Von: David Lochner
Simbawe und der Inflationskampf
Land der armen Reichen
In Deutschland liegt die Inflationsrate bei 3,3 Prozent. In Simbabwe, nach Angaben der Regierung, bei 11,2 Millionen Prozent. Tendenz steigend. Damit ist das Land weltweit Spitze. Die Regierung plant jetzt einen 75-Milliarden-Dollar-Schein.
Im Juli gab Simbabwes Statistikamt in Harare erstmals nach Monaten offizielle Zahlen bekannt wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. Laut Angaben des Finanzministers Samuel Mumbengegwi sei die Inflation in den vergangenen Monaten von 86 auf 31 Prozent gesunken. "Wir sind sehr glücklich, dass die Inflation sinkt", sagt er auf az.com. Dabei könnte es sich um eine Verharmlosung der Tatsachen handeln. Denn die Bekanntgabe der Daten lässt vermuten, dass Inflationsrate höher sein müsste.
Volkswirtschaft schrumpft am schnellsten
Simbawe hat nach Angaben der Staatszeitung "The Herald", unter Berufung auf das zentrale Statistikamt CSO, die höchste Inflationsrate. Nach Angaben der Weltbank, ist das Land zudem die am schnellsten schrumpfende Volkswirtschaft. Zum Vergleich: In Deutschland lag die Inflation in den ersten Nachkriegsjahren bis 1923 bei rund 5 000 Prozent. In Simbabwe lag sie, laut Sueddeutsche.de, Mitte 2006 bei 1 000 Prozent und steigt seitdem unaufhörlich.
Gründe für die Inflation ist die zunehmend autoritäre Regierung des Präsidenten Robert Mugabe. Im Jahr 2000 enteignete er tausende weiße Bauern im Rahmen einer Landreform. So begann für die einstmalige "Kornkammer" Afrikas eine verheerende Wirtschaftskrise. Hinzu kommt durch die steigenden Strom- und Lebensmittelpreise ein Nahrungsmittelmangel. Um sich eine Existenz zu sichern, setzt ein Großteil der Bevölkerung auf Tauschhandel. Sofern die Menschen überhaupt Waren anbieten und die Leute das Geld dafür haben, zahlt die Bevölkerung mit dicken Geldbündeln.
Abwertung der eigenen Währung
Um die Inflation aufzuhalten, wertete die Regierung schon einige Male den Simbabwe-Dollar ab. Erst im Juli strich die Zenralbank zehn Nullen von den Geldscheinen. Die Inflation steigt weiter und für eine ernsthafte Lösung der Probleme hat Simbawes Regierung bisher keine Lösung gefunden. Erst im Juli 2008 führte sie einen 200 000 Dollar Schein ein. Ein 75-Milliarden-Dollar-Schein ist in Planung.
Nach neusten Angaben will Großbritanien seiner ehemaligen Kolonie Simbabwe mit Fördergeldern unterstützen. Einzige Bedingung sei eine "wirkliche" Machtteilung mit der Bewegung für Demokratischen Wandel. Die Zahlungen sollen den Menschen helfen, sich wieder ein Leben aufzubauen.
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Schade, daß zum Vergleich mit Deutschland nicht die Inflation der "Waren täglichen Bedarfs", also die gefühlte Inflation, herangezogen wird. Diese ist nach wissenschaftlichen Kriterien erstellt (Sortierung nach Häufigkeit) und beträgt laut Destatis zirka 12 Prozent. Ebenfalls schade, dass für den Niedergang die Politik des IWF völlig unerwähnt bleibt.