Von: Marion Uhlendorff
Einsturzgefährdetes Endlager Asse 2
"Licht ins Dunkel bringen"
Derzeit droht das Bergwerk Asse 2 einzustürzen oder überflutet zu werden. Jahrzehnte lang galt das weltweit erste Endlager als Vorbild für das Atommüll-Zwischenlager Gorleben. "Greenpeace" fordert von der niedersächsischen Regierung die Einberufung eines Untersuchungsausschusses.
"Licht ins Dunkel bringen" – mit diesem Aufruf protestierten diese Woche 30 "Greenpeace"-Aktivisten vor dem Sitz des Niedersächsischen Landtags in Hannover. Symbolisch überreichten sie den Vertretern der fünf Parteien im Landtag Grubenlampen. Die Aktivisten forderten die Einberufung eines Untersuchungsausschuss, der die Sicherheitsmängel im Salzbergwerk Asse 2 aufklären soll.
Bis 1964 diente der Bergwerksschacht Asse 2 bei Wolfenbüttel dem Abbau von Kali- und Steinsalz. Die in 400 Metern Tiefe gelegenen Schächte Asse 1 und 3 liefen aufgrund des abfließenden Gebirgswasser bereits voll und es folgte die Schließung. Dennoch erfolgte die Hauptförderung der Asse 2 in bis zu 750 Metern Tiefe. In der Südflanke entstehen 131 Abbaukammern. Jedoch rentiert sich der Kaliabbau kaum noch und mit der Nutzung von Atomenergie benötigen die Atomkraftwerke Platz für den anfallenden Atommüll. 1965 entstand somit das erste so genannte "Versuchsendlager" für Atommüll.
Tobias Münchmeyer von der Umweltorganisation "Greenpeace" betont; "Die Asse wurde unter dem Deckmantel der Forschung wie eine wilde Müllkippe für Atommüll genutzt." Fast vier Jahrzehnte später droht jetzt die Schachtanlage Asse 2 einzustürzen oder mit Wasser voll zu laufen. Sollte dies der Fall sein, müsste man die circa 126.000 Atommüllfässer sich selbst überlassen. Wie viele der Fässer bereits Leck geschlagen sind, lässt sich nicht abschätzen. Seit Anfang Januar ist das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), Betreiber der Asse und löst damit das Münchner Helmholtz-Zentrum nach einer Serie von Pannen ab. Das BfS hat bereits am 7. Mai begonnen, Hohlräume unterhalb der Einlagerungskammern mit Sorel-Beton zu verfüllen. Darüber hinaus plant das BfS ein größeres Programm zur Stabilisierung des Bergwerks, das als "Firstspaltverfüllung" bezeichnet wird. Zudem sicherte das BfS eine weitere Kammer gegen herabfallende Gesteinsbrocken.
Rückholung statt Verfüllung
"Greenpeace" hingegen fordert eine Rückholung aller radioaktiven Abfälle aus der Asse, aber auch aus anderen Endlagern wie Gorleben, um eine Gefährdung der Umwelt und der Bevölkerung langfristig zu verhindern. Die Lösung sieht die Umweltorganisation in der Endlagerstandortsuche an mindestens drei Standorten in Deutschland nach internationalen Standards. Zumindest solange bis der Ausstieg aus der Atomenergienutzung nicht endgültig vollzogen ist.
Nicht abzuschätzen ist allerdings die mögliche Strahlenbelastung, die bei dieser Rückholaktion auftreten könnte. Die Standorte der Fässer sind zwar in Karten erfasst, aber in Beleglisten erfolgten Umdeklarierungen der Fässer. Die Buchführung aus den siebziger Jahren erschwert daher genaue Archivierung und Standortbestimmung. Zudem sollen neben radioaktiven Atommüll auch Arsen, Blei, Quecksilber und Tierkadaver abgekippt worden sein. Gegenüber medien-mittweida betonte Tobias Münchmeyer, Atomexperte von Greenpeace: "Die Einlagerung der Fässer wurde schlampig dokumentiert und chaotisch archiviert. Die Unterlagen spiegeln das Ziel der Asse-Nutzung wider: Aus den Augen, aus dem Sinn mit dem Atommüll. So billig wie möglich für die Atomkonzerne und so heimlich wie möglich für die Politik."
Wie es wirklich in der Asse 2 aussieht und wer dafür verantwortlich ist, kann erst ein Untersuchungsausschuss klären.
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Ein paar Sachen muss man mal richtig stellen.
1. Der Vergleich mehrerer Standorte ist durchaus nicht internationaler Stand (Ausnahme Schweiz und Skandinavien). Internationaler Stand ist nur ein Auswahlverfahren als solches - und da kann man sich jetzt streiten, ob das für Gorleben durchgeführt wurde.
2. In Gorleben sind keine Abfälle endgelagert. Das ist ein Erkundungsbergwerk. Wenn Greenpeace tatsächlich eine - " Rückholung aller radioaktiven Abfälle ...auch aus anderen Endlagern wie Gorleben" - fordert, kann es bei Greenpeace um die Sachkenntnis nicht sehr gut bestellt sein.
Ich weiss auch nicht, wie Greenpeace dazu kommt, eine Rückholung der Abfälle aus der Asse zu fordern, bevor entsprechende Risikoabschätzungen vorliegen. Ich finde das unverantwortlich. Hier macht Greenpeace Politik auf Kosten der Gesundheit der betroffenen Bergleute!