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Mittwoch, 10. Juni, Alter: 3 Jahre » Zurück

Von: Manuela Geißler

Jüdische Sendungen im deutschen Hörfunk

Judentum im Radio

Laut Gesetz muss der private Hörfunk der christlichen Kirche sowie jüdischen Gemeinden auf Wunsch Sendezeiten für Programmbeiträge zur Verfügung stellen. Trotzdem ist das Angebot an jüdischen Sendungen im Vergleich zu den kirchlichen Programmteilen verschwindend gering.

Radio Schalom ist eines der wenigen Hörfunkangebote für die jüdische Hörerschaft. (Foto: Sebastian Klein / Montage: Manuela Geißler)

Radio Schalom ist eines der wenigen Hörfunkangebote für die jüdische Hörerschaft. (Foto: Sebastian Klein / Montage: Manuela Geißler)

Sendungen wie das "Wort zum Tag" des Mitteldeutschen Rundfunks in Sachsen oder "Augenblick mal" des ersten sächsischen Privatradios PSR sind in vielen Radioredaktionen feste Programmbestandteile. Sie bieten der evangelischen und katholischen Kirche die Möglichkeit zur Gestaltung eigener Radiosendungen. Angebote für jüdische Hörer wie Radio Schalom sind in Deutschland jedoch eher selten vorzufinden.

Anspruch auf eigene Sendungen

Der Zentralrat der Juden in Deutschland gibt auf seiner Website an, dass 23 Landesverbände mit insgesamt 107 jüdischen Gemeinden und damit cirka 120.000 Mitglieder im Rat organisiert sind. Trotzdem scheint die Nachfrage nach speziellen jüdischen Hörfunkangeboten gering zu sein. Dabei hätten die jüdischen Gemeinden durchaus das Recht, verstärkt im Radio aufzutreten. Denn Paragraph 42 des 12. Rundfunkstaatsvertrages sichert der evangelischen Kirche, der katholischen Kirche und den jüdischen Gemeinden auf Wunsch angemessene Sendezeiten zur Übertragung religiöser Sendungen, die der private Rundfunk einräumen muss.

Auf dieser Regelung basiert beispielweise das "Wort zum Tag" des Mitteldeutschen Rundfunks in Sachsen. Dies ist ein kirchliches Angebot mit wechselnden Autoren, die ihre Manuskripte Interessierten gern zur Verfügung stellen. Bernhard Holfeld, Wellenchef von MDR 1 RADIO SACHSEN, sagte medien-mittweida.de, dass das Hörerfeedback für das "Wort zum Tag" sehr gut sei: "Über das Interesse an der Sendung freuen wir uns, sie entspricht offenbar in einer guten Größenordnung den Hörererwartungen. Sie ist ein besonderer Akzent in unserem Programm."

Keine Zeit für Juden

Die Möglichkeit, der jüdischen Hörerschaft ein vergleichbares Angebot zu schaffen, sieht Bernhard Holfeld jedoch nicht: "Die Frage, warum wir keine Sendung für jüdische Hörer führen, unterstellt, dass ein modernes und massenattraktives Tagesbegleitprogramm wie MDR 1 RADIO SACHSEN sich aus mehreren Spezialsendungen zusammensetzen würde. Dies ist nicht der Fall. Wir haben auch für andere Religionsgemeinschaften keine spezielle redaktionelle Sendung."

Trotzdem möchte Holfeld eine inhaltliche Vielfalt erreichen. "Von besonderem Gewicht für die redaktionelle Abwägung sind die Erwartungen der Hörer. In diesem Rahmen finden auch religiöse Themen ihren Platz. Alle Sendeachsen sind dafür offen. Selbstverständlich greifen wir immer wieder gern jüdische Themen auf, sowohl in der aktuellen Berichterstattung als auch zu hohen jüdischen Feiertagen und ähnlichem. Wir haben einen Sendeplatz "Notizen aus Religion und Kirche" am Samstagmorgen, dort sind übrigens sehr häufig jüdische Themen platziert."

Sendungen nur für einen kleinen Interessentenkreis

In einigen Sendegebieten findet man allerdings doch jüdische Radioangebote – wie bei Radio Schalom aus Thüringen. Es wird mit Unterbrechung seit 2001 im Sendegebiet Erfurt und Weimar ausgestrahlt und ist auch im Internet als Livestream zu empfangen. Seit Februar 2006 erscheint monatlich eine einstündige Ausgabe der Sendung. Moderator Lutz Balzer glaubt aber, dass sein Angebot nur eine kleine Hörerschaft findet. "Gelegentlich treffe ich Bekannte, die die Sendung eher zufällig gehört haben. Allerdings glaube ich nicht, dass Radio Schalom gezielt gehört wird. Ich kündige die Sendung einem Interessentenkreis per E-Mail an, und bekomme seit dem Livestream-Angebot verstärkt Rückmeldungen aus anderen Bundesländern und aus dem Ausland." Probleme mit antisemitischen Übergriffen gab es bei Radio Schalom bisher nicht. Trotzdem bleibt Lutz Balzer wachsam: "Ich beobachte meine Umgebung zu diesem Thema sehr genau und versuche falschen Vorstellungen vom Judentum und vor allem negativen Meinungen zum Staat Israel mit vielfältigen Informationen entgegenzutreten."

Radioangebote für eine jüdische Hörerschaft sind in Deutschland insgesamt trotzdem selten vertreten. Lutz Balzer erklärt, warum die bestehenden Angebote in Zukunft vermutlich nur gepflegt, aber nicht erweitert werden: "Da es vergleichsweise weniger Juden in Deutschland gibt, ist es normal, dass es weniger und kürzere Sendungen gibt. Es werden allerdings regelmäßige Sendungen am Freitag zum Sabbat auf Bayern2, MDR Figaro, Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur, RBB Kulturradio und NDR Info ausgestrahlt."



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