Von: Philipp Girrger
Kommentar zu den Gehältern der Top-Manager
Blanker Populismus
Liebe Politiker, erklären sie dem mündigen Bürger, was diese Wahlkampftiraden bringen sollen? Es ist 2008 und noch nicht 2009. Müssen sie sich mit ihren Forderungen, Top-Managern Gehälter und Abfindungen abzugraben, mal wieder in der Öffentlichkeit produzieren?
Wenn es um Manager-Schelte geht, ist einer immer schuld. Seit mehr als 15 Jahren ist er Vorstandsvorsitzender eines der weltweit erfolgreichsten deutschen Unternehmen. Die Firma hat derzeit einen Börsenwert von rund 45,5 Millionen Euro. Sie ist zu 50 Prozent in der Hand von zwei deutschen Familien. Statt im Ausland zu investieren, hat die Firma auf anderen Wegen Furore gemacht. Sie kaufte eine deutsche Traditionsfirma und hielt nicht die Firmenkriegskasse zum Bedienen für ausländische Investoren offen.
Aktienwert ist um das Neunzigfache gestiegen
Seitdem Wendelin Wiedeking Vorstandsvorsitzender von Porsche ist, hat er den Börsenwert einer Aktie durch sein Wirken verneunzigfacht. Zum Überfluss brachte der Porsche-Chef jedem Mitarbeiter, der vor 2006 beim Unternehmen Vollzeit beschäftigt war, im vergangenen Jahr eine Sonderzahlung in Höhe von 5 200 Euro.
Wiedeking verdient bei Porsche geschätze 60 Millionen Euro pro Jahr. Das ist deutlich mehr als viele in einem Leben zusammen bekommen. Aber er hat sie auch verdient. Warum muss der Chef aber immer als erster herhalten, wenn mal wieder undifferenziert auf die Managerriege eingeschlagen wird? Warum müssen das andere Chefs genauso?
Sonderzahlungen im Fall Ackermann
Sicherlich, es gibt nur wenige die ihn beneiden. Seine Victory-Geste während des Mannesmannprozesses war mehr als unangebracht. Immerhin ging es in dem Prozess um genau eines der undurchsichtigsten Felder in der Großunternehmensbranche – die beliebten Sonderzahlungen im Fall Esser. Auch nach der Einstellung des Verfahrens, im Oktober 2006, war wieder ein Sturm der Entrüstung losgebrochen. "Wäre der Satz 'Die Kleinen henkt man und die Großen lässt man laufen' noch nicht erfunden, wäre heute der richtige Tag dafür", meinte Renate Künast von den Grünen dazu. CSU-Landesgruppenchef Ramsauer sprach gar von "Freikauf".
Ohne den Prozess aufrollen zu wollen, der immerhin durch drei Instanzen ging, muss sich der mündige Bürger am Ende fragen: Was ist euch Politikern denn lieber? Noch mehr Steuermillionen für diesen Prozess ausgeben oder die eingenommenen 5,8 Millionen Euro, wie geschehen, unter die Leute bringen? 40 Prozent dieser Summe gingen an gemeinnützige Organisationen und der Rest ohne zu viel Aufhebens an Vater Staat.
Wirtschaftsboss bleibt ungebremst
Zurück zu den wirtschaftlich messbaren Ergebnissen des Josef Ackermann: Seine Ankündigung aus 2005, trotz eines gestiegenen Gewinns der Deutschen Bank auf damalige 2,5 Milliarden Euro, 6 400 Stellen zu streichen, machte ihn nicht sympathischer. Aber dass die Deutsche Bank AG seit dieser Ankündigung, in Deutschland, im ersten Jahr danach, genau 65 Mitarbeiter mehr beschäftigte und seit dem stetig wuchs, interessiert niemanden.
International ist die Mitarbeiterschaft sogar von rund 63 000 Mitarbeitern im Jahre 2005 auf rund 78 000 Mitarbeiter in 2007 angewachsen. Der Gewinn lag 2006 bei lapidaren 6,5 Millarden. Die Differenz zum Ergebnis vor Steuern entspricht übrigens rund 2,2 Millarden. Wir erinnern uns: 2005 bewegte sich der Gewinn noch in dieser Größenordnung.
Mit dem heutigen Quartalsbericht der Deutschen Bank, hat sie seit Jahren wieder einmal einen Verlust eingefahren. Der Verlust liegt nach Steuern bei 141 Millionen Euro. Im selben Zeitraum des Vorjahres war es noch ein Plus von rund 2,1 Milliarden. Um das zu kompensieren, hat Ackermann noch nicht zu Entlassungen gegriffen. Im Gegenteil, im Vergleich zum ersten Quartal 2007 sind in Deutschland 125 Mitarbeiter mehr angestellt.
Managergehälter sollen begrenzt werden
Und die lieben Damen und Herren der SPD, wie Generalsekretär Hubertus Heil, fordern nun wieder Auswüchse bei Managergehältern zu begrenzen. Gegenüber dem Tagesspiegel drückte Andrea Nahles, stellvertretender Bundesvorsitzende der SPD, aus: "Wenn die Arbeitnehmer dann hören, dass Manager wie Porsche-Chef Wiedeking ein 60-Millionen-Jahressalär beziehen, dann empfinden sie das zu Recht als ungerecht". Ziel des Ganzen ist die Transparenz zu stärken.
Da muss sich der mündige Bürger schon fragen: Moment, Transparenz? Der Alterspräsident des Deutschen Bundestages, Otto Schily (SPD), klagt gerade vor dem Bundesverwaltungsgericht gegen ein gegen ihn verhängtes Ordnungsgeld von rund 22 000 Euro. Grund: Er will seine Nebeneinkünfte nicht offenlegen.
Keine Kindergelderhöhung seit 2002
Und wo ist die Besitzstandsverteilung, wenn in Berlin Wohltaten für das Volk beschlossen werden? Seit 2002 ist das Kindergeld nicht mehr erhöht worden. Nun soll im September die "große" Finanzspritze unter Umständen kommen. Genaueres ist aber nicht zu erfahren.
Von der "satten" Rentenerhöhung um 1,1 Prozent sollte lieber auch niemand reden. "Ich stehe hundertprozentig hinter dieser Rentenerhöhung. Sie ist mit 1,1 Prozent nach drei Nullrunden wahrlich nicht überzogen, sondern verantwortbar", sagte Kanzlerin Angela Merkel gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Und welche Verantwortung sich da unsere Kanzlerin aufgebrummt hat. Ein Schelm, wer an Zynismus und zweierlei Maß denkt.
» Zurück
Keine Einträge
Keine Einträge im Gästebuch gefunden.





