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Mittwoch, 21. Oktober, Alter: 2 Jahre » Zurück

Von: Alexander Maack

Sportberichterstattung und ihre Konsequenzen

Schutz vor der BILD

Sascha Burchert ist der "Kopfball-Torwart-Trottel". Den Namen gab die BILD-Zeitung dem 19-jährigen Torhüter von Hertha BSC Berlin nach seinem Bundesliga-Debüt gegen den Hamburger SV. Zwei Gegentore musste er hinnehmen.

Sascha Burchert, Opfer der Medienberichterstattung? (Quelle: wikimedia.org, Foto: steindy)

Sascha Burchert, Opfer der Medienberichterstattung? (Quelle: wikimedia.org, Foto: steindy)

Für BILD war nicht nur offensichtlich, wer die Verantwortung für die 1:3-Niederlage trug, auch für die kommenden Spiele sah man schwarz: "Nach der Verletzung von Ochs muss der 'Kopfball-Torwart-Trottel' wohl auch in den nächsten Spielen als Nummer eins ran, weil auch Stammkeeper Drobny länger ausfällt."

Gegenteilige Meinungen in anderen Medien

Als "Unverschämtheit" kritisiert Jörg Hobusch im Gespräch mit medien-mittweida.de die getätigte Leistungsbewertung. Hobusch, selbst Redakteur bei SPORT BILD, widerspricht den Verlagskollegen. Burchert sei kein Trottel. Er handelte richtig. Die Mitspieler ließen den Debüttanten im Stich.

Das Kicker-Sportmagazin beurteilte Burcherts Leistung auf seiner Internetseite ähnlich: "Der Youngster klärte zwei lange Pässe mit spektakulär anzusehenden Flugkopfball-Einlagen, doch stand jedes Mal ein Hamburger Techniker (Jarolim, Zé Roberto) parat, der den Ball aus großer Distanz ins leere Berliner Tor schleuderte." Keine Spur vom "Torwart-Trottel" also.

Training für gute Außendarstellung

Der Ersatz-Torwart von Dynamo Dresden, Benjamin Kirsten, schockierte im Sommer 2009 die Öffentlichkeit. Nach dem Landespokal-Sieg brannte der Sohn des ehemaligen Nationalspielers Ulf Kirsten einen Feuerwerkskörper im Innenraum des Stadions ab. Mit einer speziellen Ausbildung will der Verein nun das Verhalten junger Profis verbessern. Nachgestellte Interviews sollen helfen sensationeller Berichterstattung keinen Angriffspunkt zu bieten.

Der Dresdner Pressesprecher Enrico Bach hob gegenüber medien-mittweida.de die Bedeutung freier Berichterstattung hervor. "Es gibt aber Grenzen. Diese sollten eingehalten werden. Wenn es in die Beleidigung geht, dann bin ich damit absolut nicht einverstanden", sagte Bach. Den jungen Spielern sei nicht bewusst, in welchem Maße sie unter medialer Beobachtung stehen. Um die eigenen Spieler zu schützen, würde er nach unsachlichen Berichten die Zusammenarbeit mit der Redaktion auf das Nötigste reduzieren.

Interviews nur für ausgewählte Medien

Diskusweltmeister Robert Hartin hat die Zusammenarbeit mit den Medien eingestellt. Auf seiner Website findet sich der Hinweis, dass Interviews nur noch für ausgewählte Journalisten möglich sind. Auf schriftliche Interviewanfrage erhielt medien-mittweida.de keine Antwort. Während der Leichtathletik-Weltmeisterschaft zitierte die Berliner Morgenpost Harting mit den Worten: "Manchmal frage ich mich, ob es nicht besser wäre, Doping in irgendeiner Form zu erlauben." Außerdem wurde der Diskuswerfer für einen Angriff auf DDR-Dopingopfer scharf kritisiert.

Ein Berater muss den Sportler vor einem Interview instruieren, meint Jörg Hobusch. Gerade politische Themen sollten von jungen Athleten "umschifft werden". Harting war wohl nicht ausreichend instruiert. Wie Eike Emrich, Vize-Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, berichtete, sollte der Sportsoldat aus Berlin nach der Weltmeisterschaft ein durch den Verteidigungsminister angeordnetes Medientraining absolvieren. Das Ministerium bestätigte gegenüber medien-mittweida.de diese Planung. Der Lehrgang stehe kurz vor der Umsetzung.



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Mittwoch, 21-10-09 07:16 Thomas Strigel

Für die Sportler liegt sicher eine Möglichkeit darin, ab dem Leistunglevel, der sie für die Medien interessant macht, eben auch die eigene Außendarstellung "zu trainieren".
Neben der Wirkung einer Berichterstattung auf den betroffenen Sportler, muß jedoch die Frage nach der Wirkung auf den Nachwuchs- und Breitensport gestellt werden.
Im Fall Burchert bedeutet dies, die Auswirkung der Berichterstattung auf tausende Torhüter in Deutschland, die nun erst recht zum Freiwild unsachlicher und teilweise beleidigender Kritik geworden sind; schliesslich zeigt das Beispiel "Bild vs. Burchert", dass man so mit einem Torwart umgehen darf.



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