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Montag, 20. Juli, Alter: 3 Jahre » Zurück

Von: Tom Rosenkranz

Interview mit der Erstellerin einer Gedenkseite

"Ein persönliches Bedürfnis"

Auf ihrem Weg der Trauer erstellte eine Mutter eine Webseite zum Gedenken an den verstorbenen Sohn. Was sie dazu bewogen hat und warum es ein wichtiger Schritt war, steht im folgenden Artikel.

Die Gedenktafeln für Malte gibt es nicht mehr, doch im Internet soll sie jeder ansehen können.(Quelle: www.maltetaylor.de)

Die Gedenktafeln für Malte gibt es nicht mehr, doch im Internet soll sie jeder ansehen können.(Quelle: www.maltetaylor.de)

Martina Taylor verlor ihren Sohn Malte, als er nur 16 Jahre alt war. Für Familie, Freunde und vor allem für sich selbst erstellte sie diese Homepage. Damit schuf sie eine Erinnerung, die auch nach Jahren nicht verblasst.

Aus welchem Grund haben Sie eine Gedenkseite für Ihren Sohn eingerichtet?

Es war mir ein persönliches Bedürfnis. Nachdem mein Sohn gestorben war, wollte ich einen festen Platz für sein Gedenken schaffen. Ich hatte ganz bestimmte Vorstellungen, wie seine Seite aussehen sollte, und genau so habe ich die Gedenkseite dann auch erstellt. Alleine dafür habe ich mir HTML-Kenntnisse angeeignet. Es hat gut getan, an etwas zu arbeiten, was meinem Sohn gehört. Irgendwie hatte ich so das Gefühl, etwas für ihn zu tun, für sein Gedenken. Es war mir möglich, auf diese Art meine Liebe und meine Trauer für ihn auszudrücken.

Wie war die Reaktion auf Ihre Internetseite von Familie, Freunden aber auch fremden Internetnutzern?

Einige Reaktionen sind mir bekannt, so zum Beispiel die meiner Familie oder von engen Freunden. Diese waren positiv, das heißt sie waren zum Teil auch dankbar, eine Seite zu haben, auf der sie sich an Malte erinnern können. Auf der Gedenkseite habe ich Bilder meines Sohnes veröffentlicht, aber auch Symbole der Trauer seitens seiner Freunde, zum Beispiel die Gedenktafeln seiner Klassenkameraden, die sie für ihn erstellt hatten. Ich glaube, dass es auch für sie wichtig war und ist, dass ihre Erinnerungen und das, was sie für ihren Freund getan haben, einen festen Platz hat. Die "echten", das heißt die Original-Gedenktafeln, wurden mittlerweile längst vom Schulhof entfernt beziehungsweise zerstört. Durch die Kontakte zu anderen Eltern, die für ihr Kind eine Gedenkseite erstellt haben, hatte ich außerdem nicht so sehr das Gefühl, alleine zu sein. Man sieht auch an den Reaktionen von Besuchern, dass es Menschen gibt, die verstehen, was man selber durchmacht.

Es ist außerdem wichtig, dass der Name und die Bilder des Menschen, den ich geliebt habe und immer lieben werde, und den ich sowieso immer im Herzen trage, einen Platz haben. Mein Sohn war und ist ein Teil meines Lebens und ein Teil der Welt, und es tut gut, dass er in dieser Welt in der Online-Community einen festen Platz hat und sichtbar bleibt.

Wieso haben Sie eine eigene Seite gestaltet und nicht ein Gedenkprofil auf einer Community wie zum Beispiel Myspace angelegt?

Ich glaube, vor sechs Jahren gab es diese Möglichkeiten, wie sie Web 2.0 bietet, noch gar nicht. Mir war es wichtig, meine eigene Trauer zu verarbeiten und etwas Eigenes für meinen Sohn zu erstellen. Die ganze Arbeit, die ich damit zugebracht habe, war gleichzeitig ein großes Stück Trauerarbeit.

Wie sind Ihre Gedanken im Nachhinein zu dieser Seite? Hat es Ihnen geholfen, sie zu erstellen? Würden Sie eventuell etwas anders machen?

Nein, ich würde nichts anders machen. Ich will es einmal so sagen: Der Verlust des eigenen Kindes ist ein großer Schock. Egal, wie man diesen Schicksalsschlag durchsteht, alles, was auch nur ein bisschen hilft, ist gut. Geholfen hat mir am meisten, erstens das Gefühl zu haben, ich habe etwas für meinen Sohn geschaffen, etwas sehr Persönliches, zu seinem Gedenken; zweitens zu zeigen: das ist mein Sohn, er ist gestorben, aber er gehört zu meinem Leben und ich bin stolz auf ihn und froh, dass er in mein Leben kam.

Vielen Dank für das Interview.



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