Von: Claudia Bracholdt
Darfur-Konflikt im Sudan hält an
Nichts unter Kontrolle
Der Rebellenbewegung im Sudan ist es erstmalig in der Geschichte des Darfur-Konflikts gelungen, bis zur sudanesischen Hauptstadt Khartum vorzudringen. Bereits 2003 eskalierte die Auseinandersetzung in einen der schlimmsten Bürgerkriege Afrikas.
Die internationalen Medien berichteten aber nur spärlich. Die Rebellen der "Bewegung für Gerechtigkeit und Gleichheit" (JEM) fielen am Abend des 10. Mai in die Außenbezirke von Khartum ein. In dem Vorort Omdurman lieferten sie sich heftige Kämpfe mit der Armee. "Wir versuchen nun Khartum unter unsere Kontrolle zu bekommen", äußerte ein hochrangiger Kommandeur der JEM gegenüber "Die Presse". Die Rebellen erhielten Unterstützung von der Stadt, sogar von der Armee. Am folgenden Tag zogen sich die JEM-Kämpfer zurück.
Gegenseitige Beschuldigungen
Die sudanesische Regierungspartei erklärte den Angriff zurückgeschlagen zu haben. An diesem Wochenende sollen nach Medienberichten mehr als 200 Menschen ums Leben gekommen sein. "Alles ist unter Kontrolle", ließ der sudanesische Präsident Omar Al-Baschir am Sonntag in einer Fernsehansprache verlauten.
Desweiteren klagte er das Nachbarland Tschad an, den Rebellen, die aus der Darfur-Region im Westsudan stammen, bei ihrem Angriff geholfen zu haben. Schon früher hatten sich Tschad und Sudan gegenseitig beschuldigt, die Rebellenbewegungen des jeweils anderen zu unterstützen oder ihnen zumindest Zuflucht zu gewähren. Noch im März 2008 hatten sich die Präsidenten der Nachbarländer darauf geeinigt, die Tätigkeiten der Rebellen so gut es geht einzuschränken oder zu unterbinden.
Tschad schließt Grenzen zum Sudan
In Folge der Vorwürfe gegen die tschadische Regierung schloss diese in der Nacht zum 13. Mai ihre Grenzen zum Sudan und brach alle diplomatischen Verbindungen zum Sudan ab. Außerdem machte sie die Verkehrswege dicht. So verbot die Regierung sudanesische Sendungen oder den Verkauf von sudanesischer Musik. Der Grund für die Vorwürfe des Sudans wären ein gesuchter Vorwand, den Tschad angreifen zu können, äußerte ein tschadischer Diplomat im britischen Rundfunksender BBC.
Die internationale Politik scheint gelähmt zu sein, Friedensverhandlungen sind schwierig, auf Sanktionen konnte sich die anderen Länder bisher nicht einigen. So beliefert China beispielsweise den Sudan mit Waffen. Die Volksrebuplik soll in den vergangenen Monaten mindestens sechs A-5 Kampfjets sowie FN-6 Boden-Luft-Lenkwaffensysteme an den Sudan geliefert haben, heißt es auf der Internetseite der Darfur-Hilfe. "Es dauert zu lange. Andere aktuelle Konflikte verdrängen das Geschehen in Darfur immer wieder", erklärt Gerhart Baum in einem Interview auf spiegel-online. Er war Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für Menschenrechte im Sudan von 2000 bis 2003.
Offensive wird fortgeführt
Besonders den amerikanischen Medien wird Desinteresse am Darfur-Konflikt vorgeworfen. Erst im Jahr 2006 boomte die Darfur-Berichterstattung. Zahlreiche Hilfsaktionen liefen an, wie zum Beispiel die "Rock for Darfur"-Kampagne von Myspace. Über deren Ergebnis und auch über die Resultate anderer Aktionen gibt es kaum Belege. Ausgangspunkt war es, gegen die Marginalisierung der Bevölkerung in der Darfur- Region durch die sudanesische Regierung zu protestieren.
In den vergangenen Jahren warfen Menschenrechtsorganisationen der Regierung zahlreiche Verstöße gegen Menschenrechte vor. Diese hatte 2003 angefangen, Milizen auszubilden, die aber vor allem die Zivilbevölkerung verfolgt haben sollen. Auch sexuelle Gewalt soll zu den sudanesischen Kriegswaffen gehören. Die Afrikanische Union forderte die beiden Länder am Sonntag auf, von weiteren Gewaltausbrüchen abzusehen. Der Rebellenführer Chalil Ibrahim kündigte indes die Fortführung der Offensive an.
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