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Donnerstag, 12. Juni, Alter: 4 Jahre » Zurück

Von: Axel Ehrlicher

Am 12. Juni ist Internationaler Tag gegen Kinderarbeit

Geraubte Kindheit

1989 sichern die Vereinten Nationen mit der UN-Kinderrechtskonvention Kindern das Recht zu, Schutz vor wirtschaftlicher Ausbeutung zu genießen. Die Internationale Arbeitsorganisation richtete 2002 einen Welttag gegen Kinderarbeit ein, um auf die Folgen und Ursachen aufmerksam zu machen.

Spielplatz

Kinder auf den Spielplatz, statt auf Arbeit. (Quelle: Pixelio/Foto: Mandy Bremse)

Die Zahlen über Betroffene sind vage. Allgemein sprechen Menschenrechtsorganisationen von einer Bandbreite zwischen 73 und 250 Millionen Kindern in Arbeit. Die Internationale Arbeitsorganisation (IAO), eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen, geht von rund 218 Millionen Kindern aus. Asien und Afrika führen dabei mit 25 bis 40 Prozent am globalen Ausmaß die Liste unrühmlich an. Spitzenreiter sind Länder wie Indien, Pakistan oder Nigeria. Schwerpunkte sind hierbei die Landwirtschaft und vornehmlich rückständige Betriebe sowie die Tourismusindustrie. Laut IAO sind etwa zehn Prozent der Beschäftigten Kinder. Bislang fehlt aber eine allgemeine Definition des Begriffs "Kinderarbeit".

Besserung ist in Sicht

Dennoch glaubt die IAO, dass Kinderarbeit in ihrer schlimmsten Form in den kommenden zehn Jahren weitgehend beseitigt ist. Bei den fünf bis 14-Jährigen hätten gerade diese Arbeitsformen im Zeitraum von 2000 bis 2004 um 33 Prozent abgenommen. Fortschritte erzielten vor allem Länder in Lateinamerika und der Karibik, wo nur noch rund 5 Prozent aller Kinder arbeiten.

Auch in Asien sanken die Zahlen um 5 Millionen. Grund dafür: Kampagnen für fairen Handel, politische Entscheidungen und neue Gesetze. Aber auch die Einführung der allgemeinen Schulpflicht hat dazu beitragen, die Kinderarbeit zu reduzieren.

Produkte erhalten Siegel

Seit Mitte der 80er Jahre erlangt das Thema mehr Aufmerksamkeit, was sich in verschiedenen Initiativen und Programmen widerspiegelt. Ein Beispiel die Teppichsiegelkampagne von "Brot für die Welt", eine produktbezogenen Maßnahme, die Kinderarbeit durch Preisaufschläge zu Lasten der Konsumenten unrentabel macht.

Dafür tragen die Produkte ein ausweisendes Siegel. Aber es geht Kindern nicht immer besser, wenn sie etwa ihren Job verlieren. Persönliche Not und ein Mangel an Bildungsangeboten sorgen oftmals dafür, dass sie schlechter bezahlte Tätigkeiten annehmen müssen, um ihre Familien zu ernähren.

Korruption ist ein Problem

Es handelt sich größtenteils um Kinder aus armen Bevölkerungteilen. Die Löhne sind erschreckend niedrig - von der Hälfte des üblichen Lohnniveaus bis zu einem entsprechenden Maß eines Mindestlohnes. Die Schulgebühren, Bücher und Fahrtkosten kommen in einigen Ländern hinzu, so dass es lohnender scheint, die Kinder zur Arbeit zu schicken. Die Fehlzeiten in der Schule verbauen schließlich die Aussicht auf eine bessere Zukunft.

Naheliegend ist der Schluss, die Politik müsse stärker eingreifen. Tatsächlich hat sie dies mit Regelungen und Gesetzen auch getan. So hat beispielsweise die indische Regierung am 10. Oktober 2006 ein Gesetz verabschiedet, das jegliche Arbeit für Kinder unter 14 Jahren verbietet. Kinderarbeitgeber stehen jetzt unter einem erheblichen Druck, auch von Seiten der Konsumenten. Nur fehlt es oft an korruptionsfreien Kontrollinstitutionen.

Fußbälle aus Kinderhänden

Die Briten brachten, als Herrschaftsmacht Indiens, verschiedene Sportarten ins Land, so auch den Fußball. Wenn solch einer nun kaputt war, reparierte ihn jemand. Schon bald stellten die Inder selbst welche her. Heute kommen rund 80 Prozent der Bälle aus dem pakistanischen Sialkot, im Nordosten des Landes. Die Bälle werden oft in Heimarbeit genäht. Ein Kind schafft drei bis fünf am Tag. Ein Ball bringt weniger als zehn Cent ein.

Die FIFA hat das Problem erkannt und Qualitäts- und Sozialstandards bei der Herstellung von Fußbällen gefordert. Dem Internationalen Gewerkschaftsbund (ICFTU) ist es aber bislang nicht gelungen, die FIFA zu einer rechtsverbindlichen Unterzeichnung über Sozialstandards zu bewegen. Die Sportartikelindustrie hat auch ein reges Interesse, das zu verhindern. So produzieren auch weiterhin Kinderhände Fußbälle für den Weltmarkt. Während der Fußball-EM ein fader Beigeschmack.

Erstes Gesetz 1839 in Preußen

Ein neues Thema ist Kinderarbeit keinesfalls, auch kein regionales. Mit der Industrialisierung nahm sie im 18. und 19. Jahrhundert in Europa und USA enorme Ausmaße an. Kinder arbeiteten in dieser Zeit als Hilfskräfte, Dienstboten, aber auch in der Textilindustrie, in Kohlegruben und Minen, zwischen 10 und 16 Stunden täglich. Manche Arbeiten übten ausschließlich Kinder aus, der Körpergröße wegen. 

Die Folgen spürte bald das Militär. Zwangsläufig hatte unter anderem die preußische Armee Probleme, gesunde Rekruten zu finden. Also erließ der preußische Staat im Jahr 1839 ein Gesetz, das preußische Regulativ, das Kindern unter zehn Jahren die Arbeit verbot. Um Verstößen vorzubeugen, gründeten die Preußen die Gewerbeaufsicht. Inzwischen ist in Deutschland Kinderarbeit durch das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) vom 12.4.1976 definiert. Dass heißt, Arbeit von Kindern, die noch der Vollzeitschulpflicht unterliegen, ist mit Ausnahme leichter Tätigkeiten für 13-Jährige und ältere im Gesetz verboten.



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