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Dienstag, 10. Juni, Alter: 4 Jahre » Zurück

Von: Marie Schneider

EU-Verkehrsmodell startet in Deutschland

Ende des geregelten Chaos

"Shared Spaces" ist ein neuartiges Verkehrskonzept, an dem derzeit die EU mit sieben Partnerstaaten arbeitet. Grundidee ist, Verkehrszeichen und -regeln aufzuheben und die räumliche Unterteilung von Straße und Gehweg. Erste Erfolge sind in den Niederlandenzu beobachten.

Ampel

Der Schilderwald wird abgeholzt. (Quelle: Pixelio.de/Foto: Ernst Rose)

Am 21. Juni startet auch die erste deutsche Stadt den Selbstversuch. 5070 Verkehrstote im vergangenen Jahr, 420 000 Verletzte bei Straßenverkehrsunfällen und über zwei Millionen registrierte Unfälle. "Tendenz steigend", so das Statistische Bundesamt. Keine guten Aussichten für deutsche Verkehrsteilnehmer. Auch die derzeitigen Neuerungen im Bußgeldkatalog lassen erkennen, dass die Lage auf Deutschlands Straßen alles andere als geordnet ist: Doppelt so hohe Strafen für Raser und Drängler sind Reaktionen auf die Situation.

Soziale Koexistenz im Straßenverkehr

Das Projekt "Shared Spaces" sieht vor, alle herkömmlichen Regelungen im Straßenverkehr abzuschaffen. Konzipiert von der EU und sieben Partnerstaaten bedeutet dies die Demontage der Verkehrschilder, das Umbauen von Ampelkreuzungen zu Kreisverkehren und die Gleichberechtigung von Gehweg und Straße.

Ziel ist eine Verkehrsberuhigung, die seit den 1970ern angestrebt wird. Vor allem aber soll die Rücksichtnahme untereinander im Vordergrund stehen. Verkehrswissenschaftler Professor Monheim der Universität Trier nennt es "das Konzept einer sozialen Koexistenz im Straßenverkehr."

Mit Tempo 30 durch die Stadt

Vater der Idee ist der Niederländer Hans Modermann. In seiner Heimat ist das Konzept bereits in drei Gemeinden erfolgreich gestartet. Die Zahl der Verkehrsunfälle sank seitdem um 60 Prozent. Bei einer generellen Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometern die Stunde ist das nicht verwunderlich.

Momentan nehmen sechs weitere EU-Staaten an "Shared Spaces" teil. Neben Großbritannien, Belgien und Dänemark schickt nun auch Deutschland eine Stadt ins Rennen: Den Niedersächsischen 13 600-Seelen-Ort Bohmte. Am 21. Juni 2008 nehmen sie offiziell die umgebaute Hauptverkehrsstraße in Betrieb. Rund 22 000 Autos leitet die Route dann täglich durch den Verkehr.

Verluste bei Schildherstellern

Den Kommunen bringt das Konzept auch finanzielle Vorteile: Weniger Ausgaben für Verkehrszeichen und Ampelssysteme. Ilona Metzner von der Firma "Werbetechnik-Metzner" kennt die Preise. "Ein Standard-Verkehrsschild kostet die Stadt im Schnitt 60 Euro plus Montage. Auf einem Straßenabschnitt mit vergleichsweise wenig Verkehrszeichen wäre das eine Ersparnis von rund 1 000 Euro", betont sie gegenüber medien-mittweida.de.
 
Durchsetzen wird sich das Konzept nach ihren Vorstellungen, in Städten wie Chemnitz mit mehr als 222 000 zugelassenen PKW, allerdings nie. "An manchen Stellen ist der Schilderwald zwar zu groß, aber das so folgende Chaos wäre enorm. Die Einsparungen würden den vermehrten Unfällen nicht gerecht", befürchtet Ilona Metzner. 



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