Von: Sebastian Opitz

Aus dem Alltag eines Grafikers
Vom Zeichentisch auf's Festival
Die Ausstellung "Illustrative" zeigt ab 16. Oktober Grafiken und Objekte zeitgenössischer Künstler. Tim Dinter ist einer von ihnen. Neben der Arbeit und Zeit, die er in seine Schaustücke investiert, entwirft er für Auftraggeber Zeichnungen und Comics.

Wenn die Werbung lebendig wird. (Bild: Tim Dinter)
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Nahe dem Zentrum Berlins im Ortsteil Prenzlauer Berg altern Wohnblöcke aus der vorletzten Jahrhundertwende. Draußen teeren Bauarbeiter Pflasterstraßen und manche der ehemals bröckelnden Treppenhäuser glänzen wieder. Das Viertel lebt. Menschen mit Mänteln und Hüten in Designerkleidung und frisch frisiert, treffen sich in den Geschäften und Kneipen. Kaum Publikum in Trainingsjacke oder Arbeiterkleidung – hier tagt die Szene.
Eine Erdgeschosswohnung auf der Lettestraße dient vier Grafikern als Atelier. Die alten Fensterrahmen lassen den Blick auf moderne Computer zu, auf Bücherregale und Zeichentische. Hier entwickelt Tim Dinter Ideen für Comics, er entwirft und zeichnet Illustrationen. In seinen Schubfächern stapeln sich Ausgaben der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und des Berliner Tagesspiegels; einzelne Seiten mit kurzen Comics oder Illustrationen, die er gezeichnet hat. Darüber allerhand Bücher und Kataloge mit seinen Grafiken. Alles in allem ein respektables Arsenal namhafter Referenzen und Zeugnisse seiner Kreativität.
Wenn die Kunst nur im Kreis dreht
Wenn ein Grafiker einen Auftrag erhält, dann kennt der Kunde meist dessen Arbeiten und ahnt schon vorher, wie die Illustration aussehen wird. Jeder Grafiker schafft einen Stil und ist daran erkennbar, so auch Dinter. Die Arbeit an Kundenaufträgen fordert von ihm vor allem Durchhaltevermögen, denn einige grafischen Strukturen kommen immer wieder, sie machen ja seinen Stil aus. Beispielsweise zeichnet er schon seit über drei Jahren regelmäßig einen Sonntagscomic für den Berliner Tagesspiegel. Um nicht ein Leben lang die eigenen Linien nachmalen zu müssen, verbringt er auch Zeit damit, seinen Stil zu entwickeln. Arbeitsversuche und neue Ideen stellt er aus, zum Beispiel bei der "Illustrative".
Die "Illustrative" ist ein Kunstfestival in Berlin, dessen Macher einer besonderen Idee folgen: Die ausgestellten Werke sind die Kunst junger, innovativer Grafiker. Eine Rundschau zeitgenössischer Illustrationen, umrahmt von einem Festivalprogramm mit Kontaktmesse, Expertenkonferenz, Preisverleihung, Workshops und Live-Paintings.
Exponate bei der "Illustrative"
Dinter zeigt bei der "Illustrative" eine Leinwand voller Grafiken, auf denen er monotonen Gebäuden Berlins etwas Leben einhaucht; aus ihnen springen Bilder, als wären sie dreidimensional. Außerdem baut er einen Hinterhof aus mehreren Ebenen, ein von allen Seiten zu besehendes Modell also, wie es auch Bühnenbildner am Theater verwenden. Ob diese Exponate einem politischen Zweck oder einer sozialkritischen Meinung dienen, überlässt Dinter den Interpretationen der Betrachter. Sicher aber werden die Bilder andere Grafiker inspirieren und die Ausstellung bereichern.
Zur Eröffnung der "Illustrative" am 16. Oktober 2009 wird Tim Dinter dabei sein, sich mit Grafikern austauschen und über seine Schaustücke sprechen. In den Tagen darauf fliegt er nach New York, um dort dem nächsten Grafikprojekt entgegenzuarbeiten.
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