukommen
Obwohl mit der neuen Messtechnik nun auch höhere Gästezuschauerzahlen, sowie die Nutzung von DVD- und Festplattenrecordern erfasst werden, gibt es noch einige Empfangsmethoden, die nicht in die Messung einfließen. Gerade die neuen Möglichkeiten des Internetfernsehens stellen die Fernsehforscher vor große Aufgaben. Auch mit TC Score wird man nicht die Quoten von Zattoo, IPTV-Angeboten oder der Mediatheken messen können. Laut dwdl.de sei man aber bei der AGF zuversichtlich, bereits am Ende dieses Jahres eine entsprechende Lösung liefern zu können. Damit würden die Internetangebote endlich messbar werden und die Fernsehanstalten könnten bessere Vermarktungsstrategien für ihre Angebote entwickeln.
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