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Dienstag, 20. Oktober, Alter: 2 Jahre » Zurück

Von: Kristin Damm

Zukunft der Energieerzeugung

Strom aus Afrika

CSP und HGÜ hören sich nach exotischen Abkürzungen an, doch in Zukunft könnten sie zwei wichtige Grundlagen unserer Energieversorgung sein. Dahinter stecken technische Errungenschaften, auf die die DESERTEC Foundation in Zukunft setzten will, um saubere Energie bereit zustellen.

Die roten Bereiche stellen die benötigte Fläche dar, um das jeweilige Gebiet mit Strom zu versorgen. (Quelle: Wikipedia/ Foto:TREC)

Energieinfrastruktur: Die roten Bereiche stellen die benötigte Fläche dar, um das jeweilige Gebiet mit Strom zu versorgen. (Quelle: Wikipedia/ Foto:TREC)

Saubere Energie ist für jeden spürbar. Wem schon einmal im Sommer ein frisch gekauftes Eis zwischen den Fingern weggeschmolzen ist, dem ist die thermische Wirkung der Sonne bekannt. Diese Solarenergie, aber auch Geothermie, Wasser- und Windkraft sowie Energie aus Biomasse spielen eine große Rolle beim Klimaschutz. Dieser wurde durch das 2005 verabschiedete Kyoto-Protokoll allen UN-Mitgliedsstaaten als ein wichtiges Ziel aufgezeigt. Durch die Verpflichtungen, die sich aus dem Protokoll ergeben, soll der Ausstoß von Treibhausgasen jährlich um 5,2 Prozent sinken.

Der einzige Weg, dies trotz des stetigen Wirtschaftswachstums zu schaffen, ist es, auf die fossilen Ressourcen zu verzichten und sie durch regenerative Energiesysteme schrittweise zu ersetzen. Neben vielen dezentralen Anlagen, wie zum Beispiel den Offshore-Windanlagen in der Nordsee, gibt es auch einen Plan für eine zentrale Energieversorgung. Die im Juli dieses Jahres gegründete DESERTEC Foundation sieht in ihrem Konzept ein großes Netzwerk vieler Kraftwerke vor, die nur von regenerativen Energien betrieben werden.

An der Stiftung sind Staaten aus Europa (EU), dem Nahen Osten (ME) und Nordafrika (NA) beteiligt. Ihr Ziel ist es, eine nachhaltige Stromversorgung in der EUMENA-Region bis 2050 zu schaffen. "Wenn wir extreme klimatische Veränderungen verhindern wollen, müssen wir die Kohlendioxidemissionen in den nächsten 40 Jahren auf die Hälfte reduzieren. Das ist nur möglich, wenn wir alle Optionen dazu nutzen. Das Projekt ist eine Option, die ein Teil der Lösung sein kann", erklärt Volker Quaschning, Professor für das Fachgebiet Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Berlin.

Energiegewinnung auf 2.500 Quadratkilometern

Die flächendeckende Stromversorgung soll durch verschiedene Energiesysteme sichergestellt werden, zum Beispiel mit solarthermischen Kraftwerken (CSP – Concentrating Solar-Thermal Power Plants). Diese sollen in der Sahara aufgebaut werden, denn dort ist die Sonneneinstrahlung intensiver als in anderen Regionen. Die CSP wandeln dabei das gebündelte Sonnenlicht in Wärme um, die dann in Form von Dampf Turbinen in konventionellen Kraftwerken antreibt und somit Strom erzeugt. Dieser wird dann mittels HGÜ (Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitungen) nach Europa weitergeleitet.

"Der Strom ließe sich über solche Leitungen verlustarm übertragen. Strecken weit über 1.000 Kilometer sind dabei kein Problem", sagt Volker Quaschning. Er geht davon aus, dass "die Verluste auf dem Weg von Afrika nach Europa deutlich unter 20 Prozent liegen werden. Da in Afrika das Angebot an Sonnenenergie mehr als doppelt so hoch ist wie in Deutschland, ließe sich das verschmerzen". Durch den Stromimport kann eine stabile Energiezufuhr gewährleistet und der heimische regenerative Energiemix ergänzt werden.

Denn anders als beispielsweise Windkraftenergie, lässt sich thermische Energie technisch einfach und wirtschaftlich speichern. So kann auch bei Nacht und bewölktem Himmel immer ausreichend Strom geliefert werden. Eine Studie des DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt) aus dem Jahr 2005 ergab, dass bis 2050 rund 17 Prozent des europäischen Strombedarfs mittels Stromimporten aus Afrika gedeckt werden kann. Dabei würde eine Fläche von 2.500 Quadratkilometern (0,02 Prozent der Saharafläche) für Exportstrom ausreichen, wenn diese mit CSP-Kraftwerken, welche zusammen 100 Gigawatt Leistung erzeugen können, bebaut wird.

In der Studie wurde auch der ökonomische Faktor des Projektes beleuchtet. Die Kosten würden sich auf rund 400 Milliarden Euro belaufen. Diese Summe beinhaltet den Bau von 50 solarthermischen Kraftwerken sowie der nötigen Infrastruktur. Volker Quaschning schätzt ein, dass "zu erwarten ist, dass sich die Solartechnik kontinuierlich weiterentwickelt, die Kosten weiter sinken und die Anlagenqualität weiter zunimmt."



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