Von: Marie Schneider
Politischer Wandel in Simbabwe ist in Sicht
Festhalten an der Macht
Die Präsidentschaftswahlen im südafrikanischen Simbabwe fanden eigentlich schon am 29. März statt. Doch durch starrsinniges Verweigern der Veröffentlichung der Wahlergebnisse durch Präsident Robert Mugabe war der Sieger erst über einen Monat danach bekannt.
Nach kurzer Zeit der Einsicht will Mugabe nun erneut einen Machtwechsel boykottieren. Es wäre des Präsidenten sechste Amtszeit mit seiner Partei "Zimbabwe African National Union" (ZANU). Das hatte zumindestens der betagte Staatschef von Simbabwe für sich entschieden. Denn nachdem am 29. März 2008 die Wahlurnen schlossen, sollte es eine Monat lang keine Ergebnisse geben.
Stichwahl ist angesetzt
Oppositionsführer Morgan Tsvangirai von der "Movement for Democratic Change" (MDC) soll nun nach der Bekanntgabe der Auszählung knapp 99 Sitze, die ZANU hingegen nur 97 Sitze erhalten haben. Das entspräche einem Anteil von 47,9 Prozent der Stimmen, berichtet die "New York Times". Das bedeuetet das Fehlen einer absoluten Mehrheit. Andere Quellen sprechen von mehr als 50 Prozent der Stimmen für die Opposition. Zweifelsfrei kann das aber niemand nach so einem Zeitraum sagen.
Nun ist eine Stichwahl von der ZANU-Partei angesetzt. In den nächsten Tagen entscheidet die Opposition, ob sie dem zustimmt. Die EU forderte bereits freie Wahlbeobachter aus dem Ausland, die dann zur Verfügung stehen.
Opposition litt unter dem Terror
Zu beachten ist, dass es drei Wochen nach den Wahlen eine zweite Auszählung gab. Über zwei Tage soll sie sich hingezogen haben. Offizielle Angaben gibt es nicht. Die Opposition beklagte sich jedoch darüber. Sie vermuten eine Verzerrung der Wahlergebnisse. Tendai Biti, Generalsekretär der MDC, befürchtet gefälschte, nachträglich eingeschleuste Stimmzettel.
Abgesehen vom unrechtmäßigen Wahlverlauf, hatte die Opposition unter Terror der Mugabe-Anhänger und Polizei zu leiden. Schlägertruppen zogen durchs Land und verfolgten MDC-Mitglieder. Sie errichteten spezielle Lager zur Verhörung von Oppositionsanhängern. Insgesamt kamen zehn MDC-Anhänger ums Leben. Mehr als 400 verhafteten die Sicherheitskräfte. Trotz alledem kümmerte sich die internationale Öffentlichkeit kaum um die Lage in Simbabwe. Lediglich Kofi Annan rief zur Unterstützung für die Opposition von Tsvangirai auf.
Offenes Wahlergebnis bringt Chaos
Neben den Übergriffen auf Oppositionsmitglieder, gab es zahlreiche andere Brandherde in Simbabwe. Wie auch für einen Großteil der restlichen afrikanischen Bevölkerung, herrscht im Land Nahrungsmittelknappheit. Während die Wahlergebnisse ausstanden, kam es zu Überfällen auf Farmen. Speziell auf Güter weißer Bauern. Diese produzieren den größten Anteil an Fleisch und Mais für die Nation. Zu allem Überfluss kommt eine hohe AIDS-Infizierten-Rate und eine der niedrigsten Lebenserwartungen der Welt hinzu. Momentan liegt sie bei gerade einmal 35 Jahren.
In den 1980ern erlebte Simbabwe unter Mugabe einen wirtschaftlichen Aufschwung. Doch dann betrieb Mugabe eine Politik, die einzig darauf abzielte, ungeliebte Gegner zu schwächen und deigene Leute zu stärken. Ein Sumpf der Korruption entstand. Einst geliebt, ist der Beliebtheitsgrad von Mugabe nun auf einem neuen Tiefstand angelangt. Simbawe hofft deshalb auf einen neuen Regierungschef.
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