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Mittwoch, 15. April, Alter: 3 Jahre » Zurück

Von: Lion Pfeufer

Interview mit Genmais-Experte Professor Meyer

"Kein Gefährdungspotenzial"

Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) hat den Anbau von genverändertem Mais in Deutschland verboten. medien-mittweida.de sprach mit Prof. Heinrich H. D. Meyer über seine Langzeitstudie, wonach Genmais der Sorte MON810 keine Gefahr für Tier und Mensch darstellt.

Genmais vom Typ MON810?

Genmais vom Typ MON810? (Quelle:pixelio.de/ Foto:Kurt Bouda)

Bereits seit 1998 ist der Anbau von Genmais der Sorte MON810 in der Europäischen Union (EU) erlaubt. Gezüchtet wurde die Maissorte, um den Schädling Maiszünsler zu töten. Im Raupenstadium frisst sich dieser Schmetterling durch den Maisstängel und zerstört damit das Getreide.

Vor allem Kritiker der Gentechnik können der Saat des amerikanischen Agrar-Konzerns Monsanto nichts Positives abgewinnen. Sie zerstörten oder besetzten in den letzten Jahren wiederholt die Anbauflächen von Genmais. Auch in der Politik regte sich der Widerstand, der jetzt in einem deutschlandweiten Verbot von Genmais gipfelt. Wegen der "von ihm ausgehenden Gefahren für die Umwelt" verhängt Aigner am 14. April eine Schutzklausel gegenüber der Firma Monsanto. Dass zu diesem Aufruhr kein Grund besteht, erklärt Professor Meyer von der TU München.

Zusammen mit dem Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten hat das Wissenschaftszentrum Weihenstephan am Einsatz von transgenem Mais MON810 bei Milchkühen geforscht. Zu welchem Ergebnis kommt Ihre Langzeitstudie?

Im Hinblick auf den Menschen gibt es ein eindeutiges Ergebnis: Es gibt keinerlei Veränderung in der Milch und auch im Fleisch. Beides ist in jeder Hinsicht gleichwertig. Weiterhin gibt es kein Gefährdungspotenzial für den Menschen, insofern ist der Mensch völlig mit berücksichtigt. Das MON810 ist nicht als Lebensmittel in der EU zugelassen, sondern ist als Futtermittel zugelassen und der Mensch könnte damit nur indirekt betroffen sein. Das ist aber nicht der Fall, weil die Milch und der tierische Organismus nicht beeinflusst sind.

Ihre Studie weist kein Gefährdungspotenzial für Mensch und Milchkühe auf. Warum hat nun aus ihrer Sicht Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner Genmais generell verboten?

Dass jetzt zusätzliche Gründe angeführt werden, dass jetzt ein neues Problem im Hinblick auf die Öko-Verträglichkeit ins Spiel kommt, ist irritierend. MON810 ist in der EU seit elf Jahren zugelassen und es hat auch damals ein ordentliches Verfahren durchlaufen. Es hat damals auch eine sorgfältige Evaluierung gegeben. In der bayerischen Landespolitik sieht es ja auch so aus, das man die Förderung der "grünen Gentechnologie" und Anwendung der "grünen Gentechnologie" immer als zwei verschiedene Dinge gesehen hat. Auf der einen Seite hat man sich bedingungslos zu der Erforschung der "grünen Gentechnologie" bekannt. Das ist sicherlich auch wichtig in dieser Form und es wäre mehr als bedauerlich, wenn die Schlüsse, die jetzt aus der Entscheidung der Frau Aigner resultieren, dahin gehen, dass man die "grünen Gentechnologie" nicht mehr als wissenschaftliche Herausforderung betrachtet.

Würde die Forschung dann in andere EU-Mitgliedsstaaten abwandern, in denen die gesetzlichen Regelungen nicht so eng sind?

Die Forschung wandert schon ab. Es ist schlicht und einfach so, dass der Pharmakonzern Bayer vor wenigen Tagen entschieden hat, dass sie vermehrt in Gent in Belgien die Forschung zur "grünen Gentechnologie" durchführen werden. Die Auflagen, die hier existieren um Studien durchzuführen, sind immens. Man hat fast keine Möglichkeiten Freilandforschung zu betreiben. Man bekommt kaum genügend Material und auch Studien an Tieren durchzuführen ist aufwendig. Der Einkauf von gentechnisch verändertem Futtermittel beispielsweise aus der US-Produktion ist nicht hinreichend geeignet, um eine solide Forschung hier zu gewährleisten. Es muss schon so sein, dass man auch einen parallelen Anbau hat, um auch wirklich gleiche Qualitäten zu haben. Insofern ist Forschung zur "grünen Gentechnologie" hier eigentlich schon stark minimiert.

Wir bedanken uns für das Interview.



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