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Dienstag, 20. Oktober, Alter: 2 Jahre » Zurück

Von: Karl Weber

Interview mit Tobias Kolodziey

Kreativität grenzenlos

Einmal an einer großen Kinofilmproduktion beteiligt zu sein – dieser Wunsch geht längst nicht für alle Medienstudenten in Erfüllung. Tobias Kolodziey hat es geschafft. In einem Workshop des Swan Lake Awards berichtete er über seine Erfahrungen.

Tobias Kolodziey referiert über "MotionWorks". (Foto: Sebastian Kubatz)

Tobias Kolodziey referiert über "MotionWorks". (Foto: Sebastian Kubatz)

Bekannt durch Produktionen wie "Der kleine Eisbär 2" oder "Lauras Stern", begeisterte die MotionWorks GmbH mit dem im Juli 2009 erschienen Animationsfilm "Mullewapp" erneut die Kritiker. Durch ein Praktikum bei der Animationsfirma aus Halle konnte Tobias Kolodziey bei der Produktion mitwirken. Direkt nach dem Abschluss seines Medienmanagementstudiums stieg er im Betrieb ein. Anlässlich der Workshops zum Swan Lake: Moving Image & Music Award referierte er am 19. Oktober für die Studenten der Hochschule Mittweida über die Organisationsstruktur eines Animationsstudios. medien-mittweida.de war dabei und wollte unter anderem wissen, ob Tobias "seinen" Film im Kino gesehen hat.

Du gibst begleitend zum Swan Lake Award einen Workshop über "MotionWorks" – wie ist es, wieder an seiner alten Hochschule zu sein, diesmal in der Position des "Lehrers"?

Es ist super, mal wieder in die alte Wirkungsstätte zurückzukommen. Ich stehe ja auch noch in Kontakt mit den Professoren und Betreuern. Der Swan Lake Award liegt mir sehr am Herzen, denn dadurch bin ich eigentlich in den Animationsfilm hineingerutscht. Prof. Wierzbicki und das Management-Team, das die ganzen Workshops zusammenstellt, leisten hier meiner Meinung nach jedes Jahr eine super Arbeit. Für mich war es eine Ehre, hier vertreten sein zu dürfen und zu referieren. Grundsätzlich ist es ein schönes Gefühl wieder zurück zu sein.

Wie bist du zum Animationsfilm gekommen?

Da sehr viele Studenten das Modul "Fernsehen" belegen, habe ich aus der Not eine Tugend gemacht und mich für das Modul "Digitale Medien" bei Prof. Wierzbicki entschieden. In seinen Vorlesungen ist der Bereich des Animationsfilms mit untergebracht. Es hat mir Spaß gemacht, mich darüber weiter zu belesen und mehr zu wissen als andere Kommilitonen. Das Besondere am Animationsfilm: Alles, was in meiner Gedankenwelt herum schwebt, kann ich im Gegensatz zum Real-Film umsetzen. Durch die Technik, die sich auch immer leichter bedienen lässt, kann ich grenzenlos kreativ sein.

Was ist dein konkretes Aufgabenfeld bei der MotionWorks GmbH?

Zurzeit bin ich in der Produktionskoordination tätig, sozusagen die rechte Hand der Produktionsleitung im Bereich Animation. Ich sorge dafür, dass alles in dem Rahmen bleibt, in dem es auch geplant ist. Man ist so sowohl mit den kreativen Leuten als auch mit den wirtschaftlichen Aspekten beschäftigt und muss versuchen, das Ganze so gut wie möglich zu vereinen. Kunst und Kommerz, das schließt sich ja manchmal aus.

Hast du dir "Mullewapp" selbst noch einmal im Kino angesehen?

Es gab kurz nach der Fertigstellung ein so genanntes "Crew-Screening". Dazu sind alle Mitwirkenden angereist und haben sich den Film noch mal angeschaut. Es ist super, den fertigen Film in Farbe zu sehen. In den Produktionsabschnitten sieht man nur die Zeichnungen der Animatoren. Relativ blasse Bilder, mit denen man sich noch gar nicht richtig vorstellen kann, wie das am Ende aussehen soll. Wenn der Film jedoch auf der Leinwand gezeigt wird, dann ist man erst einmal überwältigt. Kino hat einfach eine enorme Ausstrahlungskraft. Steht am Ende im Abspann auch noch dein Name, dann ist das umso befriedigender, bei einer solchen Produktion mitgewirkt zu haben.

Was machst du in deinem aktuellen Projekt?

Zurzeit bin ich in der Produktionskoordination einer Animationsserie beschäftigt, die mit Kanada co-produziert wird. Ich bin in die verschiedenen Entstehungsprozesse integriert und kann diese auch teilweise mitgestalten. Eines meiner weiteren Aufgabenfelder ist die Motivation der Mitarbeiter. Trotz zeitlichen und finanziellen Drucks soll ja am Ende ein tolles Ergebnis erzielt werden.

Welche Tipps kannst du den jetzigen Studenten an der Hochschule Mittweida geben, um sich auf das spätere Berufsleben vorzubereiten?

Man muss auf der einen Seite Glück haben. Als ich mein Praktikum bei MotionWorks machte, war die Produktion gerade auf Hochtouren und es wurden viele Kräfte zur Unterstützung gesucht. Sicherlich muss man auf der anderen Seite auch mit Herzblut dabei sein, damit ersichtlich wird, dass man interessiert ist. Ich wurde voll integriert, konnte an allen Stufen der Produktion mitarbeiten, war bei wichtigen Meetings dabei und konnte mir ein Bild davon machen, wie die Arbeit verläuft. Grundsätzlich würde ich den Tipp geben, sich gerade auch als Student zu engagieren – seine eigenen Projekte umsetzen, sich nicht verbiegen zu lassen, sondern sein Ding durchzuziehen. Man hat im späteren Leben nie wieder die Zeit und die Kommilitonen, um Produktionen kostengünstig und mit soviel Spaß umzusetzen.

Wir bedanken uns für das Interview.



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