Von: Marion Uhlendorff
Trinkwasser bleibt knapp
"Blaues Gold" als Konfliktpotenzial
Wasser gibt es auf der Erde genug. Nutzbar ist aber nur das knappe Süßwasser. Auf dem 5. Weltwasserforum in Istanbul diskutierten Vertreter aus 180 Ländern über eine bessere Verteilung der Ressourcen. So sollen künftig drohende Konflikte um Trinkwasser erst gar nicht entstehen.
Status quo: Die Erde besteht zu 70 Prozent aus Wasser. Nur drei Prozent dieser enormen Menge sind für den Menschen trinkbares Süßwasser. Die Ressourcenverteilung des zur Verfügung stehenden Trinkwassers gestaltet sich als schwierig. Laut UNICEF hatten vergangenes Jahr circa 884 Millionen Menschen nicht ausreichend sauberes Trinkwasser.
"Easy water is over"
Vom 16. bis 22. März 2009 trafen sich rund 25 000 Wissenschaftler, Politiker und Experten aus aller Welt, um Lösungen gegen die Süßwasserknappheit auf dem Weltwasserforum zu diskutieren. "Easy water is over", formulierte es Gerad Payen, Präsident der Internationalen Vereinigung privater Wasserwirtschaft.
Wasserkrise verhindern
Den ersten Tag der bislang größten Konferenz zum Thema Wasser eröffnete die UNO mit ihrem Bericht. Einen inhaltlichen Schwerpunkt bilden die Gründe der Wasserknappheit, wie der Klimawandel, der starke Bevölkerungsanstieg oder die achtlose Wasserverschwendung. Süßwasserexperte Martin Geiger vom Weltwasserforum sagte gegenüber medien-mittweida.de, dass konkrete Gegenmaßnahmen geschaffen werden müssen, um eine drohende Wasserkrise zu verhindern. Laut Geiger seien wichtige Schritte zur Lösung des Problems die Umsetzung der EU-Wasser-Rahmenrichtlinien im Mittelmeer, sowie die Durchführung ständiger Umweltverträglichkeitsprüfungen. "Wer die Wasserkrise effektiv bekämpfen will, der muss die entsprechenden Ökosysteme wie Flüsse und See, Auen und Moore schützen", so Geiger.
Konfliktpotenzial Wasser
Die Vereinten Nationen befürchten, dass es aufgrund der Wasserknappheit in wasserarmen Regionen, wie dem Sudan, zu Bürgerkriegen kommen könnte. Ob es in Zukunft wirklich zu Kriegen um Wasser kommt ist noch fraglich. Schon 1985 sagte der ehemalige UN-Generalsekretär Boutros Boutros-Ghali: "Wenn Wasser als Waffe eingesetzt wird, könnte auch einmal Krieg um Wasser geführt werden." Tatsächlich haben bereits Dammbau-Projekte oder Pläne zur Trinkwasserprivatisierung zu politischen Spannungen geführt.
Ein Beispiel hierfür ist der derzeit geplante Bau des Ilisu-Staudamms im türkischen Südostanatolien. Sollte der Gastgeber des Weltwasserforums – die Türkei – das Projekt nicht stoppen, kommt es zur Zwangsumsiedelung von circa 50 000 Menschen sowie zur Flutung der antiken Stadt Hasankeyf.
14 000 Liter Wasser für ein Kilogramm Steak
Neben der Trinkwasseraufbereitung für den Menschen, benötigt besonders die Industrie Wasser zur Herstellung ihrer Güter. Aufgrund der hohen Anzahl von Herstellungsschritten steigt auch der Wasserverbrauch. Eine Tatsache, die für den Endverbraucher oft nicht mehr sichtbar ist. In der Fleischproduktion beispielsweise benötigt nicht nur das Rind Wasser zum Trinken, auch für die Bewässerung von Weideflächen in trockenen Regionen ist Wasser erforderlich. So erklärt sich der Produktionsverbrauch von 14 000 Liter pro Kilogramm Steak. Die Berechnung für diverse Güter erstellte das UNESCO Institut for Water Education in den Niederlanden.
Produktionsprozesse optimieren
Ein Verzicht auf Produkte aus wasserarmen Regionen ist keine Lösung. Der Verbraucher sollte bedenken, dass Produkte wie Kaffee für wasserarme Länder wie Brasilien, eines der wichtigsten Exportgüter ist. So erzielte allein der Kaffee-Export letztes Jahr in Brasilien einen Rekordumsatz von 4,7 Milliarden Dollar. Auch die Naturschutzorganisation WWF sieht die Lösung des Problems nicht allein im Verzicht auf diese Produkte. Gegenüber medien-mittweida.de erklärte WWF-Pressesprecher Roland Gramling: "Nachhaltiger Konsum ist dringend notwendig. In erster Linie ist jedoch auch die Industrie gefordert ihre Produktionsprozesse bezüglich des Wasserverbrauchs zu optimieren."
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