Von: Axel Ehrlicher
Georgien feiert 90 Jahre Unabhängigkeit
Konfliktherd Kaukasus
Am 26. Mai 1918 erklärte sich Georgien als Demokratische Republik Georgien (DRG) für unabhängig. Doch bis zum heutigen Tage herrschen weder politische noch gesellschaftliche Stabilität im Land. Am heutigen Montag hat die georgische Opposition die Bevölkerung zu Protesten aufgerufen.
Doch Feierstimmung will nicht aufkommen. Die Zweifel an den Ergebnissen, der jüngsten Parlamentswahlen, vom 21. Mai, entfachen erneut das Protestfeuer der Vereinigten Opposition in der Hauptstadt Tiflis. Bei einer Kundgebung, am Freitag den 23. Mai, rief einer der Oppositionsführer die Teilnehmer auf, sich der geplanten Protestaktionen am Unabhängigkeitstag anzuschließen. Am Sonntag den 25. Mai schloss sich schließlich auch die Christlich-Demokratische-Bewegung dieser Forderung an. Gegenüber Interfax sagte deren Vorsitzender, Georgi Targamadse: "Es hat ernsthafte Wahlverstöße gegeben, wir haben faktisch ein Einparteienparlament, das nicht den Aufbau der Gesellschaft spiegelt."
Situation mit Russland wieder angespannt
In dieser Situation steigen nun auch die Spannungen zwischen Russland und Georgien, um die abtrünnigen Provinzen Abchasien und Südossetien, an. Die Landstriche, die sich Anfang der Neuziger Jahre von Georgien abspalteten, sind international nciht anerkannt. Russland untersützt sie hingegen seit Jahren in ihren Autonomiebestrebungen. Zudem versucht die russischie Führung derzeit, eine Westöffnung Georgiens über einen NATO-Betritt zu verhindern. Erst seit Ende März gibt es wieder Direktflüge nach Georgien. Der georgische Außenminister Dawit Bakradse sagte dazu: "In Russland hält man es für möglich, ein Drittel von Georgien zu annektieren, und gleichzeitig mit den verbleibenden zwei Dritteln die Beziehungen zu verbessern. Das ist eine falsche Haltung."
Ständige Verwüstungen durch Sieger
Georgien ist ein kleiner Staat im Kaukasusgebirge, der etwa so groß wie Bayern ist, blickt auf einen harten Kampf um seine Unabhängigkeit zurück. Bereits im Mittelalter musste sich das georgische Volk gegen Angriffe der Römer, Perser, Byzantiner, Araber und Türken zur Wehr setzen. Diese Schlachten endeten meistens mit einer Niederlage. Die Folge: Die Sieger verwüsteten Georgien und brachten es in ihre Gewalt.
Auch die Bindung an Russland hat eine lange Tradition. Georgien war im 18. Jahrhundert durch permanente Angriffe der Türken und Perser fast dem Untergang geweiht. Aus diesem Grund sah der damalige König Georgiens einen Schutzvertrag mit Russland als einzigen Ausweg für sein Land. 1783 erkannte er die Oberhoheit und den Schutz des russischen Zaren an, durfte dafür aber keinerlei Beziehungen zu den islamischen Ländern unterhalten.
Russland unterdrückte Demonstrationen
Die folgenden 135 Jahre waren aber keineswegs eine Zeit des Friedens. Die zaristischen Machthaber übernahmen nach und nach die Kontrolle über das Land. Nur durch andauernde Aufstände und dem Zerfall des Zarismus konnte sich das Land letztendlich befreien.
1917 war das Revolutionsjahr für Russland. Die gewaltsame Machtergreifung durch die russischen Bolschewiki, lies das Land in eine instabile politische Situation geraten. Diesen Zustand nutzten unter anderem die Georgier, um ihren Staat am 26. Mai 1918 für unabhängig zu erklären. Jedoch stabilisierte sich die Lage Russlands sehr schnell. Dadurch griff die Rote Armee Georgien bereits 1921 an und besetzte das Land erneut. Die Sowjetunion machte Georgien zu einer Sowjetrepublik.
Land leidet unter schwacher Wirtschaft
In den folgenden Jahren kämpfte das Georgische Volk, angetrieben von einem starken Nationalstolz, gegen die Russifizierung ihres Landes. Die Rote Armee unterdrückte mit Gewalt zahlreiche Demonstrationen und tötete viele Demonstranten, darunter auch Frauen und Kinder. Gegen Ende der 1980er Jahre, parallel zu dem sich immer stärker abzeichnenden Zerfall des Ostblockes, entwickelte sich eine breite georgische Unabhängigkeitsbewegung.
Am 9. April 1991 erklärte sich Georgien erneut unabhängig. Eduard Schewardnadse, zweiter Präsident des nun wieder unabhängigen Staates und einst Kommunist, leitete demokratische Reformen ein. Dennoch leidet Georgien neben einer schwachen Wirtschaft und Korruption auch immer wieder unter Wahlfälschungen. Dies führt bis zum heutigen Tag zu gesellschaftlichen und politischen Unruhen.
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