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Von: Claudia Bracholdt

Diskussionen über die Olympische Spiele 2008

Zerreißprobe China

Acht Tage vor dem Beginn der Olympischen Spiele schaut die Welt mit gemischten Gefühlen nach Peking. Rege Vorfreude, aber auch Enttäuschung über das Verhalten der chinesischen Regierung stehen auf der Tagesordnung.

Das Stadion in Peking

Im "Vogelnest", dem Olympiastadion in Peking, findet am 8. August die Eröffnungsfeier statt. (Quelle: pixelio.de)

Eine große Dunstwolke liegt derzeit über Peking. Um dieses Problem zu beheben, dürfen seit dem 20. Juli in der chinesischen Hauptstadt nur noch die Hälfte der 3,3 Millionen Fahrzeuge genutzt werden. Laut einem Sprecher des olympischen Organisationskomitees verringere dies die Fahrzeugemissionen um 60 Prozent. Über 1 000 Fabriken rund um Peking haben die chinesischen Behörden bereits geschlossen, um ihren Gästen einen angenehmeren Aufenthalt zu ermöglichen. Bisher waren diese Aktionen allerdings nur wenig erfolgreich.

Knigge für die chinesische Bevölkerung

Auch in anderen Bereichen versucht China sein Image intensiv aufzubessern. Dieses litt insbesondere unter den Auseinandersetzungen um die Aufstände in Tibet und durch unzählige Menschenrechtsverletzungen in den vergangen Jahren.

Nun will die Regierung zeigen, dass sie fähig ist, friedliche Spiele zu veranstalten und dabei das Wohlbefinden der Gäste ganz groß schreibt. Dazu soll beispielsweise das Benehmen der chinesischen Bevölkerung reformiert werden, unter anderem durch Rauch- und Spuckverbote sowie Spezialtage, wie dem "Lining Up Day". An diesem Tag, den die Chinesen an jedem Elften des Monats begehen, sollen sie üben, sich ordentlich in Schlangen anzustellen und werden dabei von ehrenamtlichen Helfern überwacht. Auch den "Share Your Seat Day" haben sich die Organisatoren ausgedacht. An diesem Tag sollen die Menschen ihren Sitzplatz in öffentlichen Verkehrsmitteln teilen oder ihn anderen anbieten.

Keine Meinungsfreiheit

"Vor sieben Jahren hat die chinesische Regierung versprochen, dass die Menschenrechtslage mit den Olympischen Spielen verbessert wird. Das ist nicht der Fall", meint Martin Kohlisch, ein Vertreter der Amnesty Hochschulgruppe Jena, in einem Interview mit JenaTV. Er und seine Mitstudenten organisierten einen Fackellauf unter dem Motto "Gold für Menschenrechte".

In der Tat häufen sich mit dem Heranrücken der Olympischen Spiele die Ausweisungen oder Verhaftungen von Journalisten, Internetaktivisten, aber auch grundsätzlichen Regimekritikern. Christlichen Chinesen verboten die Behörden den Kontakt ins Ausland mit der Begründung, dass dieser zu einer Störung der Harmonie im Land führe. Die Verhaftungen verteidigt die chinesische Regierung mit dem Argument, die Spiele so vor Terrorangriffen zu schützen.

Die Haft des chinesischen Olympiaaktivisten Ye Guozhu etwa, der die letzten vier Jahre in einem chinesischen Gefängnis saß und nun freikommen sollte, verlängerten die Behörden. Ye Guozhu werfen die Gerichte vor "eine Menschenmenge versammeln zu wollen, um die öffentliche Ordnung zu stören", berichtet die Netzzeitung. Er und seine Familie sind Opfer der Zwangsenteignungen in Peking, die die Bauherren im Vorfeld der olympischen Spiele vornahmen. Als er sich dagegen wehrte, indem er 2004 eine Demonstration beantragte, inhaftierte die Polizei ihn kurzerhand.

Die amerikanische Außenministerin Condoleezza Rice warnte die chinesische Regierung indes davor, die vermeintliche Erhaltung der Sicherheit auszunutzen, um unliebsame Dissidenten loszuwerden.

Propaganda verboten

Doch viele Chinesen freuen sich auf die olympischen Spiele, denn sie sehen sie als Chance für China, sich zu öffnen. Während die chinesische Regierung das Wort "Propaganda" verbietet und schlichtweg in "Öffentlichkeitsarbeit" umtauft, macht sich ein Patriotismus im Land breit, für den die Chinesen zwar bekannt sind, der aber selten von solchem Umfang war, berichtet die Berliner Zeitung.

Nach wie vor besteht die Hoffnung, dass sich Chinas Einstellung zu verschiedenen Themen mit den Olympischen Spielen ändert. "Wir wollen, dass China offen wird, was die Menschenrechte angeht, wir wollen, dass es zuversichtlich in eine demokratischere Richtung geht", äußert der China- Experte David Zweig, der an der technischen Universität in Hongkong lehrt, in einem Interview mit dem Deutschlandfunk. Er warnt vor der Isolation Chinas: "Wenn China merkt, dass es nicht willkommen ist, dann kann das dazu führen, dass ein beleidigtes, mächtiges China, dem Westen feindlich gegenüber steht."

Fraglich ist die Reaktion Chinas auf die teilweise Boykottierung der Eröffnungsfeier am 8. August. Staatsvertreter wie Angela Merkel oder der britische Premier Gordon Brown nehmen nicht an der Feier teil. Andere Staaten wie die USA oder Frankreich haben sich gegen ein Fernbleiben entschieden.



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