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Freitag, 6. Juni, Alter: 4 Jahre » Zurück

Von: Miriam Walther

Ostdeutsche Hochschulen bekommen Finanzspritze

Elite-Mangel in Sachsen

Wie Bildungsministerin Annette Schavan bereits ankündigte, erwartet die Neuen Bundesländer und Berlin eine Finanzspritze enormen Ausmaßes. Was eigentlich schon längst in trockenen Tüchern ist, wird unter der Decke noch diskutiert.

Absolventen

Nicht alle Hochschulabsolventen haben Grund zur Freude, aber die Elite. (Foto: Benjamin Löwe)

Es ist fraglich, ob dieser Weg, finanzpolitisch der richtige ist. Die Millionenfinanzspritze ist ein Bundesprogramm für "Spitzenforschung und Innovation für die Neuen Länder". Die Deutsche Forschungsgemeinschaft und der Wissenschaftsrat unterstützen das von Forschungsministerin  Annette Schavan am 5. Mai 2008 vorgestellte Förderprogramm. Mit sechs Pilotprojekten wird die Hochschullandschaft maßgebend verändert. Für jedes Neue Bundesland und Berlin ist eine Finanzhilfe mit einem Förderbudget von 45 Millionen Euro geplant. Und der bundesdeutschen Finanzspritze wird kein Abbruch getan. Bis zum Jahr 2010 sind weitere 200 Millionen Euro zugesichert. Dazu bewerben sich die Hochschulen mit ihrem speziellen zu fördernden Fachbereich, wie Studenten für einen Studienplatz.

Ostdeutsche Hochschulen im Aufbruch

Im ersten Moment wirkt das Programm ostlastig. Dem entgegnet der Bildungsminister von Sachsen-Anhalt Jan-Hendrik Olbertz (parteilos) gegenüber der Tageszeitung "Die Welt": "Das ist keine ostmodifizierte Exzellenzinitaive". Olbertz betont, dass es nicht an Ideen mangelt, sondern vielmehr an der finanziellen Umsetzung. Die Kapazitäten sind in den Neuen Ländern längst nicht mehr nötig. Der demografische Wandel ist auch in den Hörsaalen zu verzeichnen.

Sachsen rechnet, nach Zahlen des statistischen Landesamtes, im Vergleich zu 2006, mit einem Bevölkerungsrückgang von rund 375 000. Das sind 8,8 Prozent. Entweder könnte sich dies zu einer Erfolgsmisere entwickeln oder Studenten aus den Alten Bundesländern nach Ostdeutschland ziehen - der neuen, innovativen Forschungseinrichtungen wegen.

Förderung nur für führende Unis

In Sachsen ist bisher keine Universität der Exzellenzinitiative zugeordnet. Allerdings ist die Dresdner erstmals von der internationalen politikfernen Fachjury auserwählt. Das bedeutet: Ausgewählte Universitäten erhalten extra Gelder vom Bildungsministerium, im Rahmen des oben genannten Programms. Neben Dresden sind die Hochschulen in Jena und Leipzig dabei und bekommen eine entsprechende Förderung.

Schwachpunkt der Initiative: Gefördert werden nur die Unis, die bereits eine führende Position einnehmen. Fachhochschulen wie die in Mittweida bekommen keine Unterstützung. Wie Professor Ludwig Hilmer, Dekan des Fachbereichs Medien erläutert, verwenden jedoch einige Fachhochschulen gern den Begriff Exzellenzinitiative in ihrem Sinne, obwohl sie nicht betroffen sind.

Internationaler Wettbewerb steht im Vordergrund

Das Leuchtturmprinzip ist nicht jedermanns Sache. Denn es werden auf diese Weise universitäre Forschungseinrichtungen ausgewählt und gesondert gefördert - rein für den internationalen Wettbewerb. Ziel: Die Schaffung einer weltweiten Forschungselite. Im Jahr 2006 freuten sich die Universitäten in München und Karlsruhe. Damals verteilte sich die Exzellenz der Hochschulen im südlichen Teil Deutschlands.

Ostdeutschland schien überhaupt keiner Beachtung würdig. Die Unis der Neuen Bundesländer rutschten durch das Bewerbungsraster der Exzellenzinitiative. "Das Abschneiden der ostdeutschen Hochschulen ist nicht zufriedenstellend", sagt Barbara Dufner, Pressesprecherin des Bundesministeriums für Forschung und Bildung gegenüber medien-mittweida.de. Sie erklärt weiter: "Viele ostdeutsche Hochschulen waren noch nicht so weit in ihrer Aufholjagd, um an die Spitzenuniversitäten im Westen anschließen zu können".

Welt-Unis sollen deutsche Konkurrenz spüren

Forschung fordern. Eine Idee, deren Ursprung in der alten SPD-Regierung verwurzelt ist. Die Eliten dieser Welt wie Harvard und Oxford sollen eine deutsche Konkurrenz spüren. Die Technische Universität München möchte bald zu den 25 weltweit besten gehören. Doch da gibt es noch ein Problem. Denn die Forschungsinitiative ist allein dem internationalen Wettbewerb gewidmet, obwohl die Hörsaale und die Studienbedingungen insgesamt marode sind. Der Bremer Hirnforscher, Professor Gerhard Roth, sieht für die Elite Deutschlands keine Chance. "Die Besten der Besten orientieren sich lieber ins Ausland. Da liegen bessere universitäre Bedingungen vor", sagt er im Gespräch mit der Zeitung "Die Welt".

Ebenso blieben die Geistes-, Sozial, und Kulturwissenschaften auf der Strecke. Ausschließlich Bio-, Natur und Technikwissenschaften erhalten Förderungen. Den Fokus auf nur technologische Gebiete zu legen ist äußert zweifelhaft. "Den anderen Fachbereichen wird damit deren Überflüssigkeit vermittelt", ist sich Roth sicher. Aber was ist mit besseren und gleichen Bedingungen für alle Hochschulen, Studenten und die Lehrenden? Studiengebühren sind in den meisten Bundesländern Normalität, um die Studienbedingungen zu verbessern. Doch den Wettbewerb zu beherrschen, scheint fast wichtiger. Aus welcher Überlegung ensteht sonst eine solche Exzellenzmaßnahme?



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