Von: Markus Drowatzky
Wahlkampf für die Bundestagswahl hat begonnen
Kampf um die Wählergunst
Der Wahlkampf zeigt sich anfänglich von seiner schmutzigen Seite: Beschimpfungen gehören zum Alltag der Politiker um Wähler zu gewinnen. medien-mittweida.de unterhielt sich mit dem ehemaligen Wahlkampfmanager von Edmund Stoiber, Michael Spreng über dieses Thema.
Frank-Walter Steinmeier und Wolfgang Schäuble sprechen auch außerhalb des politischen Geschehens oft übereinander. Die Anhänger der beiden großen Parteien beschimpfen sich seit einigen Wochen öffentlich via Medien. Für den Bürger und Wähler ein untrügliches Zeichen, dass der Wahlkampf begonnen hat. Ob jedoch mit diesen Vorwürfen schon Wähler für die im September stattfindende 17. Bundestagswahl gewonnen werden können ist fraglich. "Eigentlich beginnt im Frühjahr die erste Wahlkampfphase", erzählt Michael Spreng gegenüber medien-mittweida.de. Der frühere Wahlkampfmanager von Edmund Stoiber hält nicht viel von gegenseitigen Anschuldigungen. "Die großen Parteien schaden sich damit selbst", sagt er. Zumal erst im Frühjahr von richtigem Wahlkampf gesprochen werden kann. Dann legen die Parteien ihre Programme fest und schaffen sich so Ziele für ihren Quotenkampf. "Im Sommer beginnt die Sympathiephase, in der die Parteien verstärkt auf Wählerfang gehen und anschließend versuchen ihre Wähler zu mobilisieren", berichtet Spreng.
Wahlkampf zunehmend multimedial
Um Wähler zu akquirieren, schrecken die Politiker auch nicht vor den neuen Methoden multimedialer Wahlkampfführung zurück. Neben einem geplanten TV-Duell der Spitzenkandidaten schreiben zahlreiche Politiker auch fleißig Kurznachrichten via twitter. "Ob es tatsächlich viele Twitter-Leser gibt ist fraglich", sagt Spreng. Der Wahlkampf ist im Wandel, zum einen haben herkömmliche Methoden wie Wahlplakate und Flugblattaktionen ausgedient zum anderen sind die Auftritte deutscher Politiker bei Internetportalen, wie youtube.com und twitter nur bedingt glaubwürdig. "Solange sich die Politiker über das Internet nur oberlehrerhaft geben und es verpassen, den Dialog
zu suchen, hat der multimediale Wahlkampf auf lange Sicht wenig Effekt", betont Spreng.
Viele Themen und keine perfekten Kandidaten
Für die Parteien ist 2009 ein schwieriges Wahlkampfjahr. Einerseits ist die Wirtschaftskrise und die Arbeitslosigkeit ein großes und nicht vorhersehbares Problem, andererseits sind die Spitzenkandidaten makelbehaftet. "Die hohe Arbeitslosigkeit und die Wirtschaftskrise sind das Wahlkampfthema schlechthin", meint Spreng, "je nachdem, wie sich die Arbeitslosenzahlen entwickeln, verändert sich auch das Wählerverhalten." Die Parteien können sich deshalb mit ihren Wahlkampfthemen im Moment auch sehr schnell verkalkulieren und seien daher im Moment selbst überfordert. Egal ob bei Opel und den zahlreichen kriselnden Großunternehmen eine Rettung zustande kommt: die Krise bleibt in den Köpfen der Wähler.
Wahlprognose: "CDU an der Regierung beteiligt"
Das Programm muss zudem von den Spitzenkandidaten getragen werden. Diese stehen unter besonderer Beobachtung. SPD-Spitzenkandidat Frank- Walter Steinmeier muss die "Agenda 2010 tragen, über die er jetzt am liebsten nicht mehr sprechen würde", sagt Spreng, "und Angela Merkel wird von vielen Wählern der CDU/CSU als zu wenig konservativ angesehen." Die Wahl ist laut der Forsa-Umfrage vom 4. März 2009 noch nicht entschieden, doch wenn man Spreng glaubt, "dann können wir schon davon ausgehen, dass die CDU an der Regierung beteiligt ist." Ob die 17. Regierung der Bundesrepublik Deutschland dabei wieder durch die Konstellation SPD und CDU/CSU oder vielleicht doch durch CDU/CSU und FDP gebildet wird, hängt seiner Meinung nach maßgeblich an den nächsten 30 Wochen bis zur Wahl und der allgemeinen Entwicklung der Wirtschaftskrise.
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