Von: Lion Pfeufer
Sicherheit bei der Fußball-WM 2010 in Südafrika
"Keine No-Go-Areas"
Im Juni 2010 fahren Millionen Fußballfans aus aller Welt nach Südafrika. Bis jetzt sind bei der Fédération Internationale de Football Association (FIFA) schon über 1,5 Millionen Kartenbestellungen eingegangen. Für die Sicherheit von Fans und Einwohnern sind Maßnahmen dringend erforderlich.
Südafrika ist ein Land voller Gegensätze. "Wer über das Land fliegt, dem bietet sich ein spektakuläres Bild von Kapstadt mit seinen Tafelbergen, dem Ozean und der saftig grünen Vegetation bis zum kargen Land der Kalahari Wüste", so die Bewohnerin Afrikas Elmé Coetzer gegenüber medien-mittweida.de. Sie lebt in Worcester, einem Weingebiet am Westkap und kennt die oftmals angespannte Sicherheitslage. Nur auf die Polizei verlässt sie sich nicht, ihrer Meinung nach sind es derzeit noch zu wenig Polizeikräfte. Sie glaubt jedoch, dass die Regierung bis 2010 ihr Bestes geben wird, ein hohes Maß an Sicherheit zu gewährleisten.
Genau so unterschiedlich wie die Natur, ist auch das Verhältnis von Arm und Reich. Beide leben oft nicht weit von einander entfernt. Viele Menschen fristen ihr Dasein in den Elendsvierteln, den sogenannten townships. Hier leben die meisten der vier bis acht Millionen unregistrierten Einwanderer. In den townships sind die Kriminalitätsraten am höchsten, die Polizei hat es schwer in solchen Gegenden die Lage unter Kontrolle zu halten. Ausländische Medien picken sich einzelne Fälle heraus und zeichnen oft ein düsteres Bild von Südafrika. Fans haben im nächsten Jahr die Möglichkeit in sogenannten Fan-Parks, die teilweise in townships liegen, sich selber ein Bild der Lage zu machen. Fan-Parks existieren seit der WM 2006 in Deutschland. Dort können Fans in Stadionnähe auf großen Leinwänden die Spiele in hoher Auflösung verfolgen.
Kampf der Kriminalität
Im Januar 2004 beschloss die Regierung die "contact crimes", also die Verbrechen gegen Personen, noch stärker einzudämmen. Zu den "contact crimes" zählen Tatbestände wie Raubüberfall, Entführung aus dem Auto oder Vergewaltigung. In Zusammenarbeit mit der Internationalen kriminalpolizeilichen Organisation INTERPOL gelingen der Regierung und ihrer ausführenden Einsatztruppe, dem South African Police Service, kontinuierlich Fortschritte. Die Kriminalitätsstatistik auf www.saps.gov.za zeigt: 2008 sank im Vergleich zu 2006 die Zahl der Raubüberfälle um 8,7 Prozent von rund 70 000 auf circa 65 000 Fälle. Mord und Vergewaltigung sind ebenso rückläufig.
Die südafrikanische Regierung will bis 2010 zahlreiche Polizisten hinzuziehen. Dies bestätigt auch Vishnu Naidoo, Polizeikommandant und Kommunikationsdirektor der SAPS gegenüber medien-mittweida.de. "Bis Ende 2009 werden 55 000 zusätzliche Polizisten, im Rahmen des 'legacy programme' der FIFA, eingestellt." Die Polizeikräfte sind auch nach der WM weiter im Dienst. Fans können sich mit einem hohen Polizeiaufgebot in den public viewing areas, Hotels und Stadien sicher fühlen. Diese liegen zum Teil auch in townships und stehen dann aber unter besonders starker Beobachtung durch die südafrikanische Polizei.
Sicherheit für Fans
Die südafrikanische Polizei will mit einem großen Polizeiaufgebot Stärke demonstrieren. "Sowohl in als sicher geltenden Gebieten, als auch in anderen Gebieten werden unsere Polizisten zu Fuß und mit dem Auto eine hohe Präsenz zeigen. Unterstützt werden sie dabei auch aus der Luft", erläutert Naidoo. In gut entwickelten Gebieten mit übersichtlicher Struktur kann auch der Einsatz von Kameras erfolgen. 2006 hatte der Afrika-Rat zur WM in Deutschland Teile Berlins für dunkelhäutige Menschen als "No-Go-Areas" deklariert. Solche soll es laut Naidoo für ausländische Fans in Südafrika nicht geben: "Zum Glück haben wir keine 'No-Go-Areas' in Südafrika. Die Südafrikanische Verfassung erlaubt den Menschen überall hin zu reisen. Es gibt jedoch Gebiete welche immer als problematisch eingestuft werden können. Wir möchten die Menschen nicht daran hindern, dort hin zu gehen. Wir werden vielmehr mit noch größerem Einsatz diese Areale sichern, für die Menschen, welche darin leben und für die, welche diese Areale besichtigen möchten."
My home is my castle
Trotz der sinkenden Kriminalität wohnen viele wohlhabende Bürger Südafrikas in Häusern, die für europäische Verhältnisse eher einem Hochsicherheitstrakt gleichen. "Die Sicherheitslage ist von Region zu Region verschieden. Im Norden, in Johannesburg und Umgebung, sind die Menschen sehr auf ihre Sicherheit bedacht. Der Großteil der Häuser verfügt über hohe Sicherheitszäune, ausgeklügelte Alarmsysteme und einen privaten Sicherheitsdienst", bestätigt Elmé Coetzer. Die Polizei hält die Bürger an, ihre Häuser selbst zu sichern. Beispielsweise mit Nato-Stacheldraht, Sicherheitstüren und großen Hunden.
Besondere Sicherung erfahren auch die Nationalmannschaften. Die deutsche bezieht zum Beispiel in Johannesburg Quartier. Hotels, Trainings- und Medienzentren stehen unter dem Schutz der Gesetzeshüter und privaten Sicherheitsdienste.
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